Zwerg Nase
Nachdem Wilhelm Hauff im April 1825 das Manuskript für seinen ersten Märchenalmanach fertiggestellt hatte, trat der 22-Jährige mit seinen „Mittheilungen aus den Memoiren des Satan“ an die Öffentlichkeit. In den folgenden zwei Jahren publizierte Hauff ein umfang- und facettenreiches Werk: Neben den drei Märchenzyklen und einer Fortsetzung des „Satan“ (1826) erschienen die Romanparodie „Der Mann im Mond oder Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme“ (1825), der historische Roman „Lichtenstein“ (1826), die „Phantasien im Bremer Rathskeller“ (1827), eine Handvoll Novellen, Prosaskizzen und Rezensionen. Diese kurze, aber intensive Schaffenszeit bis zu seinem frühen Tod 1827 genügte, um sich einen grossen literarischen Namen zu machen – von diesem Ruhm ist heute allerdings wenig geblieben.
1802 in Stuttgart geboren, verlor Hauff sechsjährig seinen Vater; seine Mutter zog mit ihren vier Kindern nach Tübingen. Dort besuchte er zunächst die Lateinschule, anschliessend das Klosterseminar. Hauff setzte alles daran, dem Seminar und somit dem eintönigen Alltag und dem ländlichen Milieu ein Jahr früher als üblich zu entkommen. Freiheit bedeutete für ihn sein Theologiestudium, das auch die Fächer Geschichte, Philosophie, Psychologie und Rhetorik einschloss; ausserdem war er Mitglied in einer verbotenen Burschenschaft. Hauff verlobte sich mit seiner Cousine Luise Hauff, die er später auch heiratete. Als Hofmeister bei einer Stuttgarter Offiziersfamilie begann er zu schreiben, zunächst Kriegs- und Volkslieder, anschliessend den ersten Märchenalmanach („Die Karawane“). Auf seinen Reisen durch Frankreich, Flandern, Nord- und Mitteldeutschland begegnete er in zahlreichen Gesprächen Dichterkollegen, Verlegern und Kritikern. Nach seiner Rückkehr veröffentlichte er den zweiten und dritten Märchenalmanach („Der Scheik von Alessandria und seine Sklaven“ sowie „Das Wirtshaus im Spessart“) und schrieb seine besten Novellen („Die Bettlerin vom Pont des Arts“, „Jud Süss“ und „Das Bild des Kaisers“).
Die „Phantasien im Bremer Rathskeller“ werden neben den Märchen von vielen als sein originellstes und reifstes Werk bezeichnet. Zwar von Tieck und E.T.A. Hoffmann beeinflusst, hielt Hauff selbstbewusst fest: „Ich gehöre allen, ich gehöre mir selbst, aber keiner Schule gehöre ich an, der Meister möge sich nennen, wie er wollte. Ich fühle keinen Herrn und Meister über mir, dem ich Gehorsam schuldig wäre, als die ewigen Gesetze des Guten und Schönen, denen ich, wenn auch auf unvollkommene Weise, nachzustreben suche. Es mag sein, dass ich die Form nicht vor dem Einfluss der Zeit bewahren kann, doch soll mir der Geist ungegöthet, ungetieckt, ungeschlegelt und ungemeistert bleiben.“ Acht Tage nach der Geburt seiner Tochter starb Wilhelm Hauff 1827 mit nur 25 Jahren.
Ab 6 Jahren
Regie Corinna von Rad / Bühne Ralf Käselau / Kostüme Sabine Blickenstorfer / Musik Jürg Kienberger / Musik Rainer Süssmilch
Mit
Daniele Bianco, Thomas Douglas, Irene Eichenberger, Jeroen Engelsman, Pascal Goffin, Camilla Gomes dos Santos, Miriam Jenni, Jürg Kienberger, Nicolas Rosat, Lilith Stangenberg, Rainer Süssmilch
| Musiker und Erzähler | Jürg Kienberger |
| Musiker und Erzähler | Rainer Süssmilch |
| Zwerg Nase | Pascal Goffin |
| Mutter/Unterküchenmeister | Irene Eichenberger |
| Vater/Fürst | Nicolas Rosat |
| Hexe/Oberküchenmeister | Lilith Stangenberg |
| Herzog/Eichhörnchen | Thomas Douglas |
| Eichhörnchen/Küchenpersonal | Daniele Bianco |
| Eichhörnchen/Küchenpersonal | Jeroen Engelsman |
| Eichhörnchen/Küchenpersonal | Camilla Gomes dos Santos |
| Eichhörnchen/Küchenpersonal | Miriam Jenni |
| Regie | Corinna von Rad |
| Bühne | Ralf Käselau |
| Kostüme | Sabine Blickenstorfer |
| Musik | Jürg Kienberger |
| Musik | Rainer Süssmilch |
| Licht | Markus Keusch |
| Dramaturgie | Meike Sasse |
| Regieassistenz | David Koch |
| Theaterpädagogik | Milena Müller |
| Bühnenbildassistenz | Michela Flück |
| Kostümassistenz | Claudia Ott |
| Regiehospitanz | Etienne Grübler/Silvan Frick |
| Bühnenbildhospitanz | Martina Lüscher |
| Souffleur | János Stefan Buchwardt |
| Inspizienz | Ralf Fuhrmann |
Jakob ist nicht ganz wohl in seiner Haut – nachdem er einem alten Weib ihre Kohlköpfe nach Hause getragen hat, bekommt er eine Suppe mit grosser Wirkung vorgesetzt. Sieben Jahre hält die Hexe ihn gefangen und verzaubert. Nach seiner Befreiung ist Jakob zwar ein Meisterkoch, aber zu einem hässlichen Zwerg verwandelt – wird er sich vom Zauber befreien können?
