Der Steppenwolf
Hermann Hesse kommt am 2. Juli 1877 in Calw/Württemberg als Sohn des baltendeutschen, pietistischen Missionpredigers Johannes Hesse (1847–1916) und seiner Frau Marie (1842–1902), einer in Indien geborenen Missionarstochter, zur Welt. Für die Theologenlaufbahn bestimmt, flüchtet er im Alter von 14 Jahren aus dem Klosterseminar Maulbronn, weil er „entweder Dichter oder gar nichts“ werden will. Nach einem Nervenzusammenbruch und einem Selbstmordversuch wird er von seinen Eltern in eine Nervenheilanstalt eingeliefert. Nach Aufenthalten in drei Heilanstalten und einer inneren Emanzipierung von den Eltern absolviert Hesse 1994/95 ein Praktikum als Turmuhrenmechaniker und eine Ausbildung zum Buchhändler in Tübingen. Nach ersten literarischen Arbeiten („Romantische Lieder“, „Hermann Lauscher“) entsteht 1904 sein Roman „Peter Camenzind“, dessen überraschender Erfolg es ihm erlaubt, Maria Bernoulli zu heiraten und sich als freier Schriftsteller am Bodensee niederzulassen. 1911 bereist Hesse Indien, das Land, in dem sein Vater und sein Grossvater missionarisch tätig waren, ebenso Ceylon, Singapur, Borneo, Burma, Penang und Sumatra. Zwar erfüllt die Reise nach eigener Aussage nicht seine Hoffnung auf metaphysische Anregung, dennoch wirkt sie stark auf sein literarisches Werk der kommenden Jahre. 1912 verlässt Hermann Hesse, „als erster freiwilliger Emigrant“, Deutschland und zieht mit seiner Frau und den drei Söhnen Bruno, Heiner und Martin nach Bern. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs ist Hesse einer der wenigen deutschen Intellektuellen bzw. Künstler, die nicht in die allgemeine Kriegsbegeisterung einstimmen. Von 1914 bis 1918 veröffentlicht er zwei Dutzend kriegskritische Aufsätze in deutschsprachigen Zeitungen, weshalb er von rechtsstehenden Publizisten zum „Vaterlandsverräter“ erklärt wird. Ab 1915 baut Hesse in Bern eine Zentrale für Kriegsgefangenenfürsorge auf. Hesse, der 1923 die Schweizerische Staatsbürgerschaft erhält, kritisiert früh den Nationalsozialismus. Seine Bücher waren im Dritten Reich zwar nicht verboten, galten aber als unerwünscht. Im Mai 1919 übersiedelt Hesse ohne seine Familie nach Montagnola/Tessin, wo er, bis auf überschaubare Abwesenheiten, bis zum Ende seines Lebens lebt. Nach der Scheidung von Maria Bernoulli im Jahr 1923 heiratet er 1924 Ruth Wenger: Die Ehe wird bereits 1927 wieder offiziell gelöst. 1926 wird Hesse in die Preussische Akademie der Künste gewählt, aus der er 1931 aus politischen Gründen wieder austritt. Im gleichen Jahr heiratet er die Kunsthistorikerin Ninon Dolbin (geb. Ausländer). 1946 erhält er den Nobelpreis für Literatur sowie den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt am Main. 1947 wird ihm die Ehrendoktorwürde der Universität Bern verliehen und 1955 der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels zuerkannt. Am 1. Juli 1962 verleiht die Gemeinde Montagnola Hermann Hesse die Ehrenbürgerschaft. Dort stirbt er am 9. August des gleichen Jahres an einem Gehirnschlag. Er wird auf dem Friedhof von St. Abbondio in Gentilino beigesetzt.
