Nachspielzeit

von Jan Sobrie

Uraufführung
Deutsch von Barbara Buri

Regie Jan Sobrie / Bühne Leo de Nijs / Kostüme Bettina Weller / Choreographie Fabienne Vegt
Mit Nicolas Batthyany, Larissa Keat, Urs Bihler

Nicolas Batthyany
Larissa Keat
Urs Bihler
 
Regie Jan Sobrie
Bühne Leo de Nijs
Kostüme Bettina Weller
Choreographie Fabienne Vegt
Licht Rasmus Stahel
Ton Matthias Müller
Dramaturgie Petra Fischer
Dramaturgie Fabienne Vegt
Regieassistenz Amelie Hafner
Dramaturgiehospitanz Rebekka Spinnler
Theaterpädagogik Manuela Runge

„Ich schwebe zwischen den Korbstühlen hin und her wie ein Balletttänzer. Mit Blasen an den Füssen.“ Ein Kellner kümmert sich um das Wohl seiner Gäste. Fast unsichtbar liest er ungeahnte Wünsche von Augen und Lippen ab, plant Aufmerksamkeiten und Annehmlichkeiten bis ins Detail. Die Geschichten der anderen sind sein Lebenselixier. Er liebt und leidet mit den wechselnden Gästen und übernimmt manchmal sogar ein wenig die Regie. Je tragischer dabei seine Situation wird, desto überschäumender, witziger, poetischer ist seine Fantasie. Und wir wissen bald nicht mehr ganz genau, ob das alles Spiel ist oder ob wir mitten ins Leben blicken.

„Nachspielzeit“ spielt an der Nahtstelle zwischen Realität urbaner Geschäftigkeit und Fiktion von Lebensträumen, Erinnerungen und Parallelwelten. Es erzählt vom Überlebenswillen des Menschen, der sich inmitten der Grossstadt einsam und verloren fühlt, mittels der Phantasie jedoch neue Welten erschafft.

Jan Sobrie, geboren 1979 in Gent, studierte Schauspiel an der Theaterschule RITS in Brüssel. Seit seinem Studienabschluss im Jahr 2002 arbeitet er als Schauspieler, schreibt Theaterstücke und inszeniert. Für mehrere seiner Stücke erhielt Jan Sobrie den Niederländisch-Deutschen Kinder- und Jugendtheaterpreis Kaas & Kappes: 2007 für den Monolog „Titus“, 2010 für „Remember me“ und 2015 für „Shut up“.

„Urs Bihler ist das Zentrum eines kleinen Theaterabends, der nicht weniger als ein Coup ist. Dem Belgier Sobrie glückt eine Etüde über die Einsamkeit städtischer Menschen, von jungen (Larissa Keat, Nicolas Batthyany) wie alten.“ NZZ

„Regisseur Jan Sobrie inszeniert sein Drama als dichten Szenenreigen samt Knalleffekten und Kicherfaxen. Selbst das Wetter spielte an der Premiere mit: Als der Mann gegen Ende das riesige Tor des Foyers aufschob, prasselte ein unbarmherziger Platzregen auf ihn nieder. So unbarmherzig wie das Greisenalter, das seine Opfer in einsamen Endlosschleifen gefangen hält.“ Tages-Anzeiger

Der alte Mann und das Meer: Hier ist es das Meer der Erinnerungen, das aufbrandet, den Greis zu verschlingen droht. Urs Bihlers abgehalfterter Oberkellner schlurft durchs Lokal, das der niederländische Szenograf Leo de Nijs für die Uraufführung von „Nachspielzeit“ ins Schiffbaufoyer hineingetupft hat, mit ein paar verstreuten Stühlen und Tischen, einem Klavier für versandende Songs, einem Kühlschrank für konservierte Augenblicke.“ Der Landbote

Dass Einsamkeit schädlicher ist als 15 Zigaretten täglich und auch ein Ministerium für Einsamkeit des wachsenden gesellschaftlichen Problems nicht Herr wird: All diese Erkenntnisse spicken der Alte und sein junges Alter Ego – ein erstklassiger Nicolas Batthyany – hinein in die Partitur des Wehs.“ Tages-Anzeiger

„Aus einem Lautsprecher plätschert der Soundteppich für den slapstickhaften Auftritt eines alten Paars, das zwar gleichgetaktet niest, alsbald aber mit Besteck, Blumenvase und Salzstreuer bewaffnet einen Rosenkrieg anzettelt. Eine der schönsten, schrägsten Szenen des Abends …“ Nachtkritik.de

„„Nachspielzeit“ entert das Foyer des Schiffbaus, den als Transitzone vernachlässigten Raum zwischen der Realität der Stadt und der Fiktion des Theaters. Das Stück besetzt räumlich und mental die Schnittstelle, wo Erwartung beginnt und wo sie endet.“ NZZ

„Der Szenograf Leo de Nijs hat das Eingangsfoyer des Schiffbaus, das erstmals für eine Inszenierung genutzt wird, als Gast- und Wohnstube eingerichtet: im Zentrum ein gedeckter Tisch, daneben ein Piano, ein Kühlschrank, ein Sessel, darüber riesige Lampen, im Hintergrund Wandschränke, die mit ihren Spiegeln Restaurantatmosphäre schaffen.“ Aargauer Zeitung

„Dann setzt sich der Kellner ans Piano, spielt Rossini, während seine zwei Gäste auftauchen: ein alter Freak (Nicolas Batthyany) und dessen Frau (Larissa Keat), die schon bessere Tage gesehen haben. Sie tragen Masken und sorgen mit Slapstickeinlagen für Heiterkeit im Publikum.“ sda

„Die amerikanische-schweizerische Schauspielerin Larissa Keat gleitet mal in die Rolle eines Jugendschwarms, mal in die der Mutter.“ Tages-Anzeiger

„Der belgische Autor Jan Sobrie, von dem das Junge Schauspielhaus nun das vierte Stück aufführt, hat erstmals auch die Regie übernommen. Eine gute Hand hatte er bei der Besetzung der drei Rollen. Wenn sich der Besuch des Abends lohnt, dann wegen des starken Ensembles. Insbesondere Urs Bihler lotet mit seinem Spiel die Schattierungen seines Kellners differenziert aus.“ Die Südostschweiz

„Der operettenhafte Kleinkrieg der Alten findet im Kopf eines Kellners (überzeugend gespielt von Urs Bihler) statt.“ Nachtkritik.de

„In der Realität teilt der hoffnungslos vereinsamte Alte sein Leben mit einer Sehnsuchtsgeliebten (Larissa Keat) und seinem mindestens so einsamen jungen Mitarbeiter (Nicolas Batthyany, eindrücklich).“ NZZ

„Seine Einsamkeit staffiert er mit fantastischen Figuren aus. Etwa einer Frau im Kühlschrank, die nicht, wie in Krimi-Manier, tot und tiefgefroren darin ausharrt, sondern ihm ziemlich lebendig entsteigt, tänzelt und flirtet was das Zeug hält. Eine Traumfrau im wahrsten Sinn des Worts, vielleicht eine Verflossene, eine verflossene Chance auf Zweisamkeit. Auf der Flucht vor missglückten Lebensentwürfen landet Ulrich immer wieder in seinem „Keller voller Geschichten“.“ Nachtkritik.de

Schiffbau/Foyer

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