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Verantwortung

Im Rahmen seines Wertekompasses verpflichtet sich das Schauspielhaus Zürich unter anderem zu Nachhaltigkeit. Es leistet damit seinen Beitrag zu den Bestrebungen der Stadt Zürich, bis 2040 klimaneutral zu werden und folgt dem Kulturleitbild der Stadt Zürich 2024-27, «nachhaltige Arbeits- und Produktionsweisen» zu entwickeln.

Als Institution befindet sich das Schauspielhaus weiter auch in einem fortlaufenden Prozess der diversitätsorientierten Organisationsentwicklung auf den Ebenen Personal, Publikum und Programm. Es trägt somit auch laufend zu den angestrebten, diversitätsorientierten Zielen der Stadt Zürich bei, die im Kulturleitbild der Stadt Zürich 2020-2023 formuliert wurden. Das Schauspielhaus Zürich hält für Publikum und Mitarbeitende ein Diversitätsglossar bereit.

Die Arbeitsgruppe Nachhaltigkeit befasst sich unter anderem mit den Themen Dekarbonisierung, Diversität, Gleichstellung, Inklusion und Zugehörigkeit, nachhaltige Zusammenarbeit und Nachwuchsförderung. Ausserdem erarbeitet das Schauspielhaus derzeit eine Nachhaltigkeitsstrategie, in der es um die Verankerung und Institutionalisierung von ökologischer, sozialer und ökonomischer Nachhaltigkeit geht.

Der erste Nachhaltigkeitsbericht inklusive Klimabilanz wurde im Geschäftsbericht 2022/23 veröffentlicht (Seite 24 & 25).

(Stand: Februar 2024)

In unserer Kommunikation am Schauspielhaus Zürich verwenden wir diskriminierungssensible und -kritische Sprache. Damit Sie wissen, wovon wir sprechen, wenn wir bestimmte Wörter benutzen, haben wir für Sie ein Glossar mit Grundlagenbegriffen zusammengestellt. Unser Glossar erhebt keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit und soll dauerhaft erweitert werden.

Sprache ist ein fluides Tool. Sie spiegelt gesellschaftliche Prozesse, kann manchmal sogar Veränderungen vorantreiben. Wer das eigene Sprechen diskriminierungssensibel gestaltet, trägt dazu bei, jahrhundertealte und gesamtgesellschaftlich wirkende Macht- und Gewaltsysteme zu überwinden, die Herabsetzung von verletzbaren Menschen zu vermeiden und marginalisierten Gruppen zu Sichtbarkeit zu verhelfen. Diese sind nicht nur sprachlich, sondern auch in Medien, Politik und Kultur untervertreten und erhalten keine Bühne oder wenig Gehör für ihre Stimme. Eine diskriminierungssensible Sprache hilft zu differenzieren und Stereotypisierungen und gewaltvollen Fremdzuschreibungen entgegenzuwirken. Sie lässt stattdessen alle Individuen mit ihren persönlichen Zugehörigkeiten selbst und selbstgewählt sprechen. Die Begriffe, die hier vorgestellt werden, sind explizit keine Dentitionen und nicht für alle Ewigkeit in Stein gemeisselt. Einige kommen aus dem US-amerikanischen oder englischen Sprachraum und haben noch keine deutsche Entsprechung gefunden. Die Begriffe sind oft abhängig von lokalen gesellschaftlichen Kontexten, in denen sie verwendet werden, ihre Bedeutungen verschieben sich im Gebrauch. Sie liefern ein temporäres Abbild unserer Zeit, im Wissen darum, wie schnell sich gesellschaftliche

Zustände verändern. Sie sollen Mut machen, Sprache nicht als Zwang, sondern als kreatives Werkzeug zu begreifen, das es uns möglich macht, die Welt selbstbestimmt mitzugestalten.

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In unserer Kommunikation verwenden wir grundsätzlich das Gendersternchen, um nicht nur Menschen, die sich mit dem männlichen oder weiblichen Geschlecht identifizieren, sondern Menschen aller Geschlechter sichtbar zu machen und anzusprechen (vgl. trans, inter, non-binär, Pronomen). Mündlich wird der Genderstern als kurze Pause gesprochen: «Arbeiter-[Atempause]-innen». Gleichbedeutend wie das Gendersternchen wird heute oft auch der Doppelpunkt eingesetzt: «Arbeiter:innen». Hingegen verdeutlicht das Gendersternchen mit seinen vielen Strahlen symbolisch die Geschlechtervielfalt besser als der Gender-Doppelpunkt.

Ableismus

ist ein am englischen «Ableism» angelehnter Begriff, der aus der US-amerikanischen Behindertenbewegung stammt. Er beschreibt die Diskriminierung von Menschen mit Behinderung, die nicht den Normvorstellungen, was Menschen können und leisten sollen – zum Beispiel laufen, sehen, hören, sprechen, sozial interagieren –, entsprechen. Die Formulierung «behindert werden» soll zudem deutlich machen, dass Menschen nicht aufgrund ihrer individuellen Körper behindert sind, sondern durch Architekturen, Barrieren und gesellschaftliche Ausschlüsse behindert werden.

Ageism

(dt. «Altersdiskriminierung») beschreibt die Ausgrenzung und Herabwürdigung von Menschen eines gewissen Alters, insbesondere älterer Menschen. Bei Ageism findet aufgrund des Alters eine jahrgangs- oder generations-bezogene soziale, berufliche und/oder ökonomische Benachteiligung von Gruppen oder einzelnen Personen statt.

Ally

bedeutet auf Englisch «Alliierte*r», «Verbündete*r». Der Begriff bezeichnet Menschen, die ihre Privilegien nutzen, um sich aktiv für Menschen einzusetzen, die Diskriminierungserfahrungen machen. Für Menschen mit Diskriminierungserfahrung ist es diesbezüglich wichtig, dass Allies sich nicht als «Retter*innen» (Zum Beispiel white savior oder male savior) von marginalisierten Menschen darstellen, sondern sich im Sinne von Empowerment mit ihnen und an ihrer Seite gegen Diskriminierung stellen.

Anti-Asiatischer Rassismus

bezeichnet eine spezifische Diskriminierung von als ost- und südostasiatisch gelesenen Menschen. Das heißt, nicht alle Menschen mit einem asiatischen Bezug machen diese spezifische Rassismuserfahrung. Asiatisch gelesene Menschen werden vielfach als «Vorzeigemigrant*innen» beschrieben und gegen andere (post-)migrantische Gruppen ausgespielt. Sie werden auch als homogene Masse dargestellt und erleben unter anderem vorurteilsbehaftete Zuschreibungen von intellektuellen Fähigkeiten, von denen eine Gefahr für die weiße Dominanzgesellschaft ausgehe. Während der Covid-19 Pandemie stieg Anti-Asiatischer Rassismus weltweit an.

Anti-Balkanismus / Anti-Slawischer Rassismus

bezeichnet eine feindliche oder ablehnende Haltung gegenüber und strukturelle Diskriminierung von Menschen aus der Balkanregion beziehungsweise aus Südosteuropa. Diese Menschen haben verschiedene natio-ethno-kulturelle und religiöse Zugehörigkeiten, welche oftmals stereotypisierend zusammengefasst werden.

