Geri
Martin Suter, 1948 in Zürich geboren, lebt auf Ibiza und in Guatemala. Er ist Schriftsteller und Kolumnist (von 1992 bis 2007 schrieb er die Kolumne „Business Class“ und verfasste für das NZZ Folio die Geschichten „Richtig leben mit Geri Weibel“) sowie Drehbuchautor (u.a. schrieb er das Drehbuch zu Christoph Schaubs Film „Giulias Verschwinden“, 2009). Bis 1991 arbeitete Suter als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ausschliesslich für das Schreiben entschied. Zu seinen bekanntesten Büchern zählen u.a. „Small World“ (1997), „Die dunkle Seite des Mondes“ (2000), „Ein perfekter Freund“ (2002), „Lila, Lila“ (2004) sowie „Richtig leben mit Geri Weibel. Sämtliche Folgen“ (2005). 2010 erschien sein Roman „Der Koch“ und 2011 „Allmen und die Libellen“. Für seine satirische Kolumne „Business Class“ erhielt Martin Suter 2010 den Swift-Preis für Wirtschaftssatire und 2011 wurde ihm in der Kategorie „Kultur“ der SwissAward verliehen. Stephan Eicher, aufgewachsen in Münchenbuchsee bei Bern, gehört seit den achtziger Jahren zu den herausragenden und erfolgreichsten Musikern insbesondere in der Schweiz und in Frankreich. Mit Martin Suter verbindet ihn eine produktive Arbeitsverbindung – für viele der Songs von Eicher schrieb Suter die Texte, zuletzt für dessen Album „Eldorado“ (2007).
Uraufführung
In Schweizerdeutsch
Regie Stefan Bachmann / Bühne Hugo Gretler / Kostüme Esther Geremus / Musikalische Leitung Stephan Eicher / Musikalische Leitung Reyn Ouwehand / Choreographie Zenta Haerter
Mit
Bernhard Bamert, Andrea Bettini, Jan Bluthardt, Jean-Paul Brodbeck, Roberto Guerra, Sarah Hostettler, Mike Müller, Michael Neuenschwander, Christian Niederer, Martin Rapold, Nicolas Rosat, Ivo Schmid, Bernhard Schoch, Carol Schuler, Manuel Troller, Susanne-Marie Wrage
| Geri Weibel | Michael Neuenschwander |
| Susi Schläfli, das weibliche Element der Clique | Carol Schuler |
| Robi Meili, Trendbarometer der Clique | Martin Rapold |
| Freddy Gut, die Modeautorität der Clique | Jan Bluthardt |
| Carl Schnell, das Gewissen der Clique | Nicolas Rosat |
| Rita, die von Peter betrogen wurde | Susanne-Marie Wrage |
| Peter, der Rita betrogen hat | Mike Müller |
| Peter, der Rita betrogen hat | Andrea Bettini |
| Charly, der Barman des Limbo | Roberto Guerra |
| Aira, die neue Bedienung des Limbo | Sarah Hostettler |
| Piano und Bandleader | Jean-Paul Brodbeck |
| Guitar | Manuel Troller |
| Bass | Ivo Schmid |
| Trombone | Bernhard Bamert |
| Trumpets | Bernhard Schoch |
| Drums | Christian Niederer |
| Regie | Stefan Bachmann |
| Bühne | Hugo Gretler |
| Kostüme | Esther Geremus |
| Musikalische Leitung | Stephan Eicher |
| Musikalische Leitung | Reyn Ouwehand |
| Choreographie | Zenta Haerter |
| Licht | Ginster Eheberg |
| Dramaturgie | Andrea Schwieter |
| Korrepetition und Musikalische Assistenz | Andreas Häberlin |
| Korrepetition | Fabienne Ambühl |
| Regieassistenz | Mélanie Huber |
| Bühnenbildassistenz | Demian Wohler |
| Kostümassistenz | Agnes Raganowicz |
| Praktikum Regie | Tina Bolzon |
| Kostümhospitanz | Nicole Boner |
| Soufflage | Bettina Kuhn |
| Inspizienz | Hansruedi Herrmann |
Pfauen
Premiere am 11. Dezember 2010
Die Geschichten von Geri Weibel, der versucht, mit den wechselnden Szene-Moden mitzuhalten und dabei kaum ein Fettnäpfchen auslässt, schrieb Martin Suter ursprünglich für das NZZ Folio. Nun macht Geri, der nicht nur in Zürich Kultstatus erlangt hat, den Schritt auf die Pfauenbühne – als schweizerdeutsches Ensemble-Singspiel mit einem liebevoll kritischen Blick auf Geris Heimatstadt.
