Zur schönen Aussicht

Eine Komödie von Ödön von Horváth

Regie Barbara Frey / Bühne Bettina Meyer / Kostüme Bettina Walter

 
Regie Barbara Frey
Bühne Bettina Meyer
Kostüme Bettina Walter

„Eine mächtige alte Karte Europas hängt an der Wand. In der Ecke eine vergilbte Palme. Alles verstaubt und verwahrlost. Im Zimmer über der Halle spielt ein Grammofon Südseeweisen.“ Das Personal dieses morbiden Hotels mit dem Namen „Zur schönen Aussicht“: der kleinkriminelle Kellner Max, welcher die kaum vorhandenen Gäste vorzugsweise barfuss bedient, sowie der windige Chauffeur Karl, der schon mindestens einen Menschen totgeschlagen hat. Der Direktor des Hotels, Strasser, ein abgesetzter Offizier und abgehalfterter Leinwandstar, ist längst nicht mehr liquide. Dementsprechend abhängig ist er von dem einzigen zahlenden Dauergast, der Baronin Ada Freifrau von Stetten, „ein aufgebügeltes, verdorrtes weibliches Wesen mit Torschlusspanik“, das seine Macht als zahlungskräftige Frau geradezu diktatorisch für ihre sexuellen und emotionalen Bedürfnisse zu nutzen weiss. Bis eine junge Frau namens Christine auftaucht und das abgründige Idyll stört. Christine ist soeben Mutter geworden und der Vater ihres Kindes ist Strasser, welchen sie vor einem Jahr im Hotel kennengelernt hat und aufrichtig liebt. Er will seine Vaterschaft und die damit verbundene Unterhaltspflicht keinesfalls anerkennen. Für seine skrupellose Verleugnung erfährt er umgehend lustvollen Beistand jeglicher anwesender Herren, welche gegenüber Christine dummdreist behaupten, in der fraglichen Zeit ebenfalls intim mit ihr in dem Etablissement „verkehrt zu haben“. Der grausame Männerbund stigmatisiert Christine zur „berechnenden Hure“. Als sich herausstellt, dass Christine in der Zwischenzeit geerbt hat und ihr Vermögen aus Liebe zu Strasser in die Renovierung des Hotels investieren wollte, kämpft das Männerrudel augenblicklich und entlarvend rüde gegeneinander und jeder Einzelne giert um Christine als profitable Ehefrau. Christine jedoch, die einzig hellsichtige Gestalt in diesem finsteren Geisterkabinett, zieht es vor, allein zu ihrem Kind zurückzureisen.

Horváth schrieb diese prognostische, bitterböse und hochkomische Gesellschaftssatire im Jahr 1926; uraufgeführt wurde sie erst 1969. Parolen wie „Man könnte doch ruhig einige Millionen Menschen vernichten!“ oder „Wir brauchen einen neuen Krieg!“ sind selbstverständlich salonfähig in dieser dem Untergang geweihten Gesellschaft, die notfalls auch mal ohne Champagner auskommt: „So trinken wir eben mit Jauche auf unsere Ideale!“

Barbara Frey sieht in der durchaus gegenwartsnahen „schönen Aussicht“ unter anderem „ein zerfallendes Europa, zerfallende Männer und den radikalen Verlust von Vernunft, Mitgefühl und politischer Vision“. Die Regisseurin hat von Horváth bereits „Die Unbekannte aus der Seine“ und „Geschichten aus dem Wienerwald“ inszeniert.

Schiffbau/Halle

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