Die Rassifizierung on Menschen aus (Süd-)Osteuropa geschieht oft aufgrund von Namen, Sprache, Akzent, aber auch aufgrund körperlicher «Eigenschaften» oder «typischer» Verhaltensweisen. Der Anti-Balkanismus ist eine Form des Orientalismus und somit oft mit anti-muslimischem Rassismus gepaart – auch wenn nur ein Teil der Menschen mit Herkunftsbezug zum Balkan religiös dem Islam zugehört.

Der anti-Slawische Rassismus gegen Menschen aus (Süd-)Osteuropa hat mit rassistischen Vorurteilen gegenüber Slaw*innen zu tun – auch wenn nur ein Teil der Menschen mit Herkunftsbezug zu (Süd-)Osteuropa Slaw*innen sind. Der Rassismus gegen Menschen aus (Süd-)Osteuropa wird meist nicht differenziert geäußert, sondern zeigt sich überlagernd in einer Vermengung von Anti-Slawismus und Anti-Balkanismus.

Anti-Schwarzer Rassismus

bezeichnet eine Form von Rassismus, die sich gegen Schwarze und Schwarz gelesene Menschen richtet. Es handelt es sich um eine feindliche Einstellung oder eine abwertende Haltung gegenüber Menschen of African Descent. Mit dem physischen Merkmal der Hautfarbe und weiteren phänotypischen Merkmalen werden diverse negative Stereotype verknüpft. Anti-Schwarzer Rassismus basiert auf der Annahme, dass Schwarze und weisse Menschen grundsätzlich ungleich sind. Heutige Formen und Ausprägungen des Rassismus gegenüber Schwarzen Menschen reichen von Alltagsrassismus über strukturellen Rassismus bis hin zu tödlicher Gewalt. Anti-Schwarzer Rassismus wird oft verharmlost oder auf die Empfindlichkeit der betroffenen Personen zurückgeführt. Dies entspringt direkt rassistischen Stereotypen gegenüber Menschen of African Descent. Anti-Schwarzer Rassismus tritt auch in Form von eigentlich gut gemeintem Handeln in Erscheinung, ohne einer «per se» feindliche Einstellung.

Antisemitismus

ist ein Begriff, der eine ablehnende, abwertende bis feindliche oder hasserfüllte Haltung oder Einstellung gegenüber Menschen ausdrückt, die sich als jüdisch bezeichnen oder als solche wahrgenommen werden. Diese Form der rassistischen Diskriminierung zeigt sich beispielsweise in Vorstellungen einer «jüdischen Weltverschwörung» oder in der Betrachtung jüdischer Menschen als «Sündenböcke» für soziale, politische und gesellschaftliche Übel. Antisemitismus manifestiert sich in feindseligen Überzeugungen, Vorurteilen oder Stereotypen, die sich auch in gesellschaftlichen Strukturen zeigt. Diese führen dazu, dass jüdisch gelesene Personen beleidigt, herabgesetzt, ausgegrenzt, benachteiligt oder als grundsätzlich «anders» betrachtet werden. Nicht nur Einzelpersonen, sondern auch jüdische Organisationen und Institutionen sind von antisemitischer Gewalt betroffen.

Antirassismus

bezeichnet Ansätze, Praxen, Strategien, etc., die auf die Beseitigung und Überwindung von rassistischen Strukturen, Verhältnissen und Einstellungen abzielen. Antirassistische resp. rassismuskritische Perspektiven plädieren für eine selbstreflexive, machtkritische und offene Auseinandersetzung mit den rassistischen Realitäten von (aktuellen) Gesellschaften.

Alltagsrassismus

Alltagsrassismus zeigt sich, wenn sich rassistische Vorurteile über kulturell verankerte Zugehörigkeitsordnungen, Bilder und Vorstellungen unbewusst und/oder unbeabsichtigt z. B. in vermeintlich neutralen, positiven, oder neugierigen Fragen, Aussagen, Gesten, Handlungen und Blicken niederschlägt. Alltagsrassismen schliessen Menschen implizit aus dem «Wir» aus und können erhebliche negative Folgen auf die mentale wie physische Gesundheit für Betroffene haben. Der Begriff „Alltagsrassismus“ betont das Zusammenwirken von individuellen Handlungen und gesellschaftlich-strukturellem Rassismus.

Awareness

stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt Bewusstsein oder Achtsamkeit. Er bezeichnet ein Schutzkonzept, das Menschen dabei unterstützen soll, strukturelle Diskriminierung zu erkennen und Position für die Betroffenenperspektiven zu beziehen.

Behindert werden

Die Formulierung macht deutlich, dass Menschen nicht aufgrund ihrer individuellen Körper behindert sind, sondern durch Barrieren und gesellschaftliche Ausschlüsse behindert werden. Es sind nicht die individuellen Körper oder Fähigkeiten der Personen selbst, die Behinderung ausmachen, sondern Barrieren und fehlende Zugänge. Man spricht in diesem Zusammenhang auch von dem sozialen Modell von Behinderung, das besagt, dass Menschen mit Behinderung von der Gesellschaft behindert und ausgegrenzt werden, wenn alles nur auf Körper und Fähigkeiten ausgerichtet ist, die einer bestimmten gesellschaftlichen Norm entsprechen.

Barriere-Freiheit / Barriere-Armut

beschreibt den Grad der Zugänglichkeit zu Informationen und Teilhabe für alle. Das betrifft sämtliche Bereiche des Alltags: Websites, öffentliche Räume, öffentlicher Verkehr, Kunst- und Kultur, Infrastruktur bzw. Zugang zu Gebäuden etc. Dabei geht es vor Allem darum, mit und für Menschen mit Behinderung einen erleichterten, idealerweise problemlosen zu allen Bereichen zu ermöglichen. Sekundär kann die Barrierefreiheit aber auch auf andere marginalisierten Gruppen erweitern werden.

Black Facing

bezeichnet eine Praxis, bei der sich weisse Menschen das Gesicht mit schwarzer Farbe bemalen, um Schwarze Menschen stereotypisiert und überzeichnet darzustellen. Der Begriff geht auf die «Minstrel-Shows» des 18. und 19. Jahrhunderts in den USA zurück, bei denen Schauspieler*innen Schwarze Figuren darstellten, um sich über diese lustig zu machen. Es handelt sich hierbei um eine rassistische Praxis, die nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und anderen Teilen der Welt verbreitet ist. Black Facing kann für Schwarze Menschen sehr verletzend sein. Neben Black Facing gibt es auch Yellow Facing oder das Nachahmen von Indigenen Menschen, was ebenso verletzend ist.

BIPoC

Abkürzung für Black (Schwarze Menschen), Indigenous (indigene Menschen) und People of Color. Dies ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die nicht weiss sind und die daher gewisse Privilegien nicht haben. BIPoC ist eine mögliche Bezeichnung, um viele Personen die Rassismuserfahrungen machen anzusprechen. Mit dem Begriff identifizieren sich jedoch nicht alle rassifizierten Personen.

Black Lives Matter

(abgekürzt BLM, engl. ungefähr für «Schwarze Leben zählen») ist der Slogan der gleichnamigen transnationalen Bewegung, die sich mit Protesten, Gedenkveranstaltungen und einer weltweiten Mobilisierung auf Social Media gegen Gewalt an Schwarzen Menschen und People of Color aufgrund von Rassismus, Racial Profiling und Polizeigewalt einsetzt. Das Hashtag #BlackLivesMatter ging 2013 nach dem Freispruch des Täters, der den afroamerikanischen Teenager Trayvon Martin in Florida erschossen hatte, viral und erlangte internationale Bekanntheit durch die Demonstrationen, die 2014 auf die rassistisch motivierte Tötung von Michael Brown in Ferguson und Eric Garner in New York folgten.

