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Zwei Jungen, beide elf Jahre alt, haben sich im Park geprügelt. Einer der beiden hat dem anderen zwei Schneidezähne ausgeschlagen. Die Eltern treffen sich, um ganz sachlich, tolerant und wie es sich für kultivierte Menschen gehört, über den Vorfall zu sprechen. Alain und Annette überlegen mit Véronique und Michel bei Kaffee und Gebäck, wie man pädagogisch richtig auf Ferdinand (den Täter) und Bruno (das Opfer) einwirken kann. Aber das ist nicht so einfach. Denn wer war denn nun wirklich der Schuldige? Möglicherweise Bruno? Und deutet vielleicht Ferdinands rabiates Verhalten auf Eheprobleme zwischen Alain und Annette hin? Und schliesslich, was ist schlimmer: Dass der konsensbemühte Michel den Hamster seiner Tochter heimlich ausgesetzt hat, oder dass Alain einen Pharmakonzern mit einem gesundheitsschädlichen Medikament juristisch vertritt, und zwar ständig, am Handy? Aus Sticheleien werden Wortgefechte, aus Streitereien werden Handgreiflichkeiten, und der Nachmittag unter zivilisierten Menschen unserer westlichen Gesellschaft nimmt einen, gelinde gesagt, unangenehmen Verlauf.
Yasmina Reza verwischt in ihrem neuesten Stück «Der Gott des Gemetzels» (Le dieu du carnage), das in Zürich noch vor der französischen Erstaufführung in deutscher Sprache zur Uraufführung kommt, mit diabolischem Humor und schneidender Rhetorik die Grenzen zwischen Zivilisation und Barbarei.
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 | «Theatersensation in Zürich» Spiegel Online
«Um es in drei Worten zu sagen: ein geniales Stück. Ein einfaches Stück. Zwei Damen, zwei Herren, eine Dekoration. Aber tausend Pointen.(…) Es herrscht im „Gott des Gemetzels“ das Faustrecht der Komödie. Jeder Schlag ein Witz. Jeder Witz ein Schlag. (…) Aber alles so leicht, so ineinander nicht verbohrt, sondern herrlich ineinander verflattert, dass der Krieg, der hier mit allen Waffen und Worten geschlagen wird, das Grösste und Tragischste im Kleinsten und Komischsten entfesselt. Absolute Sieger aber sind die Schauspieler. Wer sonst.» Frankfurter Allgemeine Zeitung
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 |  |  | | «Was wir sehen, ist der Traum jedes Theaters. Die Erfolgsautorin Reza trifft auf Jürgen Gosch, den Regisseur, der seit ein paar Jahren reihum entzückt. Gosch inszeniert mit «Der Gott des Gemetzels» zum dritten Mal ein Reza-Stück. Und doch wirkt er wenig routiniert. Maertens, Kirchhoff, Nest und Lysssewski spielen völlig entfesselt. (..) Die Widererkennung ist gross, das Störpotenzial klein, der Glamoureffekt riesig. Eine Uraufführung, ein She-Star, ein Könner, vier Top-Schauspieler. Ein langer Applaus.» Tages-Anzeiger |  |
 |  |  | «Boulevard mit Tiefgang, Unterhaltungstheater mit literarischem Mehrwert.» Deutschlandfunk
«Reza ist eine brillante Dialogschreiberin. Sie hört genau hin und spielt virtuos auf der Skala zwischen netten Formalitäten, subtilen Sticheleien und saftigen Beleidigungen. Die Autorin entfacht ein Trommelfeuer von infamen Floretthieben und keulenartigen Injurien, die sie mit psychologischer Raffinesse gegeneinander setzt und ineinander verzahnt: ein diabolische, voyeuristische Lust fürs Publikum; ein gefundenes Fressen für exzellente Schauspieler.» Aargauer Zeitung
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 |  |  | | Jürgen Gosch gelingt es grandios, die verschiedenen Akzente herauszuarbeiten, ohne jemals ins allzu grelle oder Peinliche abzugleiten. Die vier Protagonisten spielen hervorragend. (…) Dass nur Schatten und Schemen, nicht aber wirklich leidende Menschen gezeigt werden, spiegelt sich im Bühnenbild von Johannes Schütz. Das grell erhellte und karg möblierte Wohnzimmer ist eigentlich ein Sezierraum, in dem das sonst Zugedeckte offenbar wird.» Zürichsee-Zeitung |  |
 |  |  | | «Dem Zürcher Uraufführungs-Regisseur Jürgen Gosch ist zusammen mit vier hochkarätigen Menschendarstellern das Kunststück gelungen, uns, dem Publikum, einen nur ganz leicht verzerrten Spiegel vorzuhalten, in dem wir unsere Verhaltensmuster wieder erkennen – und daran unseren Spass haben.(…)Die scheinbar karikaturistische, tatsächlich aber hyperrealistische Sprach- und Körperoberfläche über dem Abgrund der privaten und politischen Katastrophe macht die eigentliche Provokation der Texte von Yasmina Reza aus.» Deutschlandfunk |  |
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Yasmina Reza, in Paris geboren als Tochter eines iranischen Ingenieurs und einer ungarischen Geigerin, studierte Soziologie und Theaterwissenschaft. 1994 hatte sie mit ihrem Stück «Kunst» einen Welterfolg, und inzwischen ist sie die meistgespielte Theaterautorin der Gegenwart .
Yasmina Rezas Stücke handeln unterhaltsam und nachdenklich, nie sentimental oder selbstgefällig von den ältesten Passionen der Menschen. Sie erzählen von den Komödien des Verstandes und der Politik der Gefühle. Dabei ist sich die Autorin der Ungewissheit der Dinge, der Zerbrechlichkeit und der Einsamkeit der Menschen immer bewusst und hält mit viel Ironie und Eleganz Abstand, so wie es auch ihre Theaterfiguren tun, die alle Gescheiterte und Geschundene sind, die eine Welt nicht mehr verstehen, die zu brutal und modern für sie ist. Inspiriert von Botho Strauss und seinen Stücken interessiert sie das scheinbar Nebensächliche, das winzige zwischenmenschliche Detail, an dem sich die oft tragikomische Tragödie ihrer Figuren offenbart.
Der Text ist auf Deutsch im Libelle Verlag, Konstanz, erschienen. Details unter:
http://www.libelle.ch/index.html
und
http://www.libelle.ch/backlist/theater.html
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