Das bekannte Märchen wurde mit viel Musik für Kinder ab 6 Jahren inszeniert.
„Diejenigen tun sehr unrecht, welche glauben, es habe nur zu alten Zeiten Feen, Zauberer und Hexen gegeben …“, wissen Jürg und Rainer zu berichten. Es ist noch nicht lange her, dass sie selber Zeugen einer Begebenheit waren, von der nun hier die Rede sein wird. Mit Maultrommel, Harmonium und Trompete nehmen sie uns mit in die Welt von Zwerg Nase, der auf seiner Reise nicht nur der Hexe Kräuterweis und ihren Eichhörnchen begegnen wird …
Jakob ist nicht ganz wohl in seiner Haut – nachdem ein altes Weib mit dünnen, hässlichen Fingern in den Körben mit frischem Gemüse und Kräutern am Marktstand seiner Mutter gewühlt hat und er anschliessend auch noch die schweren Kohlköpfe zu ihr nach Hause tragen musste, bekommt er nun eine sonderbare, doch wohlschmeckende Kräutersuppe vorgesetzt. Als Dank – oder eher weil er sich über das schrullige Aussehen der Hexe Kräuterweis lustig gemacht hat? Das Süppchen hat eine grosse Wirkung: Sieben Jahre bleibt er schlaftrunken, verzaubert mit langer Nase und zu allerlei skurrilen Hausarbeiten verdonnert. An der Seite von Eichhörnchen fängt er zum Beispiel Sonnenstäubchen, um feinstes Brot zu backen, oder schöpft mit Haselnussschalen den Tau aus Rosen für das Trinkwasser der alten Hexe. Jakob wird aber auch zu einem vorzüglichen Koch ausgebildet. Und dann findet er ein ihm noch unbekanntes Kraut mit flammendroter Blüte, deren Duft ihn an die Zaubersuppe erinnert. Jakob riecht, niest – und erwacht.
Er kann sich von der Hexe befreien, doch seine Eltern erkennen ihn nicht wieder. Der Herzog aber – ein passionierter „Schlemmer und Lecker“ – lässt sich von „Zwerg Nases“ Kochkünsten überzeugen. Als Leibkoch findet er im Schloss seinen Platz, Ansehen und Würde – und in der Gans Mimi schliesslich eine gute Freundin. Doch wird es ihm auch gelingen, sich vom Zauber zu befreien? Und was hat es mit dem geheimnisvollen Kraut Niesmitlust auf sich?
„… die Inszenierung überzeugt mit einem farbenfrohen, detailverliebten Bühnenbild (Ralf Käselau), akrobatischen Einlagen und ironischen Zwischentönen.“ NZZ
„… einfalls- und ereignisreiche Inszenierung des Hauff-Märchens „Zwerg Nase“, mit dem Corinna von Rad und ein spielfreudiges Ensemble Kinder und Erwachsene gleichermassen in einen fortgeschrittenen Zustand der Verzauberung versetzen. Die Regisseurin liest Hauffs Märchenklassiker als ein Fest der Verwandlungen und der Zaubermächte, wie sie nicht nur unter Hexen und Zauberern, sondern auch unter ganz gewöhnlichen Menschen anzutreffen sind. Kochen, erzählen, musizieren und spielen, Jahrmarkt und Zirkus – also all das, was auf der Bühne passiert, hat mit Magie zu tun, mit Verführung, Entgrenzung und Illusion.“ Tages-Anzeiger
„Denn nachdem sich der eiserne Vorhang ganz geöffnet hat, zeigen von Rad, Bühnenbildner Ralf Käselau und das Ensemble ein prächtiges Schauspiel: voller Musik und wilder Tanzeinlagen, Requisitenzauber und Trockeneisnebel, skurrilen Überzeichnungen und feiner Gesten und vorallem einer stringent erzählten Handlung.“ Aargauer Zeitung
„Die Regisseurin Corinna von Rad macht aus Wilhelm Hauffs Märchen „Zwerg Nase“ ein wunderbares Stück Theater. Da gibt es sehr hübsche Kostüme (von Sabine Blickenstorfer). Eine bewegliche Bühne (Ralf Käselau). Alles zusammen: Das Kleine wird hier ganz gross und das Grosse wieder klein. Zu sehen ist ein Schaustück der Verwandlung, und die Zeit der Aufführung, knapp zwei Stunden mit Pause, vergeht wie im Traum.“ Der Landbote
Premiere am 19. November 2011
Zum letzten Mal am 12. Februar 2012
Unterstützt von der Gesellschaft der Freunde des Schauspielhauses