Body Shaming

bedeutet, jemanden aufgrund seiner körperlichen Erscheinung zu beleidigen oder zu diskriminieren. Das kann jeden Körper treffen, vor allem aber werden weibliche, trans, inter und/oder dicke Körper (Fat Shaming) bewertend und herablassend kommentiert. Auch dünne (Skinny Shaming), alte oder behinderte Körper sind davon betroffen. Body Shaming meint auch, wenn sich Betroffene bedingt durch Umwelteinflüsse für ihren Körper schämen, wenn er nicht der gesellschaftlichen Norm und kaum erreichbaren Schönheits- und Körperbildern, die in Medien oder Werbung propagiert werden, entspricht.

Brown / Braun

«Brown» wird im angloamerikanischen Raum als Selbstbezeichnung einiger rassismusbetroffener Menschen verwendet, die sich nicht mit dem Begriff BIPoC identifizieren. Oft wird auch von «Black and Brown People» gesprochen. «Brown» bezeichnet eine spezifische Rassismus-Erfahrung. Im deutschsprachigen Raum sollte der Begriff nur verwendet werden, wenn sich eine Person explizit selbst so bezeichnet. Wenn es hingegen um die Bezeichnung einer Hautfarbe geht, kann «braun» verwendet werden. Es ist jedoch vorsichtig abzuwägen, ob dies überhaupt notwendig ist. Meistens ist dies nur dann der Fall, wenn explizit etwas mit der Haut zu tun hat und Medizinisches benötigt wird oder wenn es um Make-up, Nylonstrümpfe etc. geht.

cis

(lat. für «diesseits», «auf dieser Seite stehend») sind Personen, die sich mit dem Geschlecht, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, tatsächlich auch identifizieren. (vgl. auch trans(gender))

Colorism

bezeichnet eine spezifische Art der Hierarchisierung, bei welcher rassifizierte Menschen aufgrund der Schattierung der Haut entweder benachteiligt oder bevorzugt werden. Der Begriff Colorism (auch Shadeism) kommt ursprünglich aus den USA und benennt konkrete Auswirkungen im Alltag. PoC die besonders dunkle Haut haben, werden institutionell und auch im Alltag stärker diskriminiert als jene mit heller Haut.

Crip

Ähnlich wie die deutschsprachige „Kr*ppelbewegung“, haben auch englischsprachige Aktivist*innen mit Behinderung das Ziel, sich ein Wort wieder anzueignen, das häufig als Beleidigung benutzt wurde. «Crip» steht im Englischen für Kr*ppel. Mittlerweile ist es eine positive Selbstbezeichnung geworden, die auch im deutschsprachigen Raum genutzt wird. «Crip» bezieht sich nicht nur auf Menschen mit sichtbaren körperlichen, sondern auch mit unsichtbaren Behinderungen und chronischen Krankheiten wie chronischen Schmerzen. Es ist eine Selbstbezeichnung und wird in der Regel nicht von Nichtbetroffenen verwendet.

Cripping Up

bezeichnet eine problematische und ableistische (vgl. Ableismus) Besetzungspraxis, bei welcher ein*e Schauspieler*in ohne Behinderung im Film oder Theater die Rolle einer Person mit Behinderung spielt. Diese Praxis wird ähnlich stark kritisiert wie wenn weisse Schauspieler*innen sich schwarz schminken, um Schwarze Rollen zu spielen. «Cripping up» als Besetzungspraktik wird teilweise von behinderten Schauspieler*innen und Aktivist*innen kritisiert, da Menschen mit Behinderung immer noch unterrepräsentiert sind und aufgrund ihrer Behinderung häufig für bestimmte Rollen nicht ausgewählt werden.

Crip Time

ist ein Konzept, das die Erfahrungen behinderter, chronisch kranker und neurodivergenter Menschen mit Raum und Zeit beschreibt, die anders als bei nichtbehinderten Menschen sind. Crip Time stellt sich dem Konzept von normativer Zeit gegenüber. Normative Zeit ist die mehrheitlich sozial akzeptierte Art, wie Zeit im Alltagsleben eingeteilt ist, insbesondere in feste Termine und Zeitabschnitte. Crip Time beschreibt die komplexen Erfahrungen behinderter Menschen in ihrer Lebenswelt mit Zeit und damit auch, wie ausschließend dieses Verständnis von Zeit ist.

Community

bezeichnet im Kontext der Diversitätsentwicklung eine meist lose, (politische) Interessensgemeinschaft, in der Menschen zusammenfinden, die Diskriminierungserfahrungen teilen. Die Community ist durch ein positives Wir-Gefühl, beziehungsweise den Bezug auf eine positive Gruppenidentität verbunden.

Dark-skinned / light skinned

Dark-skinned und light-skinned sind Positionierungen von rassismusbetroffenen Menschen innerhalb eines rassistischen Systems. Light-skinned Menschen werden häufig aufgrund von helleren Hauttönen als «schöner»/«attraktiver» bewertet und erhalten tendenziell erleichterte strukturelle sowie ökonomische Zugänge zu Privilegien. Dadurch werden sie im Vergleich zu dark-skinned Menschen tendenziell weniger häufig diskriminiert, erfahren eine höhere mediale Repräsentation (Fernsehen, Filme, Werbung) und haben erleichterten Zugang zu Liebesbeziehungen sowie zum Arbeits- und Wohnungsmarkt. Die Begriffe sind nicht mit der deutschen Entsprechung «hell- und dunkelhäutig» zu vergleichen, da diese sehr oft einseitig und verletzend eingesetzt

Deadname

Ein Deadname (englisch: ‚toter Name‘) ist ein abgelegter, alter Vorname, der meist bei der Geburt gegeben wurde. Für trans und/oder nonbinäre Menschen, die sich einen neuen Namen gegeben haben, kann es verletzend sein, mit ihrem Deadname angesprochen zu werden. Das Ansprechen mit dem abgelegten Namen wird auch Deadnaming oder deadnamen genannt und passiert manchmal unabsichtlich. Sehr oft passiert es aber mit der Absicht, das Geschlecht der trans und/oder nonbinären Person nicht anzuerkennen. Dies stellt somit auch eine Form der Ausgrenzung respektive (strukturellen) Diskriminierung von trans und/oder nonbinären Menschen dar.

Disability Arts

Der Begriff Disability Arts wird oft als Oberbegriff für künstlerische Arbeiten von Künstler*innen mit Behinderung verwendet und thematisiert in den meisten Fällen auch Fragen von Körperlichkeit, Verletzlichkeit, Freiheit und Normalitätsvorstellungen. Der Begriff entstand in den 1970er-Jahren in der Behindertenbewegung in Großbritannien. Wichtig ist es zu differenzieren: Nicht jede*r Künstler*in mit Behinderung produziert Disability Art

Diskriminierung

bezeichnet Gruppenzuordnungen, aufgrund derer Menschen diskriminiert werden, sind zum Beispiel Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, soziale oder ethnische Herkunft, Sprache, Religion, politische Überzeugung, Alter, Behinderung, Körpergewicht. Die von der Gesellschaft konstruierten Normen und die Abweichung davon führen zu Diskriminierung. Rassistische Diskriminierung ist eine spezifische Form der Ungleichbehandlung aufgrund tatsächlicher oder zugeschriebener physiognomischer Merkmale, ethnischer Herkunft, kultureller Eigenschaften und/oder religiöser Zugehörigkeit.