Hermann Hesses Werk ist von zeitübergreifender Bedeutung und kann auf eine weltweite Leserschaft verweisen. Als zentrale Werke aus seinem umfangsreichen Opus seien „Unterm Rad“ (1906), „Demian“ (1919), „Siddhartha“ (1922), „Der Steppenwolf“ (1927), „Narziss und Goldmund“ (1930) sowie „Das Glasperlenspiel“ (1943) genannt.
für die Bühne eingerichtet von Joachim Lux
Regie Bastian Kraft / Bühne Simeon Meier / Kostüme Inga Timm / Komposition & Arrangement Arthur Fussy
Mit
Anna Blomeier, Timo Fakhravar, Fritz Fenne, Arnd Klawitter, Yanna Rüger
| Anna Blomeier | |
| Timo Fakhravar | |
| Fritz Fenne | |
| Arnd Klawitter | |
| Yanna Rüger | |
| Regie | Bastian Kraft |
| Bühne | Simeon Meier |
| Kostüme | Inga Timm |
| Komposition & Arrangement | Arthur Fussy |
| Choreographie | Peter Kadar |
| Licht | Michel Güntert |
| Dramaturgie | Thomas Jonigk |
| Regieassistenz | Margrit Sengebusch |
| Bühnenbildassistenz | Lisa Dässler |
| Kostümassistenz | Ramona Müller |
| Regiehospitanz | Hans-Christian Hasselmann |
| Bühnenbildhospitanz | Fiorenza Bossard |
| Kostümhospitanz | Mitra Karimi |
| Souffleuse | Gabriele Seifert |
| Inspizienz | Dagmar Renfer |
Der 48-jährige Harry Haller leidet unter der Zerrissenheit seiner Persönlichkeit. Er vergleicht sich mit einem heimatlosen Steppenwolf, „ein den Bürgern überlegenes Genie“, der dem Menschen entgegensteht wie der Geist dem Trieb. In einer oszillierenden Mischung aus Traum, Vision und Phantasie beschreibt Hermann Hesse in seinem 1927 erschienenen Roman die abgründige und radikale Reise seines Alter Egos ins Innere seines Ichs. Der junge Regisseur Bastian Kraft stellte sich mit dieser Dramatisierung dem Zürcher Publikum erstmalig vor.
Der 48-jährige Harry Haller leidet unter der Zerrissenheit seiner Persönlichkeit: Einerseits sehnt er sich nach kleinbürgerlicher Harmonie und der Sicherheit gesellschaftlicher Anpassung, deren Begrenztheit er intellektuell verachtet. Andererseits greifen Hallers zerstörerische und chaotische Anteile immer mehr Raum, lassen ihn vereinsamen und das Leben zunehmend als sinnlos begreifen. Er vergleicht sich mit einem heimatlosen Steppenwolf, „ein den Bürgern überlegenes Genie“, der dem Menschen entgegensteht wie der Geist dem Trieb. Erschöpft vom vergeblichen Kampf, dem Chaos mit sinnhafter Erkenntnis zu entwachsen, seine wölfische und seine menschliche Seite zu vereinigen und eins mit sich zu werden, bewegt er sich am Rande des Selbstmordes. Schliesslich trifft er auf die Gelegenheitsprostituierte Hermine und gelangt mit ihr in das „Magische Theater“ … In einer oszillierenden Mischung aus Traum, Vision und Phantasie beschreibt Hermann Hesse die abgründige und radikale Reise seines Alter Egos Harry Haller ins Innere seines Ichs.
Hermann Hesses 1927 erschienener Roman „Der Steppenwolf“ ist bis heute ein Weltbestseller. Der Roman zeichnet die seelische Not eines gespaltenen Menschen, der sich gleichzeitig als Tier und als Geistwesen empfindet. Die europäische wie die amerikanische Jugendbewegung der 60er-Jahre fand im „Steppenwolf“ und in seiner Stilisierung des einsamen und verkannten Künstler-Ichs Identifikationsmuster für ihren Protest gegen das Establishment.
