Die Verwandlung

nach der Erzählung von Franz Kafka
In einer Fassung von David Farr und Gisli Örn Garðarsson

Regie Gísli Örn Garðarsson / Regieassistenz Selma Björnsdóttir / Bühne Börkur Jónsson / Kostüme Lili Wanner / Musik Nick Cave, Warren Ellis / Lichtdesign Björn Helgasson
Mit Claudius Körber, Matthias Neukirch, Isabelle Menke, Dagna Litzenberger Vinet, Fritz Fenne

Gregor Samsa Claudius Körber
Vater Matthias Neukirch
Mutter Isabelle Menke
Grete Dagna Litzenberger Vinet
Dienstmädchen / Stietl / Doktor / Fischer Fritz Fenne
 
Regie Gísli Örn Garðarsson
Regieassistenz Selma Björnsdóttir
Bühne Börkur Jónsson
Kostüme Lili Wanner
Musik Nick Cave, Warren Ellis
Lichtdesign Björn Helgasson
Licht Michel Güntert
Dramaturgische Mitarbeit Andreas Karlaganis
Dramaturgische Mitarbeit Irina Müller
Regieassistenz Marco Milling
Kostümassistenz Marcus Karkhof, Liv Senn
Regiehospitanz Marija Morozova
Souffleuse Gerlinde Uhlig-Vanet
Inspizienz Dagmar Renfer
Theaterpädagogik Anne Britting
Theaterpädagogik Corina Liechti
Pfauen
Premiere am 02. Dezember 2016
Mit freundlicher Unterstützung der Minimum Boulderhalle
 

Als Gregor Samsa eines Morgens in seinem Bett aufwacht, findet er sich in ein „ungeheures Ungeziefer“ verwandelt. Vater, Mutter und Schwester, mit der Tatsache seiner Verwandlung konfrontiert, versuchen mit dieser Herausforderung zurechtzukommen. Die anfänglichen Bemühungen um sein Wohl und um Normalität lassen jedoch bald unter dem Druck der Überforderung nach. Zuvor war er als Handlungsreisender der agile Ernährer der verschuldeten Familie. Nun wird Gregor Samsa plötzlich zur nutzlosen Last des kleinbürgerlichen Haushalts, der durch seine Verwandlung vom sozialen Abstieg bedroht ist. Die Bühnenadaption des isländischen Regisseurs Gísli Örn Garðarsson, zu der Nick Cave und Warren Ellis die Musik komponiert haben, wurde unter dem Titel „Metamorphosis“ in London uraufgeführt und tourte weltweit. Für das Schauspielhaus Zürich adaptiert Garðarsson die gefeierte Inszenierung mit SpielerInnen des Ensembles.

„Leute, geht ins Theater! Nehmt euch die Zeit und den Zug nach Zürich. Kauft euren Liebsten zu Weihnachten ein Eau de Cologne weniger und nehmt sie mit. Nehmt am besten auch gleich die Kinder mit. An diese nämlich hat man damals bei der ersten Lektüre von Franz Kafkas Erzählung sehr gedacht. Ein Märchen mit farbigen Illustrationen des ungeheuren Ungeziefers, das eines Morgens aus Gregor Samsa geworden ist. Im Wissen auch darum, dass Kafka selbst sich gerne in die Grimm'sche Gruseligkeit eingelesen hatte.“ St. Galler Tagblatt

„Im Anzug hangelt sich Claudius Körber durch das Bühnenbild, hängt kopfüber an der Decke oder bricht durch diese hindurch. Er spricht und spielt dabei, als wäre er über die Schwerkraft erhaben.“ NZZ

„Gregor schaukelt verreckend im Vorhang. Das lange rote Stück Stoff ist um seinen nackten Bauch geschlungen. Es fliesst an ihm hinab, von der ersten Etage des Häuschens ins Erdgeschoss, als wärs ein Strom von Blut: sein Blut, das für Vater, Mutter, Schwester und auch für Gregor selbst vergossen wird – zur Erlösung von der Last, die das Leben mit ihm bedeutet. Noch einmal schwingt der junge Mann in Anzughose sich auf, dann gleitet er abwärts, fällt, im Tuch, in die Tiefe, bis er unten hin- und herbaumelt: Gregor Samsa ist tot. Aber der 34-jährige Schauspieler Claudius Körber ist sehr lebendig! Das hat er mit dieser astreinen Vertikaltuchakrobatik gezeigt.“ Tages-Anzeiger