Diversität

Diversitätsorientierte Organisationsentwicklung

ist ein innovativer Ansatz zur Veränderung von Organisationen, die die gesellschaftliche Vielfalt nicht (genug) abbilden. Ziel ist es, einen wertschätzenden Umgang mit Diversität zu erreichen und (strukturelle) Diskriminierung abzubauen. Diversitätsentwicklung in Institutionen wie dem Schauspielhaus Zürich zielt darauf ab, diskriminierungsarme Räume (vgl. safer space) zu entwickeln, um Verbindungen herzustellen und Zugehörigkeit zu stiften.Damit Diversität nachhaltig sichergestellt und Konflikte gelöst werden können, bedarf es Inklusions-Praktiken, die Barrieren abbauen, Chancengleichheit erhöhen, Teilhabe gestalten und Diskriminierung abbauen. Dafür grundlegend ist eine Auseinandersetzung mit Machtverhältnissen und der Reproduktion von Privilegien bzw. Nachteilen, sowie ein Verständnis für die Beziehung zwischen Individuen und der sozialen Umwelt.

Dominanzgesellschaft

Die Dominanzgesellschaft prägt das vorherrschende Wertesystem des sozialen Zusammenlebens und erzeugt dadurch gesellschaftliche Ein- und Ausschlüsse, Privilegien und strukturelle Diskriminierungen. Der Begriff «Dominanzgesellschaft» zeigt anders als der geläufigere Begriff «Mehrheitsgesellschaft» auf, dass verschiedene hierarchische Machtstrukturen eine Gesellschaft durchziehen und es bei der Frage, wer welche Normen und Werte prägt, nicht um Bevölkerungsanteile, also zählbare Mehr- und Minderheiten, geht.

Empowerment

(engl. für «Ermächtigung») meint, dass Personen oder Gruppen, die gesellschaftlich benachteiligt sind, durch gezielte Strategien und Qualifikationsangebote das Handwerkszeug erwerben, ihr Leben selbstbestimmter gestalten zu können. Dabei wird der Fokus darauf gelegt, die eigenen Stärken zu erkennen, daraus (neue) Handlungsmöglichkeiten abzuleiten und Eintritt zu Bereichen zu erlangen, die sonst aufgrund von Diskriminierung schwer zugänglich sind.

Eurozentrismus

beschreibt die Beurteilung nicht-europäischer Kulturen aus der Perspektive europäischer Werte und Normen. Europa bildet hier das unreflektierte Zentrum des Denkens und Handelns; Europas Entwicklungsgeschichte wird als Massstab für jegliche Vergleiche mit anderen Ländern und Kulturen gesehen.

Ethnicity / ‘Kulturelle’ Herkunft

Ethnicity bedeutet Ethnie oder Volkszugehörigkeit. Allerdings wird der Begriff auf Deutsch und Englisch unterschiedlich verwendet. So ist Ethnie im Deutschen zwar ein Begriff ohne eigene, direkte koloniale Geschichte, doch wurde er in den 1960er-Jahren vom Anthropologen Wilhelm Emil Mühlmann eingeführt, um «Rasse» oder Stamm zu ersetzen. Ethnie soll als neutraler, entpolitisierter Begriff gelten, führt aber die rassistischen Begriffsinhalte seiner Vorgänger fort. Ethnisch sind im deutschen Sprachgebrauch häufig nur rassismusbetroffene Menschen, die von Menschen in Machtpositionen verallgemeinert und bewertet werden. Der Begriff sollte daher vermieden werden, da so Machtasymmetrien reproduziert werden. Die Idee, pauschale Zuschreibungen an so heterogene Gruppen zu richten, entspringt einer rassifizierten Logik der Benennung der «Anderen».

Exotismus

ist eine Form des Eurozentrismus. Er beschreibt eine Grundeinstellung, die das Fremde, wie zum Beispiel «fremde Kulturen», als durchaus positiv bewertet und ihm eine besondere Faszination beimisst. Das Fremde wird alleine unter «exotischen» Aspekten wahrgenommen. Diese voreingenommene und auch rassistische Perspektive wird wenig bis gar nicht reflektiert, auch dann nicht, wenn keine ‘bösartige Intention dahintersteckt.

Femizid

meint die gezielte Tötung einer Frau oder eines Mädchens bzw. von FLINTA*, bei der das Geschlecht mutmasslich das Motiv oder entscheidender Faktor für die Verübung der Tat war. Auch zielgerichtete tödliche Gewalt gegen Frauen und Mädchen bzw. FLINTA* in Kriegen, sowie tödliche frauenfeindliche Hass-Verbrechen mit möglicherweise zusätzlich rassistischen, homo-, trans- und behindertenfeindlichen Motiven fallen unter diesen Begriff. Femizide sind keine Einzelfälle, sondern Resultat von struktureller Gewalt, deren Ausgangspunkt in den patriarchalen Machtverhältnissen unserer Gesellschaft liegt. Gewalt gegen Frauen wird noch oft als Privatsache behandelt, was sich am gesellschaftlichen Umgang damit ablesen lässt: Der Begriff Femizid ist in der Schweiz noch immer kein etablierter politischer Begriff: Seine Verwendung wurde im Sommer 2020 vom Ständerat erneut abgelehnt.

FLINTA*

steht als Abkürzung für Frauen, lesbische, inter, non-binäre, trans und agender Personen und beschreibt somit jene Menschen, die aufgrund ihrer Geschlechtsidentität patriarchal diskriminiert werden. Das Sternchen * verweist auf nicht explizit erwähnte Personen, die sich nicht in eine der genannten sexuellen Orientierungen oder Geschlechtsidentitäten einordnen und mitgemeint sind.

Fremdenfeindlichkeit/Xenophobie

ist eine ablehnende Einstellung und Verhaltensweise gegen als «fremd» empfundene Menschen und Gruppen (zum Beispiel durch Herkunft, Kultur, Sprache oder Religion). Fremdenfeindlichkeit richtet sich zunächst auf den Status der fremden Nationalität, verfestigt dieses Merkmal des Zugewandertseins aber im Laufe der Zeit durch zugeschriebene, negative Eigenschaften, die für die Betroffenen über Generationen spürbar sein können. Während Rassismus im engeren, biologisch argumentierenden Sinn auf der vermeintlich unabänderlichen Zuschreibung von Merkmalen beruht, kann eine fremdenfeindliche Haltung sich mit der Zeit verändern. Ehemals als fremd empfundene Menschen und Gruppen verlieren dann ihr Stigma und werden nun als «aufgenommen» und «ansässig» wahrgenommen.

Gebärdensprache

Gebärdensprachen sind eigene Sprachen mit eigener Grammatik. Kommuniziert wird mit Handzeichen und Gebärden, aber auch durch Mimik, Kopf- und Körperhaltung. Die Gebärdensprache ist nicht international, jedes Land hat seine eigene. Sie sind gegenüber Lautsprachen als gleichwertig zu betrachten. In der Schweiz benutzen ca. 10'000 Menschen eine (oder mehrere) der drei schweizerischen Gebärdensprachen: die Deutschschweizer Gebärdensprache (DSGS), die Langue de signes française (LSF) und die Lingua dei segni italiana (LIS). Inhalte in Gebärdensprache, Gebärdensprachvideos und die Dolmetschung in Gebärdensprache sind wichtige Voraussetzungen für die Teilhabe gehörloser bzw. schwerhöriger Menschen.

