Wie es euch gefällt
William Shakespeare kam vermutlich im April 1564 in Stratford-upon-Avon als erster Sohn des angesehenen Händlers und späteren Stadtrats und Stadtverwalters John Shakespeare und dessen adeliger Frau Mary, geborene Arden, zur Welt. In Stratford besuchte er die „King’s Grammar School“, wo ihm die lateinische Sprache vermittelt wurde. Shakespeare könnte schon in seiner Jugend erste Berührungen mit dem Theater gehabt haben: Die Aufführung lateinischer Stücke war eine verbreitete Übung für elisabethanische Schuljungen, Stratford war zudem Ziel fahrender Schauspieltruppen, deren Vorstellungen Shakespeare gesehen haben könnte.
1582 heiratete Shakespeare Anne Hathaway, mit der er drei Kinder hatte. Die sieben Jahre zwischen 1585 und der ersten namentlichen Erwähnung Shakespeares in London 1592 gelten in der Forschung als die sogenannten „lost years“, da keine Dokumente vorliegen, die Auskunft über Shakespeares Tätigkeiten in diesem Zeitraum geben könnten. Die Theorien über diese Lücke in seiner Biographie sind zahlreich. Spätestens um 1592 hatte Shakespeare allerdings Aufsehen in Londoner Theaterkreisen erregt, wie durch ein Pamphlet des Autors Robert Greene belegt ist. In London, wo Shakespeare wahrscheinlich ohne seine Familie lebte, gehörte er ab 1594 der erfolgreichen Schauspielergruppe „Lord Chamberlain’s Men“ an, die nach dem Tod Elisabeths I. und der Inthronisierung von James I. im Jahr 1603 in „The King’s Men“ umbenannt wurde.
Shakespeares Dramen entstanden zwischen 1590 und 1611, ab 1594 schrieb er sie für die „Chamberlain’s Men“ und trat vielleicht auch selbst in ihnen auf. Ab 1599 wurden seine Stücke im „Globe Theatre“ aufgeführt, dem im gleichen Jahr erbauten Theater der „Chamberlain’s Men“. Shakespeare befand sich durch seinen Erfolg zu Lebzeiten und seinen Geschäftssinn (wahrscheinlich wurde er schon früh Teilhaber der „Chamberlain’s Men“) in einer zunehmend guten finanziellen Lage. 1597 erwarb er ein Haus in Stratford, wohin er sich vermutlich 1611 zurückzog. Am 23. April 1616 starb Shakespeare in Stratford-upon-Avon.
nach der Übersetzung von Jürgen Gosch und Angela Schanelec
Regie Sebastian Nübling / Bühne/Kostüme Muriel Gerstner / Musik Lars Wittershagen
Mit
Christian Baumbach, Jan Bluthardt, Ludwig Boettger, Patrick Güldenberg, Lukas Holzhausen, Franziska Machens, Isabelle Menke, Markus Scheumann, Katharina Schüttler, Susanne-Marie Wrage, Milian Zerzawy
| Adam, Diener bei Oliver und Orlando/Le Beau, Diener bei Herzog Frederick/Corin, ein Schäfer | Ludwig Boettger |
| Orlando | Christian Baumbach |
| Oliver, Orlandos Bruder/William, Höfling in der Verbannung | Milian Zerzawy |
| Charles, der Ringer/Silvius, ein Schäfer | Patrick Güldenberg |
| Celia | Katharina Schüttler |
| Rosalinde | Franziska Machens |
| Touchstone, der Narr | Markus Scheumann |
| Herzog Frederick am Hof/Herzog Ferdinand in der Verbannung | Lukas Holzhausen |
| Jaques, der Melancholiker | Jan Bluthardt |
| Audrey, ein Ziegenmädchen | Isabelle Menke |
| Phoebe, eine Schäferin | Susanne-Marie Wrage |
| Regie | Sebastian Nübling |
| Bühne/Kostüme | Muriel Gerstner |
| Musik | Lars Wittershagen |
| Licht | Rainer Küng |
| Dramaturgie | Katja Hagedorn |
| Regieassistenz | Marco Dahinden |
| Bühnenbildassistenz | Anja Kerschkewicz/Michela Flück |
| Kostümassistenz | Reto Keiser |
| Regiehospitanz | Cosima Frei/Lea Schregenberger |
| Bühnenbildhospitanz | Janis Labhart |
| Kostümhospitanz | Noelle Brühwiller |
| Souffleuse | Susi Saussenthaler |
| Inspizienz | Ralf Fuhrmann |
Am Anfang steht die korrupte Welt des Hofes, am Ende ein Fest der Liebe und Versöhnung – dazwischen liegt Shakespeares berühmter Wald von Arden, in dem seine Liebenden, Ziegenmädchen und Hofleute einander verführen und verschmähen, miteinander philosophieren und streiten, sich selbst verlieren und wiederfinden.
