Mir nämeds uf öis (Wir nehmen es auf uns)

von Christoph Marthaler

Uraufführung

Regie Christoph Marthaler / Bühne Duri Bischoff / Kostüme Sara Kittelmann

 
Regie Christoph Marthaler
Bühne Duri Bischoff
Kostüme Sara Kittelmann

Eine der zentralen Fragen der Gegenwart lautet: Wohin mit den Fehlleistungen meines Wirkens auf Erden? Gemeint ist hier weniger (oder gar nicht) der Wunsch nach spiritueller Vergebung. Nein. Gesucht wird nach einer Entsorgungsstelle für jene zweifelhaften Daten und Zahlen, die die finanziellen, politischen, ideologischen und ökologischen Bilanzen belasten. Was früher noch in Beichtstühlen verhandelt oder durch Verheiratung von Königskindern verfeindeter Mächte in Luft aufgelöst wurde, trägt spätestens seit der Finanzkrise des Jahres 2009 einen Namen: „Bad Bank“. Das haben Sie noch nie gehört? Die „Bad Bank“ nimmt alles, was monetär faul oder absolut verfault ist, verwaltet es und lässt auf diese Weise die Marmorsäulen der klassischen Finanzhäuser in zarter Unschuld glitzern. Doch sind diese „Bad Banks“ wirklich sicher? Wohl kaum. Und genau aus diesem Grund gehen Christoph Marthaler und sein Ensemble kurz vor Weihnachten einen entscheidenden Schritt weiter. Sie gründen einen „Bad State“, einen vom Festland abgekoppelten und mit eigener Gesetzgebung ausgestatteten Ministaat, dessen Existenz allein darauf ausgerichtet ist, anderen ihre Probleme abzunehmen. Das unmissverständliche Angebot der in diesem Staate lebenden und wirkenden Personen lautet: „Wir nehmen es auf uns“ — gegen entsprechende Tauschobjekte. Eine einzigartige Marktlücke, für deren Institutionalisierung Christoph Marthaler, Daniel Weiss, Peter Fischli und Daniel Schmid bereits vor vielen Jahren an einem heiter-vergnügten Abend unförmige Grundsteinlegung auf sandigem Untergrund betrieben haben. In den letzten Tagen des Jahres 2017 aber wird endlich Ernst gemacht und der Ablasshandel in nie gekannter Weise perfektioniert.

Der Schweizer Regisseur Christoph Marthaler kombiniert in seinen Theaterabenden zeitgenössische Sprechchöre mit Musik als strukturierendem Prinzip. Er konfrontiert seine SchauspielerInnen mit geheimnisvollen Bühnenräumen, in denen das Leben nur noch scheinbar seine Spuren hinterlassen hat. Marthaler begann seine Theaterlaufbahn als Musiker und kreierte in den späten 1980ern kritisch-ironische Liederabende und Performances. 1993 zeigte er an der Volksbühne Berlin „Murx den Europäer! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn! Murx ihn ab! Ein patriotischer Abend“, der ihm internationale Aufmerksamkeit und bedeutende Aufträge grosser Theater in Deutschland und der Schweiz einbrachte. Von 2000 bis 2004 war Christoph Marthaler Intendant des Schauspielhauses Zürich, an das er nun nach längerer Zeit mit dieser Stückentwicklung zurückkehrt.

Pfauen

Do, 14 Dez Premiere

Unterstützt vom Förderer-Circle des Schauspielhauses

  • Stadt Zurich
  • Swiss Re
  • Zürcher Kantonalbank
  • Migros