Gadje-Rassismus / Antiziganismus

Mit diesen Begriffen wird die Feindlichkeit gegenüber Sinti*zze und Rom*nja sowie Jenischen benannt. Darunter wird die von Stereotypen, Abneigung und Feindschaft geprägte Einstellung und Verhaltensweise gegen diese Personen verstanden. Dies kann wiederum zu häufig prekären Lebensumständen vor allem von Sinti*zze und Rom*nja führen.

Sowohl fahrende als auch sesshafte Angehörige der Jenischen, Sinti*zze oder Rom*nja sind Formen der Diskriminierung ausgesetzt, welche von verbalen Attacken oder Beschimpfungen bis hin zu tätlichen Übergriffen reichen. Besonders auch durch staatliche Ungleichbehandlung erleben sie immer wieder rassistische Diskriminierung. Einige Sinti*zze- und Rom*nja-Aktivist*innen nennen diese Form rassistischer Feindlichkeit «Gadjé-Rassismus», um den Zi-Begriff nicht wieder zu reproduzieren. Eine Ausnahme bilden einzelne jenische Communities, die sich den Zi-Begriff als Eigenbezeichnung aneignen.

«Gadjé-Rassismus» ist ein Begriff, den Sinti*zze- und Rom*nja-Aktivist*innen und -Wissenschaftler*innen vorgeschlagen haben, um die Bezeichnung «Antiziganismus» zu ersetzen. Er hat unter anderem den Vorteil, dass dabei nicht von einer einheitlichen Gruppe von Betroffenen ausgegangen wird. Im Gegensatz zum «Antiziganismus» wird mithilfe des Begriffs «Gadjé-Rassismus» der Blick auf die Dominanzgesellschaft – eben die Gadjé – gerichtet und auf die Funktionen, welche Gadjé-Rassismus für sie erfüllt, indem sie durch ihren Rassismus sich selbst ermächtigen und emporheben kann.

Heteronormativität

beschreibt eine Weltanschauung und ein gesellschaftliches Wertesystem, das nur zwei Geschlechter («männlich» und «weiblich») und heterosexuelle Beziehungen zwischen diesen Geschlechtern anerkennt und als normal ansieht. In einer heteronormativen Gesellschaft werden an alle Menschen soziale Erwartungen gerichtet, wie sie als Männer und Frauen miteinander leben sollen. Menschen werden in dieser Vorstellung entweder als Mann oder Frau geboren (und dementsprechend erzogen) und gehen nur mit dem jeweils anderen Geschlecht sexuelle Beziehungen ein. Menschen, die nicht in diese zweigeschlechtliche Ordnung passen, weil sie sich beispielsweise als non-binär, trans oder inter identifizieren und/oder keine heterosexuellen Beziehungen haben, werden als «anders» und «nicht normal» wahrgenommen und beschrieben.

Inter

lat. für «dazwischen», veraltet: «intersexuell») bezeichnet Menschen, deren körperliches Geschlecht (beispielsweise die Genitalien oder die Chromosomen) nicht der medizinischen Norm von ‘eindeutig’ «männlichen» oder «weiblichen» Körpern zugeordnet werden kann, sondern sich in einem Spektrum dazwischen bewegt. Bis heute werden inter Kinder nach der Diagnose zu einem (meistens dem weiblichen) Geschlecht umoperiert mit teilweise erheblichen gesundheitlichen Einschränkungen und psychischen Problemen.

Intersektionalität

beschreibt die Überschneidung und das Zusammenwirken von verschiedenen Diskriminierungsformen. Menschen vereinen verschiedene Eigenschaften und Identitäten in sich. Intersektionalität berücksichtigt, dass Menschen oft wegen mehrerer Eigenschaften / Identitäten benachteiligt werden. So kann eine lesbische gehörlose Schwarze Frau wegen ihres Geschlechts, ihrer sexuellen Orientierung, ihrer race und ihrer Behinderung (Ableismus) gleichzeitig und auf unterschiedliche Weise diskriminiert werden.

Klassismus

meint die Diskriminierung aufgrund der sozialen Herkunft und / oder der sozialen und ökonomischen Position. Klassismus richtet sich mehrheitlich gegen Personen mit geringem sozialem und ökonomischem Kapital.

Kolonialismus (europ.)

bezeichnet eine europäische Expansionspolitik zwischen dem 15. und 20. Jahrhundert, die auf der Eroberung, Kontrolle und ökonomischen Ausbeutung von aussereuropäischen Gebieten und deren Zwangsintegration in ein globales kapitalistisches Wirtschafts- und Gesellschaftssystem fusste. Auch nach dem offiziellen Abzug der Kolonialmächte im Verlauf des 19. und 20. Jahrhunderts strukturiert das koloniale Erbe als Wissens-, Herrschafts- und Gewaltsystem bis heute internationale Handelskreisläufe und gesellschaftliche Wertesysteme. Kolonialistische Herrschaft ist hauptverantwortlich für die Auslöschung nicht europäischer, nicht weisser Wissensbestände und anhaltenden strukturellen Rassismus. Wie aktuelle Forschungsarbeiten zeigen, besass die Schweiz zwar keine kolonialen Territorien, war aber durch zahlreiche wirtschaftliche Verbindungen lukrativ in den globalen Handel mit Kolonialwaren und versklavten Menschen verstrickt, der wesentlich zum gegenwärtigen Wohlstand des Landes beigetragen hat.

Kulturelle Aneignung

bedeutet, dass Menschen aus der Dominanzgesellschaft Frisuren, Kleidungsstücke oder andere Aspekte einer marginalisierten Kultur zu ihrem eigenen Nutzen übernehmen, ohne dabei den Wert der jeweiligen Kultur zu respektieren. Beispiele dafür sind, wenn weisse Kinder sich zur Fasnacht mit dem Kopfschmuck indigener Kulturen verkleiden oder H&M traditionelle textile Muster vom afrikanischen Kontinent kommerziell vermarktet. Oft kommt kulturelle Aneignung weissen Menschen zugute. So gelten weisse Menschen mit afrikanischen Frisuren als kosmopolitisch und offen, während Schwarze Menschen, die Braids oder Locs tragen, beispielsweise bei Bewerbungsgesprächen als unprofessionell markiert werden können.

Leichte Sprache und Einfache Sprache

Leichte Sprache ist zielgruppenspezifisch. Sie vereinfacht Texte stark und macht sie einfach verständlich. Zu ihren Zielgruppen gehören insbesondere Menschen mit kognitiven Behinderungen und mit Leseeinschränkungen. Leichte Sprache orientiert sich an festgelegten Regeln, die Typografie, Grammatik, Informationsgehalt pro Satz und visuelle Gestaltung der Kommunikationsmittel betreffen.
Einfache Sprache ist eine leicht vereinfachte Form einer Sprache. Sie entspricht der Stufe B1 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen. Bei Texten in einfacher Sprache ist es wichtig, auf eine alltägliche Wortwahl möglichst ohne Fremdwörter oder Fachvokabular zu achten und Schachtelsätze zu vermeiden. Texte in einfacher Sprache werden von vielen gehörlosen und hörbehinderten Menschen geschätzt, aber auch von fremdsprachigen Menschen mit geringen Kenntnissen der Ortssprache.