In der Komödie „Wie es euch gefällt“ (1599) sind alle Themen des grossen Dramatikers auf meisterhafte Weise miteinander verwoben. Regie führte Sebastian Nübling – von ihm waren in Zürich zuletzt „S A N D“, „Ödipus und seine Kinder“ und „Der Revisor“ zu sehen.
Am Anfang steht die korrupte Welt des Hofes, am Ende ein Fest der Liebe und Versöhnung – dazwischen liegt Shakespeares berühmter Wald von Arden, in dem seine Liebenden, Ziegenmädchen und Hofleute einander verführen und verschmähen, miteinander philosophieren und streiten, sich selbst verlieren und wiederfinden. – Herzog Frederick führt ein Regime der Willkür und Gewalt. Als er seine Nichte Rosalinde verbannt, verkleidet sie sich als Mann und flieht gemeinsam mit Fredericks Tochter Celia in den Wald von Arden. Dort treffen die beiden auf Orlando, ebenfalls auf der Flucht. Er und Rosalinde kennen sich bereits und sind seit ihrem ersten Treffen unsterblich ineinander verliebt. Aber statt sich Orlando erkennen zu geben, behält Rosalinde im wahrsten Sinne des Wortes die Hosen an: Als Ganymed beginnt sie ein provozierendes Spiel mit Orlando, mit dem sie sich erotische Wortgefechte liefert und zweideutige Rollenspiele inszeniert …
„Wie es euch gefällt“ (1599) gehört zu den meistgespielten Komödien William Shakespeares. Alle Themen des grossen Dramatikers sind auf meisterhafte Weise miteinander verwoben: Mit seiner wohl souveränsten Heldin Rosalinde stellt Shakespeare Fragen nach der Flüchtigkeit menschlicher Identität und menschlichen Begehrens, den Offenbarungen und Verfehlungen der Liebe und der Sehnsucht nach dem verlorenen Paradies. Mit unvergleichlichem Wortwitz lässt er seine Figuren das Spiel mit den Identitäten spielen, aus dem das menschliche Leben besteht: „All the world’s a stage, / And all the men and women merely players“, so der Melancholiker Jacques, der am Ende als einziger den Wald der Rückkehr an den Hof vorzieht.
„Drei Stunden Spass, tolle Komödiantik, Rhythmus, Spiellust, physische Verve.“ NZZ
„„Wie es euch gefällt“ ist in Zürich eine veritable Genderstudie. Eine höchst ironische und deshalb über die Massen vergnügliche.“ Badische Zeitung
„Der grossartige Kraftmeiereien-Choreograf Nübling („I Furiosi“, „Punk Rock“, „S A N D“) schüttelt aus Shakespeares Steilvorlage „Wie es euch gefällt“ (1599) die entsprechenden Töne, vom orgiastischen „Aah, Aaah, Aaaah!“ übers irritierte „Iiiiih!“ bis zum retirierenden „Äaaaah“.
So entsteht eine Partitur aus gedrechseltem, elisabethanischen Witz und flegelhaften Urlauten, ein streng kontrapunktisch komponiertes Konzert.“ Tages-Anzeiger
„Albtraumhafter Realismus, mit viel Ungefährem, das präziser nicht gezeichnet sein könnte. Mit der Theater-Rarität Katharina Schüttler, die statt zu sprechen jubiliert. Und mit einem grossartigen Touchstone als melancholischem Clown, der über die Wurzeln vom Baum der Erkenntnis stolpert. Auch das ein schönes Bild für das Theater.“ Die Welt
„Mehr als eine Genderstudie macht Sebastian Nübling aus dem Abend einen langen und immer wieder auch sehr komischen Slapstick über das, was man Geschlechteridentität nennt. Denn die gibt es hier von Anfang an nur in hochkomischen Imitationen. So ist bereits der erste Auftritt von Celia und Rosalinde hinreissend, als die beiden mädchenhaften Freundinnen in Faltenröckchen dastehen, Verführungsposen üben und damit ja auch schon die aparte Darstellung des eigenen Geschlechts. Wie Franziska Machens aus ihrer Rosalinde dann sofort alles Mädchenhafte austreibt, sobald sie als Ganymed durch den Wald geht, als Mann nun mehr Frau als je zuvor, das ist grossartig auf den Punkt gespielt.
