Schauspielhaus Zürich



Der Besuch der alten Dame

von Friedrich Dürrenmatt

Regie Viktor Bodó / Bühne Juli Balász / Kostüme Fruzsina Nagy / Musik Klaus von Heydenaber
Mit Amine Yacoubi, Klaus Brömmelmeier, Benedict Fellmer, Gerrit Frers, Philippe Graff, Christian Heller, Henrike Johanna Jörissen, Julia Kreusch, Claudius Körber, Matthias Neukirch, Nicolas Rosat, Friederike Wagner, Milian Zerzawy

Besetzungsliste

Pfauen
Premiere am 11. Dezember 2015
Für die Einspielung der Kompositionen danken wir dem Casal Quartett sowie Nitzan Bartana, Michal Beck, Anton Vilkhov, Ori Wissner-Levy und dem Collegium Vocale Grossmünster, Leitung Kantor Daniel Schmid.


Man erwartet den Besuch der Multimilliardärin Claire Zachanassian. Die Kleinstadt Güllen war einst wohlhabend, ist nun aber völlig verarmt, die ganze Stadt wird gepfändet, selbst das Heimatmuseum wurde „vor drei Jahren nach Amerika verkauft“. In dieser ausweglosen Situation hofft der Bürgermeister auf eine rettende Stiftung der alten Dame, die als Klara Wäscher in Güllen aufgewachsen ist. Claire Zachanassian erreicht das Städtchen in einem grotesken Auftritt, umgeben von Dienern und Zofen, zwei Sänftenträgern – „Gangster aus Manhattan“ – sowie ihrem siebten Gatten. Sie lässt den Bürgermeister nicht lange werben, sondern kündigt eine Schenkung von einer Milliarde an – unter der Bedingung, dass sie sich dafür „Gerechtigkeit“ kaufen könne: Jemand solle den Kaufmann Alfred Ill töten, mit dem sie damals eine stürmische Liebe erlebt hat, der sie jedoch als junge Frau mit dem gemeinsamen Kind sitzen liess.

Diese bittere Komödie, 1956 am Schauspielhaus Zürich uraufgeführt, ist voller grotesker Fantasie und zeigt die makabre Automatik einer moralischen Verfehlung: Umso mehr die Bürger von Güllen Schulden machen, umso mehr verpflichten sie sich unausgesprochen auf das Angebot von Claire Zachanassian einzugehen. So steckt das Stück das Feld zwischen Recht und Rache, Selbstjustiz und der „Gerechtigkeit des Geldes“ ab. Claire Zachanassian selbst nimmt darin einen grotesken Charakter an: Nicht nur ihr Auftritt und ihre Entourage wirken komisch und grausig zugleich, auch sie selbst wirkt wie ein Prothesenmensch – fast alles an ihr ist künstlich.

Viktor Bodó, 1978 in Budapest geboren, wurde durch seine Arbeiten als Hausregisseur am Katona József Theater in Budapest bekannt, u.a. mit einer Adaption von Kafkas „Prozess“, die zu zahlreichen internationalen Festivals eingeladen wurde. Seit 2006 arbeitet er regelmässig im deutschsprachigen Raum, u.a. am Schauspiel Köln, am Schauspielhaus Graz und am Deutschen Schauspielhaus Hamburg. 2008 gründete Bodó seine eigene Theatertruppe Szputnyik Shipping Company. Bodós Arbeiten wurden mehrfach für den Nestroy-Theaterpreis nominiert, seine Inszenierung „Die Stunde da wir nichts voneinander wussten“ war 2010 zum Theatertreffen eingeladen. In Zürich inszeniert Viktor Bodó zum ersten Mal.

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Sabine Gisiger besucht für das Schauspielhaus-Journal die Premiere „Der Besuch der alten Dame“

Schauspielhaus-Journal Oktober 2015: Friederike Wagner spielt Claire Zachanassian – Klaus Brömmelmeier und sie auf Hausbesuch im Centre Dürrenmatt



Audio-Einführung zu „Der Besuch der alten Dame“:

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