LGBTIQ+

ist eine Abkürzung für die englische Bezeich-nungen Lesbian, Gay, Bisexual, Trans, Queer, Inter, Asexual, and More (+). Zu Deutsch: lesbische, schwule, bisexuelle, trans, queer, inter, asexuelle Personen und mehr. Es sind je nach Kontext verschiedene Formen des Kürzels in Gebrauch (vgl. LGBT, LGBTQI*, etc.).

Marginalisierung

bezeichnet die Verdrängung von Individuen oder Gruppen an den Rand der Gesellschaft. Die Verdrängung kann auf verschiedenen Ebenen erfolgen, also zum Beispiel geografisch, wirtschaftlich, sozial oder kulturell sein; meist spielt sie sich auf mehreren Ebenen ab.

Migrantisierung

verweist auf den Prozess, in dem Menschen mit oder mit einer ihnen zugeschriebenen Migrationsgeschichte von einer Dominanzgesellschaft zu «Migrant*innen» gemacht und damit stereotypisiert und «verandert» werden (vgl. Othering).

Mikroaggressionen

sind verbale oder nonverbale alltägliche Äusserungen oder Handlungen, die teilweise bewusst, teilweise unbewusst das Gegenüber aufgrund einer bestimmten angenommenen Gruppenzugehörigkeit herabsetzen oder verletzen. Zum Beispiel wenn eine Person abrupt die Strassenseite wechselt, weil ihr eine Person of Color entgegenkommt, oder wenn eine Person für ihre Kenntnisse der Amtssprache des Wohnsitzlands gelobt wird, obwohl sie dort geboren ist.

Neurodivergenz, Neurodiversität und neurotypisch

Neurodivergenz ist ein (nicht-klinischer) Begriff, der Menschen beschreibt, deren Gehirn und Nervensystem auf eine Weise funktionieren, die von der gesellschaftlichen Norm abweicht, was zu unterschiedlichen kognitiven Fähigkeiten, Wahrnehmungen, Reizverarbeitung und sozialen Interaktionen führt. Er dient auch dazu, stigmatisierende und ausgrenzende Begriffe wie «normal» und «anormal» zu vermeiden. Der Begriff ist Teil der Neurodiversitätsbewegung, die neurologische Unterschiede nicht als Defizite, sondern als natürliche menschliche Vielfalt anerkennt und kulturelle sowie soziale Anpassungen für mehr Inklusion und Akzeptanz fordert. Als neurotypisch werden Menschen bezeichnet, deren Gehirn und Nervensystem der gesellschaftlichen Norm entsprechen.

Non-Binarität

benennt die Geschlechtsidentität von Menschen, die sich nicht oder nur teilweise mit dem männlichen oder weiblichen Geschlecht identifizieren. Non-binäre Menschen verzichten ganz auf ihre Pronomen («er»/«sie») oder nutzen selbstgewählte. Statt eines binären Pronomens kann beispielsweise das englische «they» verwendet oder einfach der Vorname wiederholt werden: «Als Noa gestern ins Bett fiel, schlief Noa sofort tief ein.» Mitterweile werden auch im Deutschen oft die englischen Pronomen they/them verwendet.

Othering

(dt. «Veranderung») bezeichnet den Vorgang, wenn eine Gruppe oder Person sich von einer anderen Gruppe abgrenzt, indem sie die nicht eigene Gruppe als «anders» und «fremd» beschreibt. Dies geschieht meist innerhalb eines Machtgefälles: Die als «anders» Beschriebenen sind von Diskriminierung betroffen und haben oft kaum Möglichkeiten, sich gegen die Zuschreibung zu wehren.

Patriarchat

bezeichnet ein gesellschaftliches Dominanzverhältnis, das auf einer heteronormativen Zweigeschlechtlichkeit und stereotypen Geschlechterbildern von «Mann» und «Frau» basiert und Männer und Frauen in gesellschaftlichen, ökonomischen, sexuellen und interpersonellen Verhältnissen unterschiedlich positioniert. Patriarchale Denkmuster liefern den praktischen Kontext sowie die Bedeutungszusammenhänge sexistischer Ungleichheiten und erhalten diese aufrecht.

People of Color (PoC)

(im Singular Person of Color) ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die Rassismus erfahren. In dieser Bedeutung wird der Begriff seit der US-amerikanischen Bürgerrechtsbewegung in den 1960ern verwendet. Als Wiederaneignung und positive Umdeutung der abwertenden Zuschreibung «colored» beschreibt People of Color ein solidarisches Bündnis von unterschiedlichen Communities, die strukturelle Ausschlusserfahrungen aufgrund von Rassismus machen. Mit Bezug auf diese solidarische Idee verwenden in den letzten Jahrzehnten verstärkt auch marginalisierte Communities in der Schweiz und anderen Ländern des Globalen Nordens die Selbstbezeichnung People of Color, um auf gemeinsame Rassismuserfahrungen zu verweisen. Mit dem Begriff grenzen sie sich bewusst von Bezeichnungen wie «Migrant*in» bzw. «Migrationshintergrund» ab, die den sprachlichen Fokus auf die Migrationserfahrung legen und nicht den erlebten Rassismus thematisieren. Da nicht alle Menschen mit Migrationsgeschichte Rassismus erfahren (zum Beispiel weisse Migrant*innen aus bestimmten EU-Ländern) und viele Menschen Rassismus-erfahrungen machen, die statistisch keinen Migrationshintergrund haben (statistisch besteht Migrationshintergrund nur für Eingewanderte und ihre Nachfahren der ersten und zweiten Generation), ist der Begriff in Bezug auf das Thema Diskriminierung wenig aussagekräftig. Der Begriff PoC beschreibt, ähnlich wie Schwarz oder weiss, keine Hautschattierungen. Es geht um die Marginalisierung aufgrund von Rassismus. In Europa zählen daher unter anderem Menschen aus der afrikanischen, asiatischen oder lateinamerikanischen Diaspora dazu. Dabei spielt ein eurozentrischer, Blick eine Rolle, der eine Folge des einstigen, nicht aufgearbeiteten europäischen Kolonialismus ist. «Of color» kann im Deutschen als Genitivattribut oder als Adjektiv verwendet werden, zum Beispiel so: «Sie ist eine Schauspielerin of Color»; «Mein bester Freund ist of Color».

Privilegien

Ein Privileg bezeichnet ein Vorrecht, das einer Person zuteilwird, weil die gesellschaftlichen Strukturen die Art, wie sie aussieht, wen und wie sie liebt und wie sie lebt, bevorzugt. Privilegien zu haben, bedeutet, mit gewissen Problemen und Diskriminierungen im Alltag nicht konfrontiert zu sein. Privilegien können sein: einen Schweizer Pass zu haben; als weiss zu gelten; cis Mann zu sein; nicht beeinträchtigt zu sein etc. Privilegien zu haben bedeutet nicht, dass man es im Leben immer leicht hat.

Pronomen

Das männliche Pronomen «er» und das weibliche «sie» ersetzten den Namen einer Person im Sprechen. Personen, die sich weder dem männlichen noch weiblichen Geschlecht zugehörig fühlen, verzichten ganz auf ihr Pronomen oder nutzen ein selbstgewähltes. Um eine Person mit dem richtigen Pronomen anzusprechen und ihr nicht automatisch aufgrund einer Vorannahme eines zuzuschreiben, mit dem sie sich möglicherweise nicht identifiziert (so genanntes «Misgendering»), ist es ein Zeichen von diskriminierungssensiblem Bewusstsein, eine Person nach ihrem Pronomen zu fragen.

