High (du weisst wovon)

von René Pollesch

Uraufführung

Regie René Pollesch / Bühne Barbara Steiner / Kostüme Sabin Fleck / Künstlerische Leitung des Chores Christine Gross / Choreographie Sebastian Henn
Mit Hilke Altefrohne, Inga Busch, Marie Rosa Tietjen, Jirka Zett, Anne Eigner, Caroline Barner, Maike Bräutigam, Patricija Bronic, Lara Bumbacher, Noemi Clerc, Nora Häberling, Imogen Karcher, Margarita Lajqi, Shane Lutomirski, Ailin Nolmans, Priscilla Roeck, Germaine Sollberger, Anna Wojtalla, Nicolas Vermot-Petit-Outhenin

Hilke Altefrohne
Inga Busch
Marie Rosa Tietjen
Jirka Zett
Chor Anne Eigner
Chor Caroline Barner, Maike Bräutigam, Patricija Bronic, Lara Bumbacher, Noemi Clerc, Nora Häberling, Imogen Karcher, Margarita Lajqi, Shane Lutomirski, Ailin Nolmans, Priscilla Roeck, Germaine Sollberger, Anna Wojtalla
Live-Kamera Nicolas Vermot-Petit-Outhenin
Tonangel Abdoul Aw
 
Regie René Pollesch
Bühne Barbara Steiner
Kostüme Sabin Fleck
Künstlerische Leitung des Chores Christine Gross
Choreographie Sebastian Henn
Licht Markus Keusch
Dramaturgie Karolin Trachte
Regieassistenz Manon Pfrunder
Bühnenbildassistenz Simon Sramek
Kostümassistenz Tiziana Angela Ramsauer
Regiehospitanz Nicolas Jannis Becker
Dramaturgiehospitanz Timo Raddatz
Souffleuse Gabriele Seifert
Inspizienz Ralf Fuhrmann

„Man geht fälschlicherweise davon aus, wenn man zwei Personen auf einer Bühne sieht, dass die miteinander sprechen, und wenn man eine Person sieht, dass die denkt. Und das ist die komplett falsche Repräsentation von menschlichem Handeln. Denn denken kann man nur zu zweit, und sprechen – jedenfalls sollte man das versuchen – kann man nur komplett alleine. Wenn du eine Person auf einer Bühne siehst, kannst du davon ausgehen, dass sie spricht und wenn da zwei auftauchen, wird gedacht. Das umgekehrte ist aber das, was einem nahe gelegt wird. Aber das ist gar nicht das, was objektiv beschrieben werden kann. Es ist nur moralisch. Etwas tut objektiv, ist aber moralisch gemeint. Aber i c h sage nur was ich sehe und höre, ich sage nicht, was ich denke. Denn denken kann man nur zu zweit oder dritt etc. Man weiss was ein Arbeiter ist, man weiss aber nicht was zwei Arbeiter sind. Das sage ich jetzt mal so, denn ich war immer schon der Gegenstand nivellierungsgeiler Propagandisten aus gutem Hause, die alleine denken. Aber das ist nur fühlen. Alleine fühl ich mich immer gut. Das ist für die „Denken“. Objektiv ist moralisch, und Denken ist Fühlen.“ René Pollesch

Autor und Regisseur René Pollesch schreibt moderne Komödien, die grossen Sprachwitz und Theorie miteinander verweben. Im Wechsel mit sogenannten Clips, in ständigem selbstverständlichen Rollentausch sowie mit der Unterstützung eines Damensprechchors befragt das Ensemble Phänomene aus Alltag, Liebe und Arbeit in Zeiten des Kapitalismus. Mit dem Ensemble des Schauspielhauses Zürich entwickelt René Pollesch bereits die siebte Arbeit, zuletzt waren „Love/No Love“ (2015) und „Bühne frei für Mick Levčik!“ (2016) zu sehen.

„„High (du weisst wovon)“ ist einer der heitersten der in Zürich endemisch vorkommenden Pollesch-Flashmobs. Und er ist so selbstironisch leicht wie die vielen grossen Helium-Bälle, die im Schiffbau in der Luft stehen.“ srf.ch

„Herein in Polleschs Schau der wilden Tiere und wilden Gedanken! Die Bühnenbildnerin Barbara Steiner hat einen Circus maximus aufgebaut, eine Art Manege oder Rennbahn, auf der vier Pollesch-Menschen, Profis der Perma-Performance, der Selbstverwirklichung und Selbstvermarktung, tun, was sie immer tun. Hier nun aber wortwörtlich: Sie rennen der Sprache hinterher.“ NZZ

„Wo ist es denn hin, das Leben? Im neuen Theaterabend von René Pollesch geht der wilde Löwe ab. „High (du weisst wovon)“ kann auch Ihr Bewusstsein erweitern.“ Tages-Anzeiger

