camera orfeoEine auto-choreographische Komposition von Penelope Wehrli
Orfeo muss sich umdrehen, damit er Euridice immer wieder neu erfinden kann.
camera orfeo ist eine konzentrierte Auseinandersetzung mit Vorgängen des Erinnerns, Löschens und Neuschaffens und ein Versuch diese in einen Raum zu übersetzen. Monteverdi’s zentrale Arie „Possente Spirto“/„Orfeo son Io“ (10:17) und gefilmte Bewegungsabfolgen der Performerin Rickie Eden sind in 1453 Sequenzen geteilt in einer Datenbank gespeichert.
Die Besucher bewegen sich frei zwischen stetig sich bewegenden Raumelementen in einer Raumpartitur aus mehreren parallel verlinkten Bild- und Klangebenen. Die nicht vorhersehbaren Bewegungen der Zuschauer und der Elemente im Raum werden in regelmässigen Zeitintervallen via Motion-Tracking gelesen: sie lösen die Abfolge des Bild- und Klangmaterials aus. Der Hör- und Betrachtungsvorgang der Besucher wird – konfrontiert mit immer neuen musikalischen, visuellen und räumlichen Konstellationen – selbst zu einem Vorgang des Erinnerns.
camera orfeo ist ein poetisches zirkuläres System, ein Kaleidoskop für Bild, Klang und Bewegung.
Konzept, Raum und Inszenierung Penelope Wehrli
Musikalisches Konzept Sam Auinger, katrinem
Maschinenentwicklung Peter Buchheit
Stimme und Tanz Rickie Eden
Software und Motions-Tracking Joa Glasstetter, Dominik Rinnhofer
Kostüm Ellen Hofmann
Barockensemble Lauttencompagney Berlin
Dramaturgische Beratung Detlev Schneider
camera orfeo wird gefördert durch: Mittel des Hauptstadtkulturfonds Berlin, der Schering-Stiftung und des Bundesamts für Kultur, Schweiz
3. bis 6. Dezember 2009 im Schiffbau/Box
Trommel mit Mannvon Barbara Frey und Fritz Hauser
Trommel mit Mann oder Mann mit Trommel? Wer gehört zu wem? Wer beherrscht wen? Fritz Hausers Schlagzeugsolo vermag ungeahnte Phantasiewelten zu öffnen und auf virtuose und musikalisch anspruchvolle Weise einen Mikrokosmos von Welt zu schaffen. Manchmal leise und zart, manchmal auch beängstigend unnachgiebig und hart spielt der Mann auf seiner Trommel. Und von einem Moment zum andern wird sie zu seiner Geliebten, zum Kind, zum Spielpartner, um im nächsten Moment ganz in ihm aufzugehen. Aus Klangräumen entstehen Weltenräume. „Trommel mit Mann“ ist in seiner extremen und kompromisslosen Reduktion eine Auseinandersetzung damit, wie Kunst und Kreativität – und damit Welt – überhaupt zustande kommen. Traurig, komisch, atemberaubend konsequent und einfach, eben: Trommel mit Mann.
Barbara Frey und Fritz Hauser verbindet eine langjährige Zusammenarbeit – zunächst auf rein musikalischer Basis, später in spartenübergreifenden Projekten im Bereich Theater und Performance. „Trommel mit Mann“ wurde 2001 im Rahmen des „europäischen musikmonats“ in Basel uraufgeführt und ist seither weltweit zwischen Sydney und Rom, zwischen New York und Odessa zu sehen.
Regie Barbara Frey, Schlagzeug Fritz Hauser, Licht Brigitte Dubach
ab 19. November 2009 im Pfauen/Kammer
Körper
von Sasha Waltz
In ihrer vielgelobten und weitgereisten Choreographie- und Regiearbeit „Körper“ visualisiert Sasha Waltz mit ihren Tänzerinnen und Tänzern die Hülle und das Innere des
menschlichen Körpers, seine Schönheit und Hässlichkeit, seine Sterblichkeit und den Traum vom perfekten Körper. Was ist der Körper? Wie setzt er sich zusammen? Der menschliche Organismus wird sowohl als einheitliches System abgebildet als auch in seine Fragmente zerlegt. Die untersuchte Anatomie findet eine Übertragung in die Geometrie des Raumes. „Körper sind hier Fremdkörper. Sie bestehen aus Materie: Haut, Haaren, Flüssigkeiten. Alle Berührungen haben ihre Unschuld eingebüsst. Nichts ist mehr vertraut. Keine Geste, kein Leib, keine Bewegung. Alles muss begriffen, vermessen, verletzt werden, um die Grenzen des Körpers zu spüren: über den Schmerz, über den Verlust.“ (Carolin Emcke)
Sasha Waltz gehört zu den bedeutendsten zeitgenössischen Choreographinnen. Seit der Gründung der Company Sasha Waltz & Guests 1993 haben über 150 Künstler – Architekten, Bildende Künstler, Choreographen, Filmemacher, Musiker, Schauspieler und Tänzer – aus 25 Ländern in über 30 Produktionen, Projekten und Filmen als „Guests“ mitgewirkt. Mit „Körper“ ist nicht nur seit langem wieder eine choreographische Arbeit von Sasha Waltz in der Schweiz zu sehen – das Gastspiel ist vielmehr Auftakt einer künstlerischen Partnerschaft, die das Schauspielhaus Zürich unter der Direktion von Barbara Frey mit Sasha Waltz & Guests verbinden wird.
Regie & Choreographie Sasha Waltz, Bühne Thomas Schenk / Heike Schuppelius / Sasha Waltz, Kostüme Bernd Skodzig, Musik Hans Peter Kuhn
Choreographie & Tanz: Davide Camplani, Yael Schnell, Juan Kruz Diaz de Garaio Esnaola, Luc Dunberry, Annette Klar, Nicola Mascia, Grayson Millwood, Sigal Zouk-Harder, Virgis Puodziunas, Claudia de Serpa Soares, Xuan Shi, Takako Suzuki, Laurie Young
Koproduktion der Schaubühne am Lehniner Platz Berlin mit dem Théâtre de la Ville Paris, präsentiert von Sasha Waltz & Guests.
Sasha Waltz & Guests wird gefördert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.
29. bis 31. Oktober im Schiffbau/Halle