Queer

ist eine Selbstbezeichnung von Menschen, die eine Vielfalt an sexuellen und romantischen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten jenseits der cis-hetero-Norm leben und verteidigen. Queerness steht für ein politisches Mindset, das aus jahrzehntelangem aktivistischem Widerstand und Theoriebildungen entstanden ist und Binaritäten als solche grundsätzlich infrage stellt.

Race

«Rasse» und race bedeuten im deutschen Sprachgebrauch nicht dasselbe. Anstelle des veralteten Begriffs «Rasse» wird in diskriminierungssensibler Sprache der englische Begriff race verwendet, um kenntlich zu machen, dass es sich bei Kategorisierungen aufgrund unterschiedlicher Phänotypen um ein Konstrukt handelt. Während also der Begriff «Rasse» den Eindruck erwecken kann, es gäbe tatsächlich biologische Rassen, erinnert uns der Begriff race daran, dass es sich um menschengemachte Kategorisierungen handelt

(Struktureller bzw. institutioneller) Rassismus

ist ein historisch gewachsenes Herrschafts- und Gewaltsystem, das eine pseudowissenschaftlich konstruierte Hierarchie zwischen Menschen unterschiedlicher Hautschattierungen und ethnischer und/oder religiöser Zugehörigkeiten etabliert und aufrechterhält. Rassismus ist die ideologische Grundlage für die Legitimierung des transatlantischen Sklavenhandels im Rahmen europäischer Kolonialisierungsprozesse, die mit der Besetzung aussereuropäischer Territorien im 15. Jahrhundert begannen und bis heute verantwortlich sind für eine weltweite strukturelle Ungleichbehandlung nicht weisser rassifizierter Menschen. Die Begriffe «struktureller bzw. institutioneller Rassismus» beziehen sich in diesem Sinne nicht auf rassistische Interaktionen zwischen Individuen, sondern verweisen auf Diskriminierungen, die in gesellschaftlichen Strukturen, Institutionen, Routinen und Abläufen verankert und rechtlich legitimiert sind und Ausschlüsse und Benachteiligungen von BIPoCs auf dem Arbeits- und Wohnungs-markt, im Bildungs- und Gesundheitswesen erzeugen und zu mangelnder Repräsentation in Medien, Kunst und Politik führen.

Relaxed Performance

Beschreibt ein Format, das sich an ein Publikum richtet, das von einer entspannteren und Barriere-ärmeren Theater- und Veranstaltungsatmosphäre profitiert. Sie will eine Willkommensatmosphäre für Zuschauer*innen schaffen, die beispielsweise unkontrollierbare Geräusche oder Bewegungen machen oder die durch die strengen Konventionen in Aufführungsräumen ausgeschlossen werden. Es geht darum, die konventionelle Theateretikette, die Menschen mit Behinderungen oder chronischen Erkrankungen an vielen Stellen ausschließt, so anzupassen, dass Menschen mit Behinderungen in einer entspannteren Atmosphäre in den Genuss von Vorstellungen kommen. Relaxed Performances beinhalten sehr umfassenderen Ansatz, kulturelle Vorstellungen zugänglich zu machen.

Safer Space

meint aktiv hergestellte Räume und Räumlichkeiten, in denen sich Menschen mit Diskriminierungserfahrungen möglichst sicher fühlen dürfen und möglichst keinen Marginalisierungen, Beleidigungen oder Belästigungen ausgesetzt sind. Voraussetzungen für die Etablierung eines solchen Ortes sind achtsames, diskriminierungskritisches Verhalten, eine ebensolche Gesprächskultur sowie geteilte Diskriminierungserfahrungen. Um zu kennzeichnen, dass es keine komplett macht- und herrschaftsfreie Räume geben kann, sondern bloss das Anliegen, Orte möglichst diskriminierungsarm zu gestalten, sprechen wir von «safer» statt von «safe spaces».

Schwarz

mit grossem S bezeichnet keine Farbe oder Hautschattierung, sondern ist eine politische Selbstbezeichnung von Menschen mit Rassismuserfahrungen. Um den Unterschied zwischen dem Farbadjektiv und der Selbstbezeichnung zu markieren, wird «Schwarz» mit grossem S geschrieben.

Selbstbezeichnung

ist ein Begriff, den eine marginalisierte Gruppe für sich selbst wählt im Gegensatz zu einer «Zuschreibung», also einem Begriff, den die Dominanzgesellschaft benutzt, um über die marginalisierte Gruppe zu sprechen. Eine Selbstbezeichnung ist empowernd und vermittelt ein positives Wir-Gefühl. Eine Zuschreibung hingegen markiert eine Gruppe oder Person oft als «anders» oder «fremd» (Othering). Oft dauert es lange, bis Selbstbezeichnungen sich durchsetzen. Ein Beispiel für eine Selbstbezeichnung ist Person of Color oder Schwarz mit grossem S.

Selbstvertreter*in

beschreibt eine Person mit (sichtbarer oder nicht-sichtbarer) Behinderung, die sich selbst, ihre eigenen Rechte und ihre Interessen vertritt und sich für die Anliegen anderer Menschen mit ähnlichen Behinderungen einsetzt. Dieser Ansatz knüpft an das Prinzip «nichts über uns ohne uns» und versucht, die Selbstbestimmung von Menschen mit Behinderungen zu stärken und ihnen Mitsprache in allen Lebensbereichen zu ermöglichen. Gerade in der Theater- und Performancebranche gibt es immer mehr Organisationen von Selbstvertreter*innen, die um mehr Inklusion und Zugänglichkeit kämpfen.

Sexismus

bezeichnet die Diskriminierung aufgrund des Geschlechts. In einer männlich dominierten patriarchalen Gesellschaft zeigt sich Sexismus jedoch vor allem in der Abwertung und Marginalisierung von Frauen, trans Personen und Weiblichkeit im Allgemeinen. (Cis-)Männlichkeit wird hier als Norm verstanden, an der alles gemessen wird. Der Begriff Sexismus stammt aus dem Englischen. Im deutschen Kontext gibt es oft das Missverständnis, Sexismus beziehe sich vor allem auf diskriminierende Handlungen, die auf Sexualität bezogen sind, wie etwa sexuelle Belästigung. Obwohl diese Formen der sexualisierten Gewalt auch Ausdruck von Sexismus sind, bezeichnet der Begriff jedoch ein sehr viel weiteres Spektrum geschlechtsbezogener Diskriminierung, etwa, dass Frauen im Durchschnitt weniger verdienen.

Soziale Gerechtigkeit

beschreibt einen globalpolitischen Ansatz einer gerechten Verteilung von Chancen, Ressourcen und Lebensbedingungen in einer Gesellschaft, bei der kein Mensch unverhältnismässig stark benachteiligt wird. Zentral sind dabei Prinzipien wie die Gewährleistung von Grundbedürfnissen, faire Einkommensverteilung und die Sicherung der Lebensgrundlagen für heutige und zukünftige Generationen. Es gibt viele verschiedene Verständnisse von sozialer Gerechtigkeit, die sich in ihren Schwerpunkten, Analysen, und Umsetzungsstrategien unterscheiden können.