„Es ist eine verwundernd warmherzige Veranstaltung, deren Aura von einem grossen Joint herrühren mag, was ja schon der Titel suggeriert. Vielleicht ist es aber auch einfach so, wie Pollesch selbst vor knapp fünf Jahren an den Münchner Kammerspielen formulierte: Der Abend damals hiess „Eure ganz grossen Themen sind weg“ und war ein gefundenes Fressen bestehend aus abgenagten Relevanzknochen. Das mit der fortschreitenden Absenz grosser Themen bedeutet bei Pollesch ja nicht, dass es nichts mehr zu denken gäbe. Ums Denken geht es auch in „High“. Und um das Kreuz mit der eigenen Individualität, im Leben wie auf der Bühne. Aber die Darreichungsart dieser Gedanken ist bei Pollesch freundlicher geworden, weniger hektisch, gemessen an den von ihm gewohnten Dimensionen. „High“ ist eine sehr schöne, lichte Aufführung, die man nicht unbedingt beladen von der Schwere eines wie auch immer gearteten Diskurses verlässt.“ Süddeutsche Zeitung

„Es geht um Kommunikation und Nicht-Kommunikation, um Denken zu zweit, Sprechen alleine und Depression, um Low-Budget-Filme und andere Filme wie Peter Weirs „Picknick am Valentinstag“. Um die Assoziation des Todes mit Schwarz oder die von Opernliebhabern aufgeworfene Frage, weshalb denn Diktatoren wie Hitler und Mussolini sich nicht von der Oper haben rühren und politisch positiv beeinflussen lassen. Und immer wieder darum, dass Bedeutung sich nicht dort einzustellen pflegt, wo sie absichtsvoll angepeilt wird.
Die Frage ist vielmehr sogar: „Wie entkomme ich der Bedeutung?“ Eine zielführende Methode führt Pollesch auch an diesem Abend exemplarisch vor: indem er (vermeintliche) Sachverhalte wieder dialektisch umpolt und um alle Ecken herum denkt, bis sich Sinnzuschreibungen verflüchtigt haben oder aber ein Hintersinn plötzlich raffiniert aufblitzt. Sehr schön das Bild von der Zeit vor dem Urknall und danach – als wir „alle ganz dicht beieinander“ waren und dann „sehr dicht auseinander“. Bravourös, wie die Menschen auf der Bühne all diese Wortkaskaden und Theorieschnipsel aufsagen und gleichzeitig zum Leben erwecken – obwohl ja niemand hier eine Figur aus Fleisch und Blut verkörpert.“ Südkurier

„Reizvoll ist das Bühnenbild: diese Rennbahn, die eingebettet ist in ein buntes Zirkus- und Variété-Ambiente. Da leuchten Sterne, ein goldener Vorhang öffnet sich, bunte Riesenballone schweben an der Decke, und an den Wänden springen gemalte Löwen durch brennende Reifen oder über die Peitsche der Dompteuse.
Eine Augenweide sind auch die Kostüme von Sabin Fleck, die den Chor in schwarz-weiss gestreifte Overalls und später in pastellfarbene orientalische Chiffonkleider gewandet. Effekt heischend sind die Paraden, die Pollesch am Publikum vorbeiziehen lässt: ein Raubtierkäfig auf Rädern - zu Cat Stevens Hit „The Wind“ – oder riesige aufgeblasene Comicmonster auf Fahrrädern.“ blick.ch

„Immer geht die Ankündigung einer neuen Pollesch-Produktion mit einem erwartungsvollen Raunen in der deutschsprachigen Theaterszene einher. Gepaart mit dem chorischen Sammelsummen eines Bienen- oder Wespenschwarms, der sich im Hirn festsetzt. Denn lange bevor Revue-, Dokumentar- und Aktionstheater herkömmliche Bühnenformate breitflächig knackten, suchte – und fand – Pollesch Antworten darauf, wie sich das serbelnde Genre des Schauspiels mit dem ihm persönlich sympathischen Begriff des „realen Kurzschlusses“ besetzen lassen könnte. „High (du weisst wovon)“ ist, wie alle seine Produktionen, gemeinsam mit dem Ensemble vor Ort entstanden. Und, der Titel lässt es ahnen, es breitet sich aus ein Milieu der Aufgekratzten, des Sammelsummens, des Getrieben- und Verfolgtseins. So dass man selber ein bisschen high wird davon.“ St. Galler Tagblatt

