Edgar Allan Poe –
A Dream Within a Dream
Edgar Allan Poe wurde am 19. Januar 1809 als Kind der Schauspieler Elizabeth Arnold Poe und David Poe in Boston geboren. Der Vater verschwand spurlos, die Mutter starb, als Edgar zwei Jahre alt war. Der reiche Kaufmann John Allan nahm sich des Jungen an, allerdings ohne ihn zu adoptieren – ein Umstand, der Poe ein Leben lang zu schaffen machte. Nach einer kurzen erfolglosen Zeit auf der Militärakademie in West Point wurde Edgar Allan Poe vollberuflicher Schriftsteller – im puritanischen Milieu der Zeit eine gesellschaftliche Unmöglichkeit. Er veröffentlichte mit neunzehn Jahren anonym einen Gedichtband, bevor er sich den Kurzgeschichten und satirischen Beiträgen zuwandte, mit denen er in der Folge sein Auskommen bestritt. Bald machte er sich in den literarischen Kreisen einen Namen – nicht nur mit seinen Texten, sondern auch durch sein exzentrisches Auftreten und seine oft vernichtenden Urteile der Werke seiner Kollegen. Poes Anspruch an die literarische Qualität war unbedingt und jeder Opportunismus ihm fremd – eine Mischung, die er mit Armut und gesellschaftlicher Isolation bezahlte. Gemeinsam mit seiner Tante und der jugendlichen Gattin führte er ein prekäres Leben in angemieteten Zimmern, aufgerieben von den verbissenen Auseinandersetzungen mit den kulturellen Kreisen, die ihn mehr und mehr ignorierten. Poe starb am 7. Oktober 1849, gerade vierzig Jahre alt, unter nicht geklärten Umständen. Er hinterliess ein vielgestaltiges Werk. Darin finden sich Gedichte, Essays und die berühmten Horror-Geschichten wie etwa „Der Untergang des Haues Usher“. Mit seinem Helden C. Auguste Dupin erfand Poe die moderne Detektivgeschichte. Seine Visionen der Einsamkeit haben die nachfolgenden Generationen geprägt, von Charles Baudelaire bis zu den Surrealisten und die Pop-Art. Edgar Allan Poes Werk gehört heute zum Kanon der Weltliteratur.
Uraufführung
Regie Barbara Frey / Raum und Kostüme Penelope Wehrli / Musik Fritz Hauser
Mit
Fritz Hauser, Robert Hunger-Bühler
| Robert Hunger-Bühler | |
| Fritz Hauser | |
| Regie | Barbara Frey |
| Raum und Kostüme | Penelope Wehrli |
| Musik | Fritz Hauser |
| Licht | Rainer Küng |
| Dramaturgie | Lukas Bärfuss |
| Regieassistenz | Jörg Schwahlen |
| Bühnenbildassistenz | Anja Kerschkewicz |
| Soufflage | Gabriele Seifert |
| Inspizienz | Michael Durrer |
Schiffbau/Box
Premiere am 18. Dezember 2010
Edgar Allan Poe hat den modernen Detektivroman erfunden, seine traumverlorenen, pittoresken Welten haben den Symbolisten und Surrealisten den Weg gewiesen. Der Mensch Poe jedoch taumelte von Katastrophe zu Katastrophe, magisch angezogen von jenen Abgründen, die er so kunstvoll beschrieb.
Diese Spannung zwischen Macht und Ohnmacht, zwischen Kontrolle und Hingabe ist der Ausgangspunkt für den musikalischen Abend „A Dream Within a Dream“, bei dem Barbara Frey ihre langjährige Zusammenarbeit mit dem Schlagzeuger Fritz Hauser („Trommel mit Mann“) fortsetzt.
Neben der Musik des Perkussionisten Fritz Hauser und der installativen Bühne Penelope Wehrlis sind es drei Texte Edgar Allan Poes, gesprochen vom Schauspieler Robert Hunger-Bühler, die im Zentrum des musikalischen Abends stehen. „Feeneiland“ erzählt die Geschichte eines Mannes, der auf einer seiner Wanderungen in ein verwunschenes Tal kommt und dort in einem Fluss eine Fee entdeckt, die mit ihrem Kanu in einen Strudel gerät. Mit jeder Umkreisung wird sie ein Jahr älter – der Ich-Erzähler erkennt in diesem Schauspiel ein Sinnbild des Lebens und der Vergänglichkeit.
„Das verräterische Herz“ ist eine von Poes berühmten Horrorgeschichten. Ein Mord geschieht, der Mörder wird verhaftet und rechtfertigt seine Tat und sein Motiv in einer Rede. Er habe den alten Mann ermordet und zerstückelt, weil er nur auf diese Weise seinem Geierauge habe entkommen können. Immer wieder beschwört der Mörder seine Zurechnungsfähigkeit – seine Sinne seien zwar gereizt gewesen, aber er sei deswegen noch lange nicht verrückt.
