Nachtstück

Projekt ohne Worte von Barbara Frey und Fritz Hauser
Uraufführung

Regie Barbara Frey / Musik Fritz Hauser / Bühne und Kostüme Bettina Meyer
Mit Hans Kremer, Chantal Le Moign, Dagna Litzenberger Vinet, Michael Maertens, Lisa-Katrina Mayer, Markus Scheumann, Friederike Wagner, Milian Zerzawy, Fritz Hauser

Hans Kremer
Chantal Le Moign
Dagna Litzenberger Vinet
Michael Maertens
Lisa-Katrina Mayer
Markus Scheumann
Friederike Wagner
Milian Zerzawy
Fritz Hauser
 
Regie Barbara Frey
Musik Fritz Hauser
Bühne und Kostüme Bettina Meyer
Licht Rainer Küng
Dramaturgie Andreas Karlaganis
Regieassistenz Jörg Schwahlen
Bühnenbildassistenz Marie-Luce Theis
Kostümassistenz Selina Tholl
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Schiffbau/Box
Premiere am 4. März 2016
Unterstützt von der International Music & Art Foundation

Der Einbruch der Nacht ist der Absturz ins Unbewusste. Die Nacht folgt keiner Logik. Sie ist eine Welt von Rufen, Tönen, Klängen, deren Bedeutung man nicht zuordnen kann. Die Nacht verwirrt den Blick, sie überfällt die Vernunft und macht die Wahrnehmung zur Zumutung. Es ist die Zeit der Einbildungen, des Trugs, der heimlichen Beobachtungen und des unheimlichen Erlebens, denn „jeder Laut wird bilderreicher, das Gewohnte sonderbarer“ (Richard Dehmel). Welche Geschichten entstehen? Nach ihrem erfolgreichen Edgar-Allan-Poe-Abend „A Dream Within a Dream“ kreieren Regisseurin Barbara Frey und Perkussionist Fritz Hauser ein „Nachtstück“. Schauplätze sind ein Hotelzimmer, ein dunkler Platz, eine Bank unter einer Laterne. Acht Menschen bevölkern sie, locken in einen absurd-komischen, verstörenden wie poetischen Klang-Raum, der gänzlich ohne interpretierende Worte auskommt. Barbara Frey war selbst Schlagzeugerin verschiedener Schweizer Bands und die Musik ist immer auch wesentlicher Bestandteil ihrer Theaterinszenierungen. So beispielsweise in ihrer gefeierten Produktion „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ von Witold Gombrowicz, die sie in der Schiffbauhalle inszenierte. Fritz Hauser spielt und arbeitet seit dem Stockholm International Percussion Event 1998 mit verschiedenen Perkussionssolisten und -ensembles auf der ganzen Welt. Er arbeitet aber auch spartenübergreifend, beispielsweise mit der Tänzerin und Choreografin Anna Huber oder dem Architekten Boa Baumann und entwickelt Kompositionen für Schlagzeugensembles und -solisten, Klanginstallationen (u.a. für die Therme Vals), Radiohörspiele und Musik zu Filmen und Lesungen.

„Barbara Frey schafft, mit Hilfe der präzisen Bühnenbildnerin Bettina Meyer und des fabelhaften Lichtmachers Rainer Küng, Hunderte Bilder, die auftauchen und wieder im Dunkel verschwinden und fast immer einen Abdruck hinterlassen, auf der Seele, in der Fantasie. Im Schiffbau des Schauspielhauses steht ein schwarzer Kasten, unten wohnt Fritz Hauser mit seinen vielen Gerätschaften, oben ist ein Zimmer mit einem grausam einsamen Bett. Breitet sich in diesem Raum zum ersten Mal ein trüber, scharf geschnittener Lichtkegel aus, sieht man eine Frau im roten Kleid auf dem Bett liegen. Allein. Unten, in einer Ecke weit vor dem Kasten, erhellt dann eine Strassenlaterne eine kleine Bank. Auf der sitzt Michael Maertens, wartend, verloren, den Rücken leicht gekrümmt.“ Süddeutsche Zeitung

„Barbara Frey und Fritz Hauser, die beide aus Basel stammen, arbeiten seit Jahren immer wieder zusammen. Zuletzt kreierten sie 2010 den Edgar-Allan-Poe-Abend „A Dream Within a Dream“. Für das aktuelle Projekt in der Schiffbau-Box haben die zwei Künstler sich nun von Edward Hoppers Gemälde „Hotel Room“ inspirieren lassen.“ sda

„Ein Bild von Edward Hopper wird von der Musik zum Leben erweckt.“ SRF 2

„Nachtstücke, Gemälde mit nächtlichen Szenen, romantische Musik oder auch E.T.A. Hoffmanns Erzählungen sind geläufig. Nun hat auch das Schauspielhaus sein „Nachtstück“, eins bei dem manches im Dunkeln bleibt, wo es zu rätseln, zu lachen und vor allem einmalig Eindrückliches zu sehen und zu hören gibt. Obwohl die vier Schauspielerinnen und Schauspieler stumm agieren – getrieben vom Puls einer vom Menschen dirigierten Maschine. Fritz Hauser, Perkussionist aus Basel, und Schauspielhausintendantin Barbara Frey veranstalten zum dritten Mal („Trommel mit Mann“ 2001; „A Dream Within a Dream“ 2010), gemeinsam ein aussergewöhnliches Theaterstück.“ seniorweb.ch