Mit Zürich sind auch die anderen Hauptverantwortlichen biographisch verbunden: der Regisseur Stefan Bachmann ebenso wie der Musiker Stephan Eicher.
„Was dörfs sii? Die schwerschti Frag im Läbe!“ Bloody Mary oder Cüpli? Red Bull Rum oder doch einen einfachen Campari Soda? Entsetzlicherweise beschränken sich die Entscheidungen im Limbo nicht nur auf die Getränkekarte, sondern sind auch zu treffen, wenn es um die richtige Begrüssung, politische Einstellung oder die nächste Freundin geht. Gemeinsam mit den anderen ebenso trendbewussten Stammgästen – Susi Schläfli, Trendbarometer Robi Meili oder Carl Schnell – geht Geri durch alle Hochs und Tiefs, die Freunden (und bisweilen auch Konkurrenten) zustossen können. Bis eines Tages Aira in sein Leben tritt …
Die Geschichten von Geri Weibel, der mit allen Mitteln versucht, mit dem alltäglichen Wahnsinn mitzuhalten und dabei kaum ein Fettnäpfchen auslässt, entstanden in einer mehrjährigen Folge von Kolumnen, die Martin Suter für das NZZ Folio schrieb und die nicht nur in Zürich Kultstatus erlangten. Nun macht Geri den Schritt auf die Pfauenbühne – als schweizerdeutsches Ensemble-Singspiel mit einem liebevoll kritischen Blick auf Geris Heimatstadt.
Den Zürcher Schriftsteller Martin Suter – seine Romane landen regelmässig auf den internationalen Bestsellerlisten – und Stephan Eicher, einen der herausragendsten und erfolgreichsten Musikern v.a. in der Schweiz und in Frankreich, verbindet eine produktive Arbeitsverbindung: Für viele der wunderbar melancholischen und poetischen Songs von Eicher schrieb Suter die Texte. Nun folgt mit „Geri“ erstmals ein gemeinsames Singspiel – Regie führt Stefan Bachmann, der sich in der vergangenen Saison mit seiner Inszenierung von „Martin Salander“ erstmals am Schauspielhaus Zürich vorstellte.
Martin Suter, Stephan Eicher und Stefan Bachmann im Gespräch mit der Dramaturgin Andrea Schwieter
[…] Andrea Schwieter – Ich möchte gerne auf die Figur des Geri zu sprechen kommen, der immer wieder als Mann ohne Eigenschaften beschrieben wird. Das Typische an Geri ist, dass an ihm eben nichts typisch ist. Wer ist Geri?
Stephan Eicher – Das werden wir herausfinden. Und das hat sich im Laufe der Probenarbeit auch schon verändert. Zu Beginn war er eine Art Loser mit einer gewissen Melancholie, aber durch Stefan Bachmanns Arbeit mit Michael Neuenschwander, der den Geri spielt, lerne ich ihn erst kennen. Er wird uns vielleicht schon fast ein bisschen zu sympathisch … Musikalisch gesehen sollte das Herz erst am Schluss des Stückes überlaufen. Ich würde immer sagen, wir alle sind Geri, ich bin es.