„Im Grunde ist es eine erfrischende materialistische Dusche gegen idealistische Überhitzung. Pollesch nimmt dann sozusagen den Wasserschlauch und spritzt damit die fröhlichsten Girlanden in die Luft: „Man geht fälschlicherweise davon aus, wenn man zwei Personen auf einer Bühne sieht, dass die miteinander sprechen; und wenn man eine Person sieht, dass die denkt. Und das ist die komplett falsche Repräsentation von menschlichem Handeln. Denn denken kann man nur zu zweit, und sprechen, jedenfalls sollte man das versuchen, kann man nur komplett alleine.““ srf.ch

„Von „High (du weisst wovon)“ wird man breit, stoned, berauscht, wenn man sich Polleschs gut abgemischtes Pulver ohne Zaudern reinzieht“ Tages-Anzeiger

„Vor allem Jirka Zett erzählt mit präzisem Denken wunderliche Geschichten, berichtet davon, dass er bei Demonstrationen für einen Zivilpolizisten gehalten wird, weil er leider für die demonstrierende Seite zu gut aussieht, oder davon, dass sich Filme gerne das quasi künstlerische Etikett „Low Budget“ geben, wenn sie einfach nur scheisse sind. Inga Busch sorgt als Gast aus Berlin für ein hochtemperiert volksbühnenhaftes Grossstadtflair, Marie Rosa Tietjen und Hilke Altefrohne kümmern sich frohgemut um ernsthafte Verschrobenheit. Doch die eigentliche Schau ist ihr Gegenüber, der Chor der Mädchen, anfangs sträflingsgestreift gekleidet („von vorn, von hinten ist es anders“), dann in Kleidchen wie aus einem tschechischen Märchenfilm, der im Orient spielt. Vielleicht sind sie die Mädchen, die in Peter Weirs Film „Picknick am Valentinstag“ spurlos verschwinden – zumindest ist die Rede davon. Auf jeden Fall sind sie das Moussieren einer champagnerleichten Aufführung.“ Süddeutsche Zeitung

„Unterwegs auf der Bahn ist dann ein Chor von jungen Frauen in weiss-schwarz gestreiften Overalls (Kostüme, sehr changierend: Sabin Fleck) und drei Schauspielerinnen und ein Schauspieler: Hilke Altefrohne, Inga Busch, Marie Rosa Tietjen, Jirka Zett. Begleitet werden sie von Kamera und Mikrofon. Ausruhen können sie sich in den 75 Minuten des Abends nicht. Sie gehen, rennen, tanzen. Alles ist in Bewegung. Und der Intellekt macht dazu einen Purzelbaum.“ Der Landbote

„Dabei ist Hilke Altefrohne die Wuchtigste, weil das Rennen und dabei Rufen ihre zweite Natur zu sein scheint. Inga Busch ist die Interessanteste, weil sie ihre Pollesch-Textendlosschlaufen am gebrochensten ruft. Marie Rosa Tietjen ist die wuchtigste Interessante, weil als Erscheinung bemerkenswert. Und der Quotenmann des Abends, Jirka Zett, ist der am schönsten Erstaunte, wenn er sich Sätze rufen hört wie: „Es ist unmöglich, hier Theater zu spielen. Wir schreien uns ja die Kehle aus dem Leib.““ NZZ

„Eine langovale Rennbahn für artistisch-rhetorische Rundendrehereien und Verfolgungsjagden hat die Bühnenbildnerin Barbara Steiner in die Schiffbau-Halle gebaut. In der Mitte davon zwei Zuschauertribünen, die sich den Rücken zukehren. Die eine hat Blick auf die eine Seite der Bahn, die zweite auf die andere. Damit das geteilte Publikum jederzeit die ganze Handlung mitbekommt, hängen an beiden Längsseiten Leinwände.“ Aargauer Zeitung

„Ein Pollesch-Abend kann auch sehr unterhaltend sein – so als Demoband, was Theater heute sein kann. Die Depressionen kann man hier gleich wegsperren. Denn Bewegung ist hier alles. Alle sind an the run – auch gedankenmässig. Die Schauspieler erlaufen sich ihr eigenes Gebiet. Und sagen: Es ist wie Warten auf Godot im Gehen. Oder wie ein Hamlet to go. Sie bleiben aber immer in „High.““ Zürichsee-Zeitung

„Pollesch zielt nie auf eine erkenntnistechnische Mission. Er will unterhalten. Und er tut dies so, dass die Unterhaltung dann doch eine Erkenntnis bringt.“ Thurgauer Zeitung

„Der Beifall war gross – und also gerecht.“ Südkurier

„Riesiger Applaus, ja entzückter Jubel.“ theaterpur.net

Schiffbau/Halle

Zum letzten Mal am 27. Februar 2017 im Schiffbau/Halle

René Pollesch über „High (du weisst wovon)“ (Schauspielhaus-Journal Dezember 2016)