„Und Gregor bewegt sich anders. Schon wenn er plötzlich auf dem Bett erscheint, ist sein Liegen ein Stehen. Unter der Oberflächenoptik verlangt die Bühne dem Darsteller Gregors sehr viel akrobatisches Engagement vom Klettern bis zum Turnen am freihängenden Tuch ab. Claudius Körber muss dafür nicht nur Schauspieler, sondern mindestens so sehr Turner sein. Wie er über alle fünf Wände klettert, kopfüber das Treppengeländer heruntersteigt, vom Bett an die Klettergriffe springt oder am Schluss am Vorhang hängend stirbt, ist das eine: eine körperliche Höchstleistung. Noch erstaunlicher aber ist die Natürlichkeit, mit der er sich im aufgestellten Raum bewegt, sich auf den vertikal abstehenden Stuhl setzt, wie sehr er die Anstrengung vergessen lässt und Gregors Unverständnis sichtbar macht, warum er denn plötzlich von niemandem mehr verstanden wird.“ Zürichsee-Zeitung

„Claudius Körber, ein schlaksiger junger Mann, zeichnet die Figur mit der Verletzlichkeit, die schmerzt und – wenn er kopfüber durch die Zimmerdecke bricht – auch richtig weh tut.“ Thurgauer Zeitung

„Zwei Welten: Im Untergeschoss der zweistöckigen Bühne ist alles wie immer: alltäglicher Frühstücksmief. Mutter und Tochter adrett, der Vater mit dem Gestus des Familienoberhaupts, bescheidene Biederkeit, eine etwas verhuschte, stumme Gewohnheitsbehaglichkeit. Im Zimmer darüber aber ist die Welt aus dem Lot: Der Raum verrückt, um 90 Grad gekippt, sodass man seinen Bewohner, Gregor Samsa, dort eingenistet, eingesperrt, meist aus der Draufsicht erlebt.
Zugegeben, kein schlechter Einfall, wenn es um die Frage der Fragen geht: Wie stellt man auf der Bühne dar, was dank der virtuosen Erzählkunst Kafkas im Prosatext unausgesprochen, uneindeutig bleiben kann: hat tatsächlich eine körperliche Verwandlung stattgefunden oder ist alles nur ein böser Traum, Einbildung, Fantasie? Wessen Realitätsverhältnis ist gestört: Gregors – oder das der Familie?“ Deutschlandfunk

„Bei Kafka, im berühmten ersten Satz, findet er sich in ein Ungeziefer verwandelt. Der Autor versuchte zu verhindern, dass das in den Buchausgaben bildlich umgesetzt würde. Jede Theaterversion muss aber eine Lösung finden, wie sie diese Verwandlung zeigen kann. Börkur Jónssons Bühne macht es mit der Perspektivenverschiebung zwischen den beiden Räumen, die ganz aus detailliert verkleideten Kletterwänden zu bestehen scheint, darunter aber einen Abbildungsrealismus pflegt, wie er sonst kaum mehr zu sehen ist. Regisseur Garðarsson, der die jetzt auch in Zürich gezeigte Fassung schon 2006 in London entwickelte, zeigt Gregor als normalen Menschen. Nur die Reaktionen der andern markieren, dass aus dem Sohn und Bruder offenbar ein grauen- und furchterregendes „Es“ geworden ist.“ Der Landbote

„Wir sollten über das Klettern reden. Denn Gregor Samsa klettert wie wild über die Wände und die Decke seines Schlafzimmers. Er hangelt sich am Treppengeländer hinab ins Wohnzimmer und huscht über Tisch und Anrichte. Der Clou der Inszenierung von Franz Kafkas „Die Verwandlung“ am Zürcher Pfauen ist das Bühnenbild von Börkur Jónsson, der zwei Räume untereinander auf die Bühne hat bauen lassen: Unten das Wohnzimmer der Familie Samsa, oben Gregor Samsas Schlafzimmer.
Doch dieses Schlafzimmer ist um 90 Grad gekippt, so dass die Zuschauer wie die Vögel von oben hinein und auf den Unglücklichen drauf schauen. Wenn Gregor Samsa auf dem Bett liegt, dann steht Claudius Körber eigentlich davor. Und wenn er über den Boden läuft, dann hält sich Körber etwa mit Hilfe eines Stuhls in der Waagrechten. Klingt kompliziert und ist unglaublich anstrengend zu spielen. Dazu kommt: Die Wände dieses Zimmers sind übersät mit Rissen, die Körber als Haltegriffe dienen. Selten also hat eine Inszenierung deutlicher zeigen können, wie dieser Gregor Samsa zum wilden, kletternden Tier mutiert.“ Nachtkritik.de

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