Illusionen
Iwan Wyrypajew – 1974 im sibirischen Irkutsk geboren – studierte Schauspiel an der dortigen Theaterhochschule, arbeitete an verschiedenen Theatern in Sibirien, gründete 1998 die Theatergruppe „Spielraum“ und absolvierte ein Fernstudium am Moskauer Regieinstitut. Seit 2001 arbeitet Wyrypajew in Moskau als Autor, Regisseur und Schauspieler unter anderem am „Zentrum neues Drama: Theater.doc“ und ist als Drehbuchautor und Filmregisseur („Euphoria“) tätig. 2005 gründete er in Moskau die Agentur „Bewegung Sauerstoff“,mit deren Hilfe er insbesondere junge Autoren aus der russischen Provinz fördern will.
Im deutschsprachigen Raum ist man auf den jungen Dramatiker aus Russland 2004 aufmerksam geworden, als sein Stück „Sauerstoff“bei der Theaterbiennale in Wiesbaden zu sehen war. An Häusern wie den Münchner Kammerspielen oder dem Hamburger Thalia Theater wurde das Stück nachgespielt und von renommierten Regisseuren wie Andreas Kriegenburg inszeniert. Iwan Wyrypajew – Träger des Jürgen Bansemer & Ute Nyssen Dramatikerpreises – ist ein Theaterpraktiker, der ganz genau weiss, dass ein Theatertext erst auf der Bühne zu leben beginnt. Dabei sind die Schauspieler bei Wyrypajew nie völlig ident mit ihren Figuren. Ein Mann wird von einer Frau interpretiert, wie es in der Regieanweisung zu „Juli“ heisst, während in „Sauerstoff“die Schauspieler aus ihren Rollen aussteigen und über ihren Text streiten, den ihnen der Autor in den Mund gelegt hat. Das Theater bleibt immer als Spiel sichtbar, mit einem Verlauf, der durchlässig zu sein scheint – für Unvorhergesehenes. Wyrypajew komponiert seine Texte musikalisch, stellt existenzielle Fragen und scheut sich dabei nicht vor biblischem Pathos. Wütend, suchend, hilflos fabulieren seine Figuren über ihre Sehnsüchte – in „Illusionen“ (2011) zeigen Sandra, Danny, Margret und Albert eine starke Sehnsucht nach einem absoluten Bild, nach einer absoluten Wahrheit von Liebe. Über dem steht die Frage, ob wir überhaupt in der Lage sind zu lieben? Und was ist das – Liebe?
Seine Stücke wie „Valentinstag“ (2001), „Sauerstoff“ (2002) und „Juli“ (2006) sind in mehrere Sprachen übersetzt worden und haben auf Theaterfestivals in Russland und im Ausland zahlreiche Preise gewonnen, unter anderem beim Heidelberger Stückemarkt oder dem Festival „Kontakt“ in Torun. Iwan Wyrypajew hat auch Prosawerke vorgelegt, unter anderem das Buch „Sentenzen des Patelej Karmanow“.
Schweizerische Erstaufführung
Regie Julia Burger / Bühne Barbara Pfyffer / Kostüme Reto Keiser
Mit
Karin Enzler, Patrick Güldenberg, Janina Schauer
| Karin Enzler | |
| Patrick Güldenberg | |
| Janina Schauer | |
| Regie | Julia Burger |
| Bühne | Barbara Pfyffer |
| Kostüme | Reto Keiser |
| Licht | Adrian Fry |
| Dramaturgie | Meike Sasse |
| Regieassistenz | Zino Wey |
| Regiehospitanz | Alexander Wilms |
| Bühnenbildhospitanz | Livia Krummenacher |
Drei Spieler betreten die Bühne, um die Geschichte von vier Liebenden zu erzählen. Deren miteinander verstrickte Lebensgeschichten bieten die Grundlage für ein „Spiel der Illusionen“. Ist die Lebenserinnerung eine einzige Erfindung? Und die Liebe nur eine Illusion? Am Ende ist nichts gewiss – ausser der Tod. Zwischen Sein und Schein entspinnt sich ein Theater auf dem Theater.