„Drei wesentliche Elemente sind Bastian Kraft hervorragend geglückt: nahe beim Text zu bleiben und so Hesses ästhetische Sprache zu zelebrieren, dem unstrukturiert-strukturierten Roman eine Struktur zu geben, und die oft ausufernden inneren Monologe und Reflexionen des Helden in spannende Dialoge zu verwandeln. Dabei hilft ihm das geniale Bühnenbild von Simon Meier: ein sich ständig drehendes Karussell auf drei Ebenen, das von allem Anfang an das „Magische Theater“ ins Zentrum rückt.“ Deutschlandradio Kultur
„Wer in Zürich lebt, an dessen Maskenbällen Hesse einst inspiriert wurde, kann momentan in die Schiffbau/Box gehen und sich Bastian Krafts packende, Hesses Anliegen und Sprache ungewöhnlich ernst nehmende Version nach einer Theaterfassung von Joachim Lux ansehen. Hier spielen Drehbühne, Musik und Kostüme einen abgründigen Zauber und fünf Schauspieler sich eineinhalb Stunden lang in einen Rausch.“ NZZ
„Die Chancen dieses Stoffes haben der erstmals in Zürich inszenierende, nach Arbeiten an anderen Theatern auf Romanadaptionen schon fast spezialisierte Bastian Kraft und sein offensichtlich sehr motiviertes Team bestens genutzt.“ Die Südostschweiz
„Hesse sollte man einfach lesen. Und da ist sein „Steppenwolf“ erstaunlich lustig. Noch besser: Man geht ins Theater und schaut sich in der Box des Schiffbaus Bastian Krafts „Steppenwolf“-Version an, sie ist das Beste, was Hesse heute passieren kann.“ Der Landbote
„Was Bastian Kraft mit einem brillanten Ensemble und einem grossen Team von Technikern hier an diesem denkwürdigen Abend auf die Bühne zaubert, ist selbst nichts weniger als magisches Theater.“ NZZ
„Das Theater besinnt sich auf seine Mittel und nutzt sie. Das ist von den Schauspielern, die sich mühelos durch alle Verwandlungen bewegen, leicht und unpathetisch vorgeführt – ein heiter-ernster Genuss.“ Neue Luzerner Zeitung
„Hesse, ein Spiel: Aus Short Cuts seines Romans setzt der Regisseur Bastian Kraft sein Stück zusammen (Textvorlage: Joachim Lux), das passiert ganz aus dem Inneren der Geschichte heraus. Ein bisschen Überhöhung ist da auch dabei. Ganz liebevoll wird da mit den Gegenständen eine Erzählung umgegangen.“ Der Landbote
„Wie rasch die Schauspieler von einer Rolle in die andere wechseln und sich dabei auf die Darstellung der im aktuellen Moment wesentlichen Charakterzüge beschränken, ist bewundernswert.“ Nachtkritik.de
„Geboten wird eine durchdachte Inszenierung mit hoher Intensität und spannungsgeladener Aussagekraft, die durchhält und durchdringt. Kraft stilisiert, deutet an, kreiert feine Szenen ebenso wie schrille sketchartige Grotesken voller sinnlicher Sprengkraft. Das fünfköpfige Ensemble mit Anna Blomeier, Timo Fakhravar, Fritz Fenne, Arnd Klawitter und Yanna Rüger zeigt eine bravouröse Leistung. Ihre wechselnden Figuren sind intensiv und witzig gespielt, die Selbstfindungsbemühungen nuanciert dargestellt. Alles in allem, eine grandiose Theaterarbeit.“ seniorweb.ch
„Fazit: Ein Roman der Weltliteratur ohne Verluste auf nur rund 100 Minuten komprimiert und konzentriert – eine wahre Meisterleistung.“ Deutschlandradio Kultur
| Pfauen | |||||
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| Sa, | 08. Juni |
20.00 – 21.30 Uhr |
Karten | Zum vorerst letzten Mal | |


