Die 120 Tage von Sodom

von Milo Rau nach Motiven von Pier Paolo Pasolini und Donatien Alphonse François de Sade

Uraufführung

Text und Regie Milo Rau / Bühne und Kostüme Anton Lukas / Video Kevin Graber
Mit Noha Badir, Remo Beuggert, Gianni Blumer, Matthias Brücker, Nikolai Gralak, Matthias Grandjean, Julia Häusermann, Sara Hess, Robert Hunger-Bühler, Dagna Litzenberger Vinet, Michael Neuenschwander, Matthias Neukirch, Tiziana Pagliaro, Nora Tosconi, Fabienne Villiger

Noha Badir
Remo Beuggert
Gianni Blumer
Matthias Brücker
Nikolai Gralak
Matthias Grandjean
Julia Häusermann
Sara Hess
Robert Hunger-Bühler
Dagna Litzenberger Vinet
Michael Neuenschwander
Matthias Neukirch
Tiziana Pagliaro
Nora Tosconi
Fabienne Villiger
 
Text und Regie Milo Rau
Bühne und Kostüme Anton Lukas
Video Kevin Graber
Licht Christoph Kunz
Dramaturgie Stefan Bläske
Dramaturgie Gwendolyne Melchinger
Recherche / Dramaturgische Mitarbeit Rolf Bossart, Mirjam Knapp
Regieassistenz Manon Pfrunder
Bühnenbildassistenz Simon Sramek
Kostümassistenz Tiziana Angela Ramsauer
Videoassistenz Jörg Hurschler
Regiehospitanz Jannis Nicolas
Souffleuse Katja Weppler
Inspizienz Michael Durrer
Künstlerischer Leiter Theater HORA Michael Elber
Stv. Künstlerische Leiterin Theater HORA Nele Jahnke
Theaterpädagogik Anne Britting

Kann man mit behinderten Schauspielern den wohl umstrittensten Film der Filmgeschichte auf die Bühne bringen? Gemeinsam mit dem Theater HORA, das in weltweit gefeierten Inszenierungen die Behinderung seiner Schauspieler zum Thema macht und 2016 mit dem Schweizer Theaterpreis ausgezeichnet wurde, schliessen Milo Rau und das Schauspielhaus Zürich mit „Die 120 Tage von Sodom“ an Raus Produktion „Five Easy Pieces“ (eingeladen als eine der „zehn bemerkenswertesten Inszenierungen“ zum Berliner Theatertreffen 2017) an. Das in bisher 10 Ländern aufgeführte und an zahlreichen Spielorten zensierte Stück, in dem Kinder die Verbrechen des Pädophilen Marc Dutroux nachspielen, regte eine internationale Debatte über die Grenzen der Kunst und die Kraft des Theaters an.

Nun führt Milo Rau seine Untersuchung nach den Grenzen des auf der Bühne Ertrag- und Darstellbaren weiter, ausgehend von Pasolinis Skandalfilm „Salò oder die 120 Tage von Sodom“. In der Alpenrepublik Saló – dem letzten Refugium einer faschistischen Regierung – werden junge Männer und Frauen entführt und von vier Vertretern eines untergehenden Regimes in einem Schloss gefangen gehalten. In einer Reihe von sadistischen Ritualen werden die Jugendlichen missbraucht und erniedrigt und schliesslich in einer Gewaltorgie zu Tode gequält.

Der letzte Film von Pier Paolo Pasolini vor dessen Ermordung beruht auf einem Roman des Marquis de Sade, der die explizite Darstellung sexueller Machtausübung als eine Art Gesellschaftsdiagnose im ausgehenden 18. Jahrhundert präsentierte. Pasolinis Adaption des Stoffes wird oft als Kommentar auf eine Herrschaftsform gelesen, die das faschistische Regime zwar ablöste, aber ähnlich repressive Mechanismen fortführte: die moderne Konsumgesellschaft mit ihrer Normalisierung des Exzesses und der Perfektionierung des Menschen.

In seiner Inszenierung nimmt Milo Rau Pasolinis und De Sades Stoff frei assoziierend auf und verortet ihn in der Jetztzeit – in einem postmodernen Feudalismus, der zwischen Genusssucht und Untergangsangst, Normalisierungswahn und kleinbürgerlicher Skandallust changiert. Dabei stellen sich grundsätzliche gesellschaftliche und künstlerische Fragen: Was heisst Macht, was Voyeurismus? Wie ist es um die Würde des Lebens bestellt? Was ist normal, was abartig? Wo endet der Schmerz – und wo beginnt die Erlösung?

„Ein geglückter Theaterabend: „Die 120 Tage von Sodom“ von Milo Rau in Zürich“ taz

„Regisseur Milo Rau und das Theater Hora am Zürcher Schauspielhaus: Was medial zum Skandalstück aufgekocht wurde, entpuppt sich als Theater der Zärtlichkeit und des Mitgefühls.“ WoZ