Der Autor Iwan Wyrypajew, geboren 1974 in Sibirien, ist einer der wichtigsten russischen Dramatiker. Die Schweizerische Erstaufführung seines Stückes „Illusionen“ inszenierte Julia Burger, die am Schauspielhaus 2009 als Regieassistentin begann.
Drei Spieler, zwei Frauen und ein Mann, betreten die Bühne, um von vier Liebenden zu erzählen. Die beiden miteinander verstrickten Paare Sandra und Danny sowie Margret und Albert blicken auf lange Ehen und tiefe Freundschaften zurück. Den Tod als auslösendes Moment für Fragen nach der Liebe ergreifend, spielen die Erzähler mit den Erinnerungen der beiden Paare – sie offenbaren, korrigieren und isolieren einzelne Splitter der Biographien. Das Leben lässt sich nicht als eine einheitliche Geschichte erzählen. Und: Nicht die objektiven Lebensdaten formen die Identität, sondern die unbestimmten Gefühle. Die Lebenserinnerung – eine einzige Erfindung? Und die Liebe nur eine Illusion? Am Ende ist nichts gewiss – ausser der Tod.
Die drei Spieler bieten, wenn sie von Sandra, Danny, Margret und Albert erzählen – einmal mit Abstand von aussen betrachtend, ein anderes Mal, indem sie in die jeweiligen Rollen schlüpfen – ein „Spiel der Illusionen“. Wie in Corneilles Stück, das Wyrypajew als Motto dient, entfaltet sich das Leben „in seinem Auf und Ab … in Trugbildern, die sich geben wie leibhaftige Gestalten“. Zwischen Sein und verschiedenen Ebenen des Scheins entspinnt sich ein Theater auf dem Theater.
„Regisseurin Julia Burger gelingt es, die vertrackte Konstruktion des Stückes leichtfüssig in überraschenden Facetten auszuleuchten. Die drei Schauspieler, welche die Geschichte ihrer vier Rollen entwerfen, bieten alle Formate des Szenischen in reduzierter Form auf – von albern Clowneskem bis zu dramatischem Highcamp, von Verführung bis zu Weiberintrige, von Theaterpädagogik bis zu Improvisationstheater. Weit unterhaltsamer als Tschechow.“ Basler Zeitung
„Während sich die Vorstellung einer glücklichen Ehe zwischen Danny und Sandra sowie Albert und Margret bereits zu Beginn zerschlägt, wird im Spiegel des anhaltenden Verwirrspiels die Idee der wahren, gegenseitigen Liebe an sich zunehmend in Frage gestellt, ja nach und nach zersetzt. Dass dennoch keine Schwermut aufkommt, ist ausser den Verfremdungen im Spiel, der jugendlichen Ausstrahlung der Darsteller und den gelegentlichen Gags nicht zuletzt der schlichten, heiteren, aber durchaus treffenden Bild- und Symbolsprache der Inszenierung zu verdanken.“ NZZ
„Was Regisseurin Julia Burger macht, ist sehr klug und sehr spielerisch.“ Radio DRS 2
„Die Schweizer Premiere von „Illusionen“ spielt virtuos mit der Verschachtelung von Erzähl- und Darstellungsebenen. Am Anfang ist das Wort, die letzten Sätze Dannys, auf Tonband aufgezeichnet. Sie werden von Patrick Güldenberg fasziniert nachgesprochen und weitergesponnen, erst dann beginnt der Schauspieler, dem Gesagten nachzufühlen und daraus das Gerippe einer Rolle zu konstruieren. Gebannt von den weiteren Ausführungen von Karin Enzler ist er ganz Marionette der Erzählerin, die Regie führt bei diesem ersten Strang und Requisiten verteilt. Bald aber schlüpft Janina Schauer in die Rolle von Sandra, Dannys Frau, und dreht die Geschichte um.“ Basler Zeitung
„Es sind fabelhafte Schauspieler am Zürcher Schauspielhaus.“ Radio DRS 2
Premiere am 18. Februar 2012
Zum letzten Mal am 4. April 2012
Unterstützt vom Zürcher Theaterverein


