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Was wäre, wenn sich der Tod delegieren liesse? Admet, König von Thessalien, erhält von den Göttern diese Möglichkeit: Findet er einen Menschen, der für ihn zu sterben bereit ist, muss er nicht in den Tod gehen. Doch in der Verwandtschaft will niemand das Opfer bringen; selbst die alten Eltern, die auf ein erfülltes Leben zurückblicken können, wollen nicht für den Sohn sterben. Nur Admets noch junge Frau Alkestis ist zum stellvertretenden Tod bereit. Jahre später aber, als Alkestis ihr Versprechen einlösen muss, steht sie ihrem Mann in der Stunde ihres Todes entfremdet gegenüber. Und auch Admet wird nicht mehr glücklich. Gerade weil er dem Tod ausgewichen ist, ist dieser nun umso präsenter – in den Erinnerungen an seine tote Frau, in den ausgesprochenen und unausgesprochenen Vorwürfen der Mitmenschen, in seinen Selbstmordgedanken. Was wäre also, wenn man dem Tod noch einmal ein Schnippchen schlagen und die Tote wieder zu den Lebenden zurückkehren könnte? Zwischen Tragödie und Komödie schwankend, führt das früheste der Euripideischen Dramen, die „Alkestis“ (uraufgeführt 438 v. Chr.), den menschlichen Traum von der Kontrolle über den Tod ad absurdum.
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 | | Nach dem Tanz als Prolog blicken wir als privilegierte Voyeure ins Innere des Palasts, in ein Familiensystem, für das die Bühnenbildnerin Henrike Engel einen fensterlosen Raum geschaffen hat, der in seiner wuchtigen Sterilität wie der Warteraum zur Vorhölle wirkt. Hier entwickelt die Regisseurin Karin Henkel, indem sie die Textpassagen des antiken Chors auf verschiedene Familienmitglieder verteilt, ein virtuoses Szenario der Aggressionen, der Selbstzerfleischung, der stummen und lauten Vorwürfe, der hektischen Betriebsamkeit und der lähmenden Ratlosigkeit. Mit allen Registern des psychologischen Kammerspiels führt sie uns vor, was das antike Stück nur ahnen lässt: die vollkommene Zerrüttung von Haltung und Würde im Angesicht eines Todes, der umso skandalöser scheint, als er voraussehbar und durch menschliches Eingreifen gesteuert war. NZZ |  |
 |  |  | | Euripides' Stück stellt eine Frage, die aktueller kaum sein könnte. Fit im Alter, Sterbemedizin und als Ultima ratio die Konservierung im Kühltank, alles wird versucht, um die leise Hoffnung auf Unsterblichkeit zu bewahren. Darum geht es in diesem Stück. Aber nicht nur. Eindringlich fragt es danach, wie wir es als Gemeinschaft mit dem Sterben halten. Nachtkritik.de |  |
 |  |  | | Der – sehr heutige – Eiertanz ums Tabuthema macht den ersten, den fesselnden und scharfzüngigen Teil von Karin Henkels Inszenierung aus. Die knapp 40-jährige Deutsche, die einst als jüngste Regisseurin am Wiener Burgtheater in die Annalen einging, schält so die Kernfrage von Euripides’ Stück heraus, das 438 vor Christus zur Uraufführung kam: Wie soll der Mensch mit dem Tod umgehen? Tages-Anzeiger |  |
 |  |  | | „Henkels schlanke, fast beiläufige Inszenierung verwundert und verwundet. Mit Figuren die so gegenwärtig sprechen und handeln, als wären sie von der Strasse auf die Bühne gelaufen und mit der erbarmungslosen Wucht, wie sie uns das Thema vorsetzt.“ Radio DRS 2 |  |
 |  |  | | In seinem antiken Drama vermengt Euripides mit großem Vergnügen die verschiedensten Ebenen. Sein Stück ist Komödie und Tragödie zugleich, handelt von Göttern und Menschen, von Gut und Böse, Held und Versager, Liebe und Selbstverliebtheit und schließlich von Leben und Tod.
Dass so viel Kunstfertigkeit auch nach Tausenden von Jahren noch nicht alt aussieht beweist Karin Henkel mit ihrer Alkestis-Inszenierung am Schauspielhaus Zürich. Südkurier
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 |  |  | | Das Abschiednehmen ist eine Theatervorstellung, in der jeder seine Rolle zu spielen hat wie im Rest des Lebens auch (grandios gallig gibt seine Rolle übrigens Gabor Biedermann als Klampfe klimpernder Tunichtgut, als scharfsichtiger und eifersüchtiger Bruder). Tages-Anzeiger |  |
 |  |  | | Alle Rollen sind sehr präzise besetzt, Tatja Seibt als Contenance wahrende Mutter, Jean-Pierre Cornu in der Rolle des um Harmonie bemühten pragmatischen Patriarchen, Ludwig Boettger als kalt-rationaler Onkel und Gabor Biedermann als establishment-kritischer Brausekopf. Markus Scheumann spielt überzeugend den Schwächling Admet, während Carolin Conrad in einer Doppelrolle ins Kraftzentrum der Inszenierung rückt. Sie ist nicht nur die ausdrucksvoll und mit großer Gebärde sterbende Alkestis, sondern hat auch als Herakles-Jacko einen starken Auftritt. Südkurier |  |
 |  |  | | Das Premierepublikum bedankte sich bei den Schauspielern mit grossem Applaus. Zürcher Oberländer |  |
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