Das grosse Herz des Wolodja Friedmann

von Gerhard Meister

Uraufführung

Regie Sonja Streifinger / Bühne Selina Puorger / Kostüme Tiziana Ramsauer

 
Regie Sonja Streifinger
Bühne Selina Puorger
Kostüme Tiziana Ramsauer

Brupbacher: Die Jahre in der Illegalität, sie haben Spuren hinterlassen. Das Herz ist angegriffen. Nichts mehr aus Moskau. Was da passiert ist, man muss es fernhalten von ihm. Dasselbe für Spanien. Und Deutschland sowieso.

Paula: Moskau, Spanien, Deutschland, von mir aus, ich kann die Weltgeschichte von ihm abhalten, auch wenn sein Herz im Takt der Weltgeschichte schlägt. Ich will es versuchen, ich will die Weltgeschichte von ihm fernhalten. Aber wie, sag mir bitte, wie soll ich vor ihm verstecken, was an der Schweizer Grenze passiert?

Der Zürcher Autor Gerhard Meister schreibt ein Stück über Zürcher Geschichte und steigt ein in biografisches Material von Geflüchteten der 1930er und 1940er Jahre. Der Autor entwickelt ein Zeitpanorama der historisch verbürgten Zürcher Pension Comi am Vorabend des 2. Weltkrieges. Im Zentrum stehen die Besitzer der Pension Wolodja und Paula Friedmann. Vom jüdischen Emigrant über den Musiker bis hin zum gescheiterten Revolutionär geben sie Verfolgten des Nationalsozialismus Unterschlupf. Einige hoffen auf eine Arbeitserlaubnis in der Schweiz oder arbeiten illegal. Andere Bewohner warten sehnsüchtig auf die Heimreise oder setzen ihrer persönlichen Geschichte und ihrem Leben, geschockt von den politischen und gesellschaftlichen Umwälzungen der Zeit, in Zürich ein Ende. Als der Strom der Geflüchteten nicht abbrechen will, stellen sich Gewissensfragen: Wen kann man noch aufnehmen, ohne selbst am Ende in Schwierigkeiten zu geraten? Der Stoff behandelt den historisch-politischen Umgang der Schweiz mit Geflüchteten und versucht, in dieser Auseinandersetzung einen Bogen zu Fragen der aktuellen Flüchtlingsthematik zu schlagen. Die kleinen und vergessenen Geschichten von damals lassen die grosse Geschichte und die Migration unserer Tage in einem anderen Licht erscheinen.

Die junge Regisseurin Sonja Streifinger studierte Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Nach ihrem Studium arbeitete sie als Regieassistentin am Landestheater Tübingen und am Schauspielhaus Zürich. Hier zeigte sie 2015 „An eine Vernunft“ nach Wolfgang Borchert und Arthur Rimbaud. 2014 wurde sie mit ihrer Tübinger Arbeit „Es sagt mir nichts, das sogenannte Draussen“ von Sibylle Berg zum Theaterfestival Skepsis in Mazedonien eingeladen.

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