Am Königsweg

von Elfriede Jelinek

Schweizer Erstaufführung

Regie Stefan Pucher / Bühne Barbara Ehnes / Kostüme Annabelle Witt / Musik Christopher Uhe / Video Chris Kondek

„Miss Piggy, als blinde Seherin hergerichtet, die Augen bluten, wie es die Tradition will. Überhaupt hätte ich in der Folge gern Figuren aus der Muppet Show. Da das aber nicht geht, vielleicht nur Anklänge an die Wesen dort, vielleicht eine Psychose, nein, eine Plüschhose, die an jemandem hängt, ein abnehmbarer Kopf, ein netter Frosch etc. Phantasie, bitte einschalten! Sie sind alle blind. Die einen sind blinde Seher, die treten mit einem Blindenstock auf, die andern sind blinde Könige, die treten mit ihren Kronen auf.“

Diese vermeintliche Regieanweisung in Elfriede Jelineks neuestem Werk steht zu Beginn eines düster-mäandernden Textes über Welten lenkende Könige und deren Herrschaft kommentierende Prophet(inn)en. In ihrem mit Spannung erwarteten „Donald-Trump-Drama“ richtet die Nobelpreisträgerin den Blick auf die gegenwärtigen Entwicklungen jenseits des Atlantiks und lässt zugleich Geister der Vergangenheit hervorschimmern. Wie oft bei Jelinek sind es Stimmen und Motive aus der Mythologie und abendländischen Kulturgeschichte, die sie mit der heutigen Welt verwebt. „Am Königsweg“ behandelt den Ödipus-Mythos: den wissenden, aber machtlosen blinden Seher Teiresias und dessen Blick auf den ebenfalls blinden Königstyrannen Ödipus, der seiner Bevölkerung im pestverseuchten Theben Erlösung verspricht. Paraphrasiert, konterkariert und ironisiert wird der Mythos einerseits mit der Stimme Elfriede Jelineks als ewig kommentierende „sehende Dichterin“ und andererseits mit der Persona Donald Trumps: Der „König“, der seine Vormachtstellung den Tätigkeiten als Immobilienhändler verdankt, im Kontext eines Weltsystems, dessen Macht- und Besitzverhältnisse auf Kredit und Schulden beruhen. Jelinek orientiert sich an David Graebers epochaler Analyse „Schulden – die ersten 5000 Jahre“ und entwickelt diese weiter. So umschreiben Jelineks Denkräume zunehmend menschheitspolitische Dimensionen, aus denen politische Phänomene wie Trump erst herauswachsen können.

Elfriede Jelinek ist die bedeutendste und erfolgreichste deutschsprachige Dramatikerin der Gegenwart. Seit Jahren werden die Stücke der heute Siebzigjährigen in unterschiedlichsten Regiedeutungen am Schauspielhaus Zürich aufgeführt. In der Spielzeit 2015/16 inszenierte Barbara Frey das Flüchtlingsdrama „Die Schutzbefohlenen“ gemeinsam mit fünf weiteren Zürcher Theatern. Ausserdem liefen „Macht nichts“, „In den Alpen“, „FaustIn and out“ und „Über Tiere“ sowie „Rechnitz (Der Würgeengel)“, das nach wie vor im Spielplan ist.

Stefan Pucher inszeniert nach „Ein Volksfeind“ (Dietmar Dath nach Ibsen) und „Antigone“ (Feridun Zaimoglu / Günter Senkel nach Sophokles) eine weitere Neubefragung und Überschreibung eines zeitlosen Theaterstoffs.

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