Hundeherz

nach dem Roman von Michail Bulgakow

Regie und Bühne Alvis Hermanis / Kostüme Kristīne Jurjāne

 
Regie und Bühne Alvis Hermanis
Kostüme Kristīne Jurjāne

Moskau, 1925: Der Medizinprofessor und Chirurg Preobraschenski ist ein teuflischer Experte in bahnbrechenden, blutigen Verjüngungsexperimenten. Die zahlkräftige Elite der Stadt geht bei ihm ein und aus. Frauen lassen sich zwecks Verjüngung Eierstöcke von Affenweibchen einsetzen, Männer unterziehen sich dubiosen Behandlungen zur Potenzsteigerung. Das innovativste Experiment des Professors besteht darin, den verwahrlosten Strassenköter Bello in einen Menschen, möglichst in ein Genie, zu verwandeln: „Von einem Hund bis zu einem Einstein! Eine herrliche Bestätigung der Evolutionstheorie!“ Zu diesem Zweck werden Bello die Hirnanhangdrüse und die Hoden eines soeben verstorbenen alkoholabhängigen Strassenmusikers eingepflanzt. Der Hund überlebt die Operation nur knapp und verhält sich als aufrecht gehender und sprechender Mensch animalischer, als er es als Tier je getan hat. Er mutiert zu einem zunehmend vulgären und gewalttätigen Mann, der sich selbst als überzeugten Proletarier bezeichnet und seinen feudalen Schöpfer als „Individualisten“ und „Konterrevolutionär“ beschimpft. Der Professor hingegen ist erschüttert, dass ausgerechnet er sich seinen grössten Albtraum, den „Abschaum der Masse“, in seine hochherrschaftliche Ordination geholt hat. Die Situation gerät mehr und mehr ausser Kontrolle, weshalb Preobraschenski beschliesst, die Verwandlung rückgängig zu machen, denn „wenn einer spricht, heisst das noch lange nicht, dass er ein Mensch ist“.

Bulgakows Erzählung „Hundeherz“, die bis zur Menschwerdung des Tiers aus dessen Perspektive als Hund geschildert wird, ist eine systemkritische Satire, die zu Lebzeiten des Autors in Russland verboten und dort erst 1987 publiziert wurde, 47 Jahre nach Bulgakows Tod. Es geht u. a. um die Entlarvung des Bestialischen im Menschen und um die Infragestellung barbarischer Fortschrittsbesessenheit. Die Erzählung knüpft assoziativ an Shelleys „Frankenstein“, Goethes „Faust“ und das Horrortheater des Grand Guignol an. Leicht lassen sich die chirurgischen Verjüngungseingriffe des Arztes auf die inzwischen gigantischen Wirtschaftszweige von Schönheitschirurgie und Genmanipulation übertragen.

„Hundeherz“ ist Alvis Hermanis’ siebte Inszenierung am Schauspielhaus Zürich. Der lettische Regisseur setzt damit seine Auseinandersetzung mit russischer Literatur in Zürich fort, die er 2008 erfolgreich mit dem Dostojewski-Projekt „Idiot. Anfang des Romans“ im Schiffbau begonnen hat.

Pfauen

Do, 25 Jan Premiere

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