Transformative Gerechtigkeit

meint einen gemeinschaftsbasierten Ansatz zur Auseinandersetzung mit Gewalt, der die Ursachen von Ungerechtigkeit und die Bedürfnisse aller Beteiligten in den Fokus rückt. Dabei geht es zentral um selbstorganisierte Prozesse zur Unterstützung von Betroffenen, zur Übernahme von Verantwortung und zur Schaffung von gesellschaftlichen Veränderungen, um zukünftige Gewalt zu verhindern. So versucht sich dieser Ansatz von dem Prinzip der strafenden Justiz zu entfernen. Es geht auch um schwierige Fragen wie Wiedereingliederung, oder Verzeihen im Kontext von Täter*innen und schliesslich auch um die Frage, wie (institutionalisierte) Gewaltspiralen durchbrochen werden können.

trans(gender)

(lat. für «jenseits», «hinüber», veraltet: «transsexuell») bezeichnet Geschlechtsidentitäten, die sich nicht oder nur teilweise mit dem ihnen bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht identifizieren. Trans Menschen können sich als männlich oder weiblich, aber auch ausserhalb des binären Geschlechtersystems identifizieren, also zum Beispiel als non-binär, agender oder genderfluid.

Transkulturell vs. Interkulturell

Der Begriff «transkulturell» betrachtet Kulturen als dynamische, sich vernetzende Einheiten, bei denen sich individuelle und kollektive Identitäten aus verschiedenen kulturellen Einflüssen zusammensetzen und neue und/oder vielschichtige kulturelle Formen entstehen. Transkulturell unterscheidet sich demnach vom Begriff «interkulturell», der vor Allem den auf gegenseitigen Respekt basierenden Austausch bzw. die Interaktion zwischen zwei (scheinbar) klar voneinander abgegrenzten Kulturen meint. Der Begriff ‘interkulturell’ wird oft kritisiert, da er ein unrealistisches, starres Verständnis von Kulturen beinhaltet.

Triggerwarnungen

werden im Kontext von Au!ührungen eingesetzt, um Zuschauer*innen vor allfällig verstörenden und/oder verletzenden Thematiken im Vorfeld zu warnen. Trigger (engl. für «Auslöser») sind Reize, die bei Menschen mit traumatischen Erlebnissen das ursprüngliche Trauma wieder auslösen können. Um dies zu verhindern, werden explizit inhaltliche Warnungen gemacht, ohne dabei den kompletten Inhalt oder die Handlung der Aufführung vorwegzunehmen.

weiss

beschreibt eine soziale Position und die Privilegien, die weissen Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe zugeschrieben werden, und hat nichts mit der tatsächlichen Farbe der Haut zu tun. Je nach gesellschaftlichem Kontext unterscheidet sich, wer als weiss zählt. Zum Beispiel kann eine Person mit türkischer Herkunft in der Schweiz als Person of Color wahrgenommen werden und fremdenfeindliche Erfahrungen machen, während sie in der Türkei als weiss gilt und gesellschaftliche Privilegien besitzt. Um die Konstruktion des Begriffs hervorzuheben, wird weiss oft kursiv und klein geschrieben.

weisse Privilegien

Je weniger Diskriminierungen eine Person erfährt, desto privilegierter ist sie. Weisse Privilegien beschreiben die Vorteile, die weisse Menschen in einer Gesellschaft haben, zum Beispiel vereinfachte Zugänge zum Arbeits- und Wohnungsmarkt, zum Bildungs- und Gesundheitswesen und in der Repräsentation in Politik, Kultur und Medien (struktureller bzw. institutioneller Rassismus).

white fragility

meint die abwehrenden oder verdrängenden, teilweise aggressiven Reaktionen von weissen Menschen, wenn sie von einem nicht weissen oder weissen Gegenüber mit dem eigenen Rassismus konfrontiert werden.

White passing

Rassismusbetroffene Menschen können als weiss gelesen werden. Dieser Ausdruck wird verwendet, um eine Realität beziehungsweise eine Position innerhalb eines rassistischen Systems zu beschreiben, bei der rassismusbetroffene Menschen von gewissen Menschen nicht als solche erkannt werden. Sie werden aufgrund ihres Aussehens weniger oder nicht rassistisch diskriminiert, können aber andere Rassismuserfahrungen machen, zum Beispiel aufgrund ihres Namens.

white saviour

(«weisse*r Retter*in») meint ein Verhalten von weissen Menschen, das vermeintlich «weniger zivilisierten», weniger gebildeten, ökonomisch schwächer gestellten oder diskriminierten Menschen finanziell oder symbolisch «helfen» will, dabei aber die Kontinuitäten kolonialistischer Herrschaftssysteme nicht überwindet, sondern weiterleben lässt. Oft dienen solche Handlungen der Gewissensberuhigung privilegierter Menschen, gleichzeitig werden bestehende Vorurteile, stereotype Bilder und weisse Vorherrschaft bestätigt.

Woke

Mit diesem Begriff wurden bereits in den 1930er-Jahren Menschen bezeichnet, die wachsam sind gegenüber Ungerechtigkeiten. Eine woke Person ist «wach» oder «aufmerksam» gegenüber mangelnder sozialer Gerechtigkeit und Rassismus. Der Begriff woke findet seine aktivistischen Ursprünge in der Afro-amerikanischen Bürger*innenrechtsbewegung («stay woke»), die u.a. Schwarze Menschen ermahnte, wachsam gegenüber bspw. der Polizei zu sein.

Heute wird der Begriff auch instrumentalisiert und abwertend benutzt, um Stimmung gegen Initiativen zu machen, die sich für soziale Gerechtigkeit einsetzen.

REDAKTIONSTEAM:
Fadrina Arpagaus, Yuvviki Dioh, Miriam Ibrahim, Laura Rivas Kaufmann, Laiya Sievi

TEXTNACHWEISE:
Die Texte aus diesem Glossar speisen sich aus unterschiedlichen Quellen, die wir gerne nennen und denen wir danken möchten: Diversity Arts Culture, www.diversity-arts-culture.berlin; Diversum – Verein für rassismuskritisches Denken, www.verein-diversum.ch sowie das Glossar in Evein Obulor & Rosamag (Hg.): Schwarz wird großgeschrieben, 2021. Ein Teil der Texte sind Originalbeiträge für diese Publikation.

Das Glossar wurde unter anderem im Rahmen eines M2Act finanzierten Projekts ermöglicht.

Top 11 Leseliste
  • Sara Ahmed: Feministisch leben!, 2017.
  • Fatma Aydemir, Hengameh Yaghoobifarah (Hg.): Eure Heimat ist unser Albtraum, 2019.
  • Meg-John Barker, Jules Scheele: Queer – eine illustrierte Geschichte, 2018.
  • Kacen Callender: Felix ever after, 2020.
  • Alice Hasters: Was weisse Menschen nicht über Rassismus hören wollen, aber wissen sollten, 2019.
  • Elisa Liepsch, Julian Warner (Hg.): Allianzen. Kritische Praxen an weissen Institutionen, 2018.
  • Tupoka Ogette: Exit Racism. Rassismuskritisch denken lernen, 2018.
  • Patricia Purtschert, Barbara Lüthi, Francesca Falk (Hg.): Postkoloniale Schweiz. Formen und Folgen eines Kolonialismus ohne Kolonien, 2012.
  • Emilia Roig: Why we matter. Das Ende der Unterdrückung, 2021.
  • Mithu Sanyal: Identitti, 2021.
  • Franziska Schutzbach: Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit, 2021.
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