BEUTE FRAUEN KRIEG

nach den „Troerinnen“ von Euripides

Regie Karin Henkel / Bühne Muriel Gerstner

 
Regie Karin Henkel
Bühne Muriel Gerstner

„Hekabe: Steht auf! Witwen der Trojaner,
Jungfrauen von Troja, Verlobte der Toten,
schaut zum letzten Mal diese rauchenden,
geschwärzten Steine an.“ nach Euripides

„Die Frau muss Körper sein oder sie darf gar nichts sein. Und diese Geschlechterkonstruktion, die im Wesentlichen immer noch gilt, wird im Krieg zur völligen Annihilierung des weiblichen Opfers.“ Elfriede Jelinek

„Die Männer konnten das alles durchstehen. Mann ist Mann. Aber wie wir Frauen es schafften, das weiss ich selber nicht. Wenn ich jetzt bloss daran denke, packt mich ein Grauen, aber damals konnte ich alles: neben Toten schlafen, schiessen; Blut habe ich gesehen…“ Wie ich der Enkelin davon erzählen wollte, hat die Schwiegertochter geschimpft: Wozu soll ein Mädchen so was erfahren, da wächst doch eine Frau heran, eine Mutter… So schonen wir sie, und dann wundern wir uns, dass unsere Kinder so wenig von uns wissen…“ nach Swetlana Alexijewitsch

Was geschieht mit den überlebenden Troerinnen, als die griechischen Krieger nach 10 Jahren Krieg Troja niedergebrannt haben? Sie werden als Kriegsbeute an die feindlichen Heerführer „verteilt“ und „verschifft“: Agamemnon gewinnt per Los Kassandra, die bereits seinen und ihren Tod durch Klytaimnestra voraussieht. Andromache, Hektors Witwe, die zudem ihre sieben Brüder im Krieg verlor, wird an den Sohn Achills und somit an den Sohn des Mörders ihres Mannes versklavt. Trojas ehemalige Königin Hekabe wird zur Sklavin Odysseus’, dem Erfinder des Trojanischen Pferds. Sie muss nach dem Verlust ihrer Kinder und ihres Mannes auch noch die grausame Tötung ihres kleinen Enkels Astyanax, dem Sohn Andromaches und dem letztmöglichen Thronfolger des Priamos, ertragen. Die Götter schweigen. Andromache formuliert in Euripides’ Version, dass jeder Tod besser sei als die zutiefst entwürdigende Existenz als Beutefrau. Die greise Hekabe nimmt schlussendlich grausame Rache.

Auch gegenwärtig sind sie zahlreich, die Stimmen von geschändeten Frauen, die unaussprechliche Gewalt in Worte zu fassen versuchen: sie erzählen kollektiv und dennoch kontrovers davon, wie Frauen als Kriegsinstrumente in eine nicht enden wollende Verkettung von Zerstörung und Selbstzerstörung verstrickt sind.

Verschiedene, weibliche Stimmen werden in Karin Henkels Inszenierung zu Wort kommen. Sie gehen von Fragmenten des ältesten verschriftlichten europäischen Mythos aus und schlagen den Bogen bis in unsere Gegenwart.

Karin Henkel inszeniert regelmässig am Schauspielhaus Zürich. Zuletzt waren Tschechows „Onkel Wanja“ im Pfauen und der gewaltige Parcours durch „Die zehn Gebote“ in der Halle in ihrer Regie zu sehen.

Schiffbau/Halle

Sa, 02 Dez Premiere

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