Die Regie nimmt sich aber nicht nur jede erdenkliche Freiheit, wenn es darum geht, das Liebeskarussell am Quietschen zu halten. Sie vertraut handkehrum voll und ganz der vielleicht grössten Unglaubwürdigkeit, die dieses Stück zu bieten hat. Der Tatsache nämlich, dass hier alle geistreich, schnell, ja vollkommen brillant über die Liebe zu reden in der Lage sind. Nübling stellt sie alle aus, die schlagfertigen Streitgespräche, die misanthropischen Monologe wie auch die hingeschnippten Merksätze. Hier ist der Abend ganz bei Shakespeare – und beim bestechend aufspielenden Ensemble, dem kein beiläufiger Sarkasmus des 400-jährigen Textes zu entgehen scheint, kein persiflierender Unterton und keine liebevolle Ironie für den Pathos der Liebenden.“ Nachtkritik.de
„Der Herzog ist hektisch (Lukas Holzhausen), der knuddelige Orlando (Christian Baumbach) markiert die Gegend mit seinen Liebesversen, die alle auf „-inde“ reimen – finde, geschwinde, Rosalinde. Die Angebetete selber, verkleidet als Jüngling Ganymed (Franziska Machens), ist ganz harte Schale, fadentiefer Liebeskern und ihre Freundin Celia hübsch schnippisch (Katharina Schüttler). Verzagt sucht der schüchterne Schäfer Silvius seine unwillige Phoebe: Patrik Güldenberg stolpert ihr mit brechender Stimme nach, sie vergrault ihn nach Kräften und „von Herzen finster“ (Susanne-Marie Wrage). Und der Melancholiker Jaques vertreibt sich die Zeit mit herzzerreissendem Balladengesang, Annie Ross, „To Hell With Love“: Bei Jan Bluthardt ist’s von betäubendem Weltschmerz.
Sie geben dem Affen Zucker, es ist das reinste, vergnüglichste Komödienspiel, handfest, aber nicht vulgär, auch einmal ganz sec wie bei Markus Scheumann als Touchstone, dem Narren: sehr unterspielt, sehr lakonisch, wunderbar. Sebastian Nüblings Inszenierung ist ganz Körper, ganz Bewegung, von Anfang an auf hundert Touren.“ NZZ
„Bei aller artistischen und pantomimischen Virtuosität – sah man je einen so rasant himmelstürmenden Geschlechtsakt wie den zwischen Katharina Schüttler und Milian Zerzawy –: Die Rechnung ist nicht ohne Shakespeares Sprache zu machen. Es ist in seinen Komödien ja so, dass es die Sprache selbst ist, die inszeniert wird. Sie ist – in diesen unglaublich raffinierten Wortspielen und schwindelerregend gescheiten und schlagfertigen Dialogen – der Hauptakteur des Geschehens. Man muss sie sich austoben lassen wie die Figuren selbst.
Und Sebastian Nübling kriegt das tatsächlich hin: den überbordenden Aktionismus seiner Figuren – Markus Scheumann nimmt es am Ende zwecks phallischer Selbstüberhöhung sogar mit dem ganzen Baum auf – mit den hintersinnigen, gelegentlich philosophisch abgründigen Versen Shakespeares in eine tragfähige Balance zu bringen.“ Badische Zeitung
„„Wie es euch gefällt“, oder: Wie hätten Sie’s denn gern? Indem Sebastian Nübling homoerotische, autosexuelle und sado-masochistische Spielarten der Liebe zeigt, holt er an die Oberfläche, was bei Shakespeare anspielungsreich angelegt ist. Er tut es dezent und mit präzisem Witz, und er hat ein Ensemble, das mitgeht – sei es in die selbstverliebte Rockstarlarmoyanz, mit der Jan Bluthardt seinen Jacques die Liebe in die Hölle wünschen lässt, sei es die Hochleistungsgymnastik, mit der Katharina Schüttler als Celia und Milian Zerzawy als Oliver eine brüllend komische Sexszene geben.“ Nachtkritik.de
„Elf tolle Schauspieler stehen auf der Bühne, spielen teils Doppelrollen, jeder mit eigenem Charakter – sei es nun Ludwig Boettger als alter Diener oder Isabelle Menke als Schäferin. Aber wie eben doch alles am Duo Rosalinde und Celia hängt, sich um die beiden dreht, ist prächtig – und logisch: Franziska Machens spielt als Rosalinde/Ganymed die kühle Lenkerin perfekt. Aber Katharina Schüttler ist als Celia geradezu der Katalysator der Aufführung: Wenn sie hochspringt, tanzt die Bühne mit, wenn sie in den Apfel beisst, entsteht eine wilde Fressorgie.“ Aargauer Zeitung
„Wenn es einen Gott der armseligen Scherze gibt, dann hat er in Markus Scheumann seinen Meister gefunden. Dieser Touchstone trägt unter der gouvernantenhaften Tarnung alle ausgeleierten Possen dieser Welt spazieren. In einem fulminant gelangweilten Anti-Solo lüftet Scheumann den Rock und lässt ein „Feuerwerk der guten Laune“ raus. Also lauter Blindgänger. Ob Touchstone ein Narr ist oder eine Null, bleibt offen. So wenig Humor muss man sich auf der Bühne erst einmal zutrauen – und ihn dann noch so herzhaft ausspielen wie Markus Scheumann.“ Basler Zeitung
„Bei ihm darf alles gross sein: die Schuhe, das Maul und der Spielstil. Ballermann für Markus Scheumann und ein Fest für uns.“ Tages-Anzeiger
Zum letzten Mal am 24. Februar 2013 im Pfauen


