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KARL MARX: DAS KAPITAL, ERSTER BAND

von Rimini Protokoll






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Premiere am 24.02.2007
Eine Koproduktion mit dem Düsseldorfer Schauspielhaus, dem schauspielfrankfurt und dem HAU Berlin

751 Seiten liegen zwischen dem ersten und dem letzten Satz – zwischen «Der Reichtum der Gesellschaften, in welchen kapitalistische Produktionsweise herrscht, erscheint als eine „ungeheure Warenansammlung“, die einzelne Ware als seine Elementarform» und «Was uns allein interessiert, ist das in der neuen Welt von der politischen Ökonomie der alten Welt entdeckte und laut proklamierte Geheimnis: kapitalistische Produktions- und Akkumulationsweise, also auch kapitalistisches Privateigentum, bedingen die Vernichtung des auf eigner Arbeit beruhenden Privateigentums, d.h. die Expropriation des Arbeiters».

Aber was steht dazwischen? Wer hat es gelesen? Wie oft, unter welchen Umständen und warum?
Die große Analyse von Karl Marx hat einen prominenten Platz im Kanon jener Bücher, die alle kennen und doch nur wenige richtig gelesen haben. Für Haug / Wetzel ist es ein dramatischer Text, dessen sieben Siegel nur mit Hilfe von acht Menschen geöffnet werden können, die mit, in und für dieses Werk gelebt haben.
Es geht weder um einen Abgesang noch um graue Theorie auf der Bühne. Bei diesem Buch geht es gar nicht darum, wie die Regie es liest, sondern wer es überhaupt gelesen hat, nicht so sehr darum, was darin steckt, sondern wo in der Gesellschaft es steckt, wer es benutzt und kennt, welcher politischen Couleur und wirtschaftlichen Praxis auch immer zugehörig.

Kein anderes Buch hat die ökonomische Theorie und politische Wirklichkeit so entscheidend beeinflusst wie Marx’ ebenso gerühmtes wie geschmähtes Hauptwerk des wissenschaftlichen Sozialismus. Kein anderes Buch analysiert so grundlegend die Marktgesetze von Arbeitsprozessen und Wertschöpfung – und damit die Ware Mensch: Während in der Volksrepublik China der Turbo-Kapitalismus seine wüsten Blüten treibt, sich Fidel Castro im Adidas-Trainingsanzug müde vor internationalen Kameras inszeniert, bilden sich in Westeuropa wieder selbst-organisierte Marx-Lesegruppen und das Geburtshaus Karl Marx in Trier freut sich über Besucherströme und klingende Kassen durch den steigenden Absatz ihres Karl-Marx-Rotweins.
«DAS KAPITAL, Erster Band» führt die Fäden eines Castings zusammen, bei dem Menschen aus unterschiedlichen politischen und gesellschaftlichen Gegenden ihre Biografien und ihren Witz diesem zu dicken Buch entgegenstemmen.
Dramaturgie
Rebekka Stutz
«Rimini ist das Heisseste, intelligent Überraschendste, das die internationale Theaterszene derzeit zu bieten hat.» Der Tagesspiegel
«Kapitale Versuchsanlage: 751 Seiten 'Das Kapital', Erster Band, 8 'Kapital'-Experten, 2 Stunden Zeit; und ein sogenannt postdramatisches Theaterkonzept. Kapitales Ergebnis!
Rimini Protokoll placiert uns zwischen Marx-Nippes, Revolutions-Nostalgie und Realitätsnöte, zwischen enttäuschte Gewerkschafter wie Ralph und ungebrochene Kämpfer wie den zwanzigjährigenSascha. Und wir schauen uns in dieser Bibliothek berühmter Hoffnungen und berüchtigter Niederlagen, die hier als nichtfiktionale Einzelschicksale ausgestellt sind, mal gelangweilt, mal gefesselt um. Aber wenn Sascha endlich ruft: 'Seiem wir realistisch, eine andere Welt ist möglich!', zuckt die Sehnsucht durch alle Herzen und Hände. Applaus!» NZZ
«Es war kurzweilig: Es war konzentriert, immer wieder. Das Regiekollektiv Rimini Protokoll (Helgard Haug und Daniel Wetzel) hat Leute gecastet, die man mit Marx in Verbindung bringen kann, aber nicht unbedingt muss. Es sind, wie man bei den Riminis sagt, 'Experten', nicht Laien, schon gar nicht Schauspieler. (...) Was Rimini Protokoll beherrscht: diese Leute auf dem Grat zwischen Person und Performance nicht abstürzen zu lassen und sie sanft in die Höhen des Themas zu begleiten. Dass die Person dabei doch immer wieder Warencharakter annimmt, gehört dann mit zur Ironie des - pardon - Kapitalismus.» Tagi
«Der Abend bewegt sich auf einer spannenden Linie von einer noch eher logischen Theorie-Sphäre hinüber in den kuriosen und grotesken alltäglichen Wahnsinn der Geldgesellschaft – Verrücktheit des Spiels, des Zufalls, Verrücktheit des Betrugs, wo ganze Imperien und Riesenvermögen auf Trug und Illusion errichtet werden können. Theater liest. Lesen wird Theater.» Theater der Zeit
«Mit verblüffender Leichtigkeit, gar mit Humor, gelingt es den beiden, den gewichtigen philosophisch-analytischen Marx-Text über Marktgesetze, Arbeitsprozesse, Wertschöpfung und die Ware Mensch mit den Lebensläufen der Acht so zu verschränken, dass erkenntnisfördernde Funken sprühen.» Neue Rheinische Zeitung
«Acht Menschen reproduzieren Erfahrung. Sie tun es mit dem Risiko, dass daraus ein Muster wird; jede Wiederholung des Abends erhöht dieses Risiko. Das Muster allein wäre Kunstgewerbe. Hier aber, das wird spürbar, nimmt mit besagtem Risiko der Selbstdarstellung die Selbstempfindung zu. Das gelingt nur durch Vertrauen zum Risiko. Auch das ist eine Kunst.» Neues Deutschland
«Helgard Haug und Daniel Wetzel interessieren sich genau für diese Schnittstellen zwischen Marx Werk und dem Leben, zwischen Theorie und Praxis, wie man früher gesagt hätte. Die Mitbegründer von Rimini Protokoll, die das Dokumentartheater neu erfunden haben, holen die Wirklichkeit auf die Bühne, indem sie nach langen Recherchen "Experten" sprechen lassen. Dass das künstlerisch fruchtbar und sehr spannend sein kann, zeigt dieser neue Theaterabend.» Neue Presse

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