Martin Suter – Für mich ist Geri ein sehr komplizierter Charakter. Es war immer schwierig, diese Kolumne zu schreiben. Im Gegensatz zu den Business Class-Kolumnen, die jeweils in einem halben Tag entstanden, hatte ich an den Geri Weibel-Kolumnen meistens mindestens zwei Tage zu schreiben, weil er so verquer denkt. Für mich hat Geri sehr viel mit einer alten Nebelspalterfigur, Herrn Schüüch, zu tun. Herr Schüüch hat sich immer alles überlegt: Mache ich das, was ich tue, richtig? Was denken die anderen, wenn ich es so mache? Im Gegensatz zu Herrn Schüüch aber, der eine gezeichnete Figur war, ging es bei Geri darum, seine Gedankengänge aufzuschreiben, ohne dass es einen langweilt – das war immer eine grosse Herausforderung. Der erste Satz in der Kolumne beschreibt ihn sehr gut: „Es gibt Leute, die können tun, was sie wollen, es sieht immer richtig aus. Geri Weibel ist nicht einer von ihnen.“ Geri hat den Ehrgeiz, das zu ändern. Es gibt viele Leute, denen nichts gelingt, denen letzten Endes aber der Ehrgeiz fehlt. Geri hat ihn. Er ist kein Tollpatsch, sondern eine differenzierte Figur und sein vorprogrammiertes Scheitern ist die Tragik. Jetzt, mit der Arbeit am Singspiel, kommt aber noch etwas dazu: Eine Kolumnen-Serie muss nach einer Art Soap-Prinzip funktionieren, da dürfen sich die Figuren gar nicht entwickeln, sondern sie müssen absehbar bleiben. In einem Theaterstück hingegen müssen sie sich entwickeln.
Stefan Bachmann – Beispielsweise passiert das über die Liebesgeschichte zwischen Aira und Geri. Dieser einsame Mensch, einer dieser After-Hour-Singlemenschen, die in der Bar ihre Familie suchen, hat für mich etwas Allgemeingültiges. Die Bar ist eine Art Ersatzort, sie steht für eine Gegenwelt, die aber ganz ähnlich organisiert ist wie die bürgerliche Welt. Sie funktioniert nämlich auch in einem Familienschema, wo jeder der Stammgäste eine ganz bestimmte Rolle hat – und aus diesem Schema herauszukommen, ist ganz schwierig. Geri ist der ständig Gemobbte, auf dessen Kosten man sich amüsiert. Dann trifft ihn plötzlich und ganz unvermittelt Amors Pfeil. Mit Aira tritt eine neue Bedienung in der Stammkneipe in das Stück und das verändert vieles in ihm. Er wächst ein Stück weit an dieser Liebe. Natürlich ist das Stück dann aber auch nicht so sehr Märchen, dass das als Lösung oder sogar Erlösung gezeigt würde. Geri fällt wieder in sein altes Schema zurück. Aber es bleibt zumindest eine Episode im Leben, die etwas in ihm aufgerissen hat. Ganz plötzlich strahlt er eine Erotik aus, die man ihm gar nicht zugetraut hätte. Wie die Larve, die sich zum Schmetterling entwickelt. Vielleicht ist es etwas typisch Schweizerisches, dass der Schmetterling am Ende wieder zurück in die Larve klettert.
Andrea Schwieter – Aber das Schöne am Singspiel ist doch, dass Geri auf dem Weg zum Schmetterling die Möglichkeit hat, in den Songs sehr viel mehr von sich preiszugeben, als er es den anderen Figuren gegenüber tut. Man schaut mit den Songs in den Kopf, in die Seele und ins Herz von Geri hinein. Er kann sich in den Songs so öffnen, wie er das sonst nie tun kann. In seiner Clique muss er sich immer wieder von Neuem behaupten – dem Publikum gegenüber jedoch nicht.
Martin Suter – Die Songs sind ein wunderbares Instrument. Das mag ich auch an Opern oder eben Musicals: Auch wenn die Geschichte lustig ist, sind es teilweise sehr ernste und ergreifende Lieder. […]
„„Geri“ von Martin Suter und Stephan Eicher ist am Samstag am Zürcher Schauspielhaus uraufgeführt worden: ein originelles, mitreissendes Singspiel für ein neunköpfiges Ensemble.“ Tages-Anzeiger
„Er kann einfach nicht erwachsen werden: Geri ist ein Ewigjugendlicher, ewig Adoleszierender, auch so gelesen stellt die Figur dem Schweizer kein gutes Zeugnis aus – aber so weit muss man an diesem Abend gar nicht gehen.