In der dritten Geschichte „Die Flaschenpost“ gerät ein Seemann während eines Sturmes auf ein geheimnisvolles, riesiges Schiff. Die Besatzung besteht aus uralten Matrosen, die seit ewigen Zeiten die schwersten Stürme der Weltmeere durchsegeln, ohne dass ihr Schiff untergehen würde. Sie sind gefangen im Sturz, ohne je den Untergang zu erleben. Am Ende dieser Geschichte hat Edgar Allan Poe einen Satz formuliert, der als Credo über seiner gesamten Dichtung und dieser Inszenierung stehen könnte: „Es ist offensichtlich, dass wir einer aufregenden neuen Erkenntnis entgegeneilen – einem nie zu enthüllenden Geheimnis, dessen Aufdeckung die Vernichtung bedeutet.“
„Ein kleiner Abend in der Schiffbau-Box, eine Petitesse – aber was für eine! Eine Annäherung an das Unheimliche, ohne im Mindesten gruselig zu tun, ohne es irgendwie an der Oberfläche beschwören zu wollen. Drei kurze Texte von Edgar Allan Poe, ein Schauspieler, ein Schlagzeuger, und ein Bühnenbild, das sich erst unmerklich, dann unerbittlich zum dunklen Spiegel verwandelt.“ Nachtkritik.de
„Kurz, gerade siebzig Minuten, dauert auch dieser „Traum in einem Traum“, den die Regisseurin und Intendantin des Schauspielhauses Zürich zusammen mit Penelope Wehrli (Ausstattung), Rainer Küng (Licht), Fritz Hauser (Musik) und Robert Hunger-Bühler zu unwirklicher Wirklichkeit erweckt. Wie soll man das aparte Wunderding nennen? Klangskulptur vielleicht – wobei dank dem schauspielerischen Element durchaus Dramatik aufkommt. Es geht aber nie darum, etwas zu illustrieren, weder die Biografie Poes noch sein Œuvre. Drei Fragmente daraus, Teile von Erzählungen, verwendet das Stück; Hunger-Bühler spricht sie so leise, klar und eindringlich, dass der Text einerseits zum Bild wird, anderseits zu Sprachmusik von schmeichlerischer Neutralität.“ NZZ
„Diese Erfahrung geschärfter und verblüffter Wahrnehmung machen den 70-minütigen Abend so einzigartig. Klang- und Lichtstimmungen treffen die mysteriösen Zustände, die Poe beschreibt, unmittelbar und beeindruckend. Sie machen etwas von der Kälte und Zerbrechlichkeit, den Ahnungen und Sehnsüchten seiner unheimlichen inneren Welten erlebbar.“ Theater der Zeit
„„A Dream Within a Dream“, der Edgar-Allan-Poe-Abend von Barbara Frey, beginnt so behutsam, als trüge die Regisseurin ein Tablett mit Meissner Porzellan durch die Box im Schiffbau. Aber das Zerbrechlichste in Poes Geschichten sind die Nerven ihrer angeschlagenen Figuren. Sie zucken zusammen, wenns raschelt, sie hören – wie der Mörder in „Das verräterische Herz“ sagt – „alle Dinge im Himmel und auf der Erde“. Und „viele Dinge in der Hölle“. Sie sehen Geister, wo andere blind sind, und in ihnen toben Dämonen, die andere im Zaum halten – die der Wut, der Angst, der Rache. Das ist grosses Drama im allerkleinsten Kino – im Kopf.“ Tages-Anzeiger
„Grossartig ist das Spiel von Robert Hunger-Bühler, wenn er sich schlängelnd über die Bühne bewegt, verträumt und erstarrt Poes Geschichten rezitiert oder spitzbübisch den wirbligen Musikus Fritz Hauser nachäfft.“ Zürcher Landzeitung
„Mit dem Ernst eines verdoppelten Buster Keaton schlagen, schütteln, schrappen die beiden Herren am Tisch ihre Perkussionsinstrumente, auch der Zylinder ist eine Membran und kann mit der Kleiderbürste gestrichen werden; mit der Aufmerksamkeit einer jagenden Katze verfolgt Hunger-Bühler die Luftwirbel Fritz Hausers. Und aus den Ecken löst sich langsam und zäh eine viskose schwarze Flüssigkeit, glänzend und abgründig, und erobert Millimeter für Millimeter den Boden unter den Füßen. Bis die beiden Herren im Zylinder vollständig umgeben sind vom dunklen Meer des “nie zu enthüllenden Geheimnisses” und in einem ganz und gar surrealen rosa Licht schweben, im luftleeren Raum, über dem schwarzen Spiegel der Seele.“ Nachtkritik.de
„Am schönsten und schaurigsten aber, sinnlich und samtpfotig wie ein Duft, ist das Bühnenbild von Penelope Wehrli. Unmerklich kriecht eine Flüssigkeit Szene um Szene näher, schliesst den Schreibtisch und die düsteren Herren ein; zitiert „Feeneiland“ und „Die Grube und das Pendel“ zugleich. Stille.“ Tages-Anzeiger