Man darf affirmativ bleiben wie die Inszenierung von Stefan Bachmann und sich einfach unterhalten lassen: von den sicher gesetzten Pointen und umwerfenden Reimen – „Dritti Räie, äng umschlunge / Tüüf im Muul e fremdi Zunge" –, von den liebevoll karikierten Szenetypen und -stereotypen, von der Anschaulichkeit und der Präzision der Beobachtung. Von der Musikalität und dem Tempo des geschliffenen Ensembles und einer Regie, die nichts weiter tut, als dem Text genau zu folgen und dabei ihre Qualität in zahllosen phantasievollen Details erweist.
Michael Neuenschwander meistert die dankbare, aber auch gefährliche Geri-Rolle, die doch sehr leicht in Klischee und Charge kippen könnte, mit Bravour, hinreißend in Verklemmung und Nicht-aus-sich-Herauskönnen. Und es sind ja alle ganz fabelhafte Sänger! Denn das Schönste bleibt, wie es beim Musical zu sein hat, die Musik: Stephan Eichers melancholische und ironische Songs, die sich gewitzt an Stimmungen und Motive anschmiegen, den Figuren Tiefe geben und, begleitet von einer formidablen Band unter dem (seinerseits durchaus angesagten) Pianisten Jean-Paul Brodbeck, den Abend erst wirklich zum Ereignis machen.“ Nachtkritik.de
„Martin Suters und Stephan Eichers Mundartsingspiel „Geri“ besticht mit einem witzigen Ensemble und einer Band, die den passenden Blues auf die Bühne bringt.“ Berner Zeitung
„Der Abend ist locker und flockig, die Pointen sitzen, die Reime verblüffen. Wenn schon Musical, dann so. Der frühere Werber Martin Suter kennt die „Business Class“ und weiss, wie man ein Publikum packen kann, und Stephan Eicher ist eh immer gut.“ Frankfurter Rundschau
„Michael Neuenschwander gibt einen ungelenken, hölzernen Geri, den alle Mütter gleich in die Arme schliessen möchten. Susi Schläfli ist eine freche Rockgöre mit Herz, die von Carol Schuler hinreissend gespielt wird – und das trotz böser Erkältung. Robi (Martin Rapold), Carl (Nicolas Rosat), Freddy (hervorragend: Jan Bluthardt als Dialekt sprechender Deutscher) sind die Trendsetter, die wissen, was, wo, wie und womit abgeht. Mike Müller als verlassener Peter ist eine rechte Portion Trübsal, die sich unversehens in einen strahlenden Wonneproppen verwandelt.“ Zürcher Landzeitung
„Und singen können die auch, wobei die Songs, komponiert von Stephan Eicher und gespielt von einer exzellenten Band, so gut sind, dass dieser Cocktail von Bar-Jazz und Retro-Pop einem zwar mächtig in die Beine, aber nicht mehr aus dem Ohr geht. Dieser Groove ist schon etwas Besonderes für ein Singspiel.“ Süddeutsche Zeitung
„Neuenschwander gibt diesen gehemmten, verhockten Trendheini nie an die Karikatur preis.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Hinten aber der mehrköpfige Hauptakteur des so reizvollen wie reizenden Abends: Jean-Paul Brodbeck am Flügel, darum herum eine Jazzband, die sich hören lassen darf. Und wie!“ NZZ
„Das Jazzquartett um den Pianisten Jean-Paul Brodbeck spielt hinreissend: vor allem in den langsamen Liebesliedern und Duetten gewinnt der Zürcher Dialekt poetische Qualitäten.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung
„Das Premierenpublikum tobte am Schluss vor Begeisterung.“ Tages-Anzeiger