„Es gelingt Barbara Frey und ihrem achtköpfigen Ensemble dergestalt, wunderschön und wortlos eine Gratwanderung abzubilden, die ein Leben so darstellt. Dabei kann sich das Individuum noch so bemühen, die Aussenwelt und deren versteckte Absichten, können das bestmöglich Geplante mit einem Fingerzeig zunichtemachen. Die damit ausgelöste Klaviatur an Emotionen im Publikum entspricht nachgerade jener, die aus einer gelebten Realität sattsam bekannt ist und von der jede in Barbara Freys vorgegebenem Takt wie von alleine abgerufen wird. Ein Bewegungskonzert mit Ton.“ P.S.

„Vor einem schwarzen Kubus hat Bettina Meyer eine Strassenlaterne aufgepflanzt; auf der Sitzbank darunter warten Figuren. Worauf, das wissen sie wohl selber kaum – die Männer (Hans Kremer, Michael Maertens, Markus Scheumann, Milian Zerzawy) in ihren zum Verwechseln ähnlichen Anzügen, die Frauen (Chantal Le Moign, Dagna Litzenberger Vinet, Lisa-Katrina Mayer, Friederike Wagner) in ihren pastellfarbenen Kleidern mögen einander zwar scharf beobachten, doch obwohl es erotisch knistert, weichen sie sich im letzten Moment aus. Oder aber sie starren Löcher in die Luft, den Blick nach innen gewandt. Tagträumer kann man sie kaum nennen, denn sie sind nachts unterwegs, also eher Schlafwandler oder Traumfiguren samt Doppelgängern, in Endlosschlaufen Begebenheiten evozierend, die sich im Schummerlicht auflösen. Oben das Bett, herbeigeträumt aus Edward Hoppers „Hotel Room“; unten die Bank mit Statisten wie aus seinen Gemälden.“ NZZ

„Fritz Hauser setzt einen Puls, bricht ihn gelegentlich mit harschen, aber alles andere als freien Attacken, und gönnt sich darüber hinaus gerade mal ein Leitmotiv wie aus der Spieluhr. Nacht, Schlaf, Traum, die Figuren erwachen, wenn auch zunächst nur zu Standbildern. Barbara Frey hat die Bilder des Abends aus einem Gemälde von Edward Hopper entwickelt, nämlich aus „Hotel Room“ (1931), auf dem eine nicht ganz nackte Frau auf einem Bett sitzt, einen Brief oder Zettel in der Hand. Also sehen wir zwischen kurzen Blacks: eine Frau auf einem Bett, einen Mann auf der Sitzbank, eine Frau auf der Strasse oder einen Mann im Zimmer.“ Nachtkritik.de

„So unerwartet, wie das Licht im Hotelzimmer eingeschaltet wurde, so unerwartet erlischt es nach wenigen Sekunden auch wieder. Dafür leuchtet nun kurz eine Strassenlaterne auf und zeigt einen wartenden Mann. Daraufhin geht das Licht im Hotelzimmer wieder an: Der Liegende ist nun in Gesellschaft einer Frau. Später steht eine ganze Gruppe von Leuten ums Hotelbett herum. Dann, als das Licht einmal mehr angeknipst wird, liegt der Mann wiederum allein da, mit gefalteten Händen und Blumen auf der Brust. Und schliesslich ist das Hotelzimmer leer. Der Mann unter der Strassenlaterne wartet derweil noch immer. Diese Momentaufnahmen, die an Video-Stills erinnern, regen – genau wie die Gemälde Edward Hoppers – die Phantasie der Zuschauenden stark an. So beginnt man unweigerlich, die Hintergründe zu den einzelnen Bildern zu konstruieren und diese auch miteinander in Beziehung zu setzen.“ sda

„Erwartungsvoll und schon fast totenstill ist es im Publikum, bevor es ganz dunkel wird. Ein grauer Screen zeichnet sich schwach im Dunkeln ab, man hört den Stundenschlag einer kleinen Kirche. Elf – zwölf – dreizehn … über Mitternacht hinaus, die Glocke schlägt weiter und weiter. Im Zimmer oben geht Licht an, ein Mensch im Bett. Der pulsierende Klang setzt sich fort, das Licht geht aus und wieder an. Eine Figur steht vor dem Bett. Aus – an, präzis für Nächtliches eingerichtet von Rainer Küng. Der Mensch im Bett hat einen Blumenstrauss in den Händen auf der Decke. Ob das eine Totenwache ist? Flashes auch draussen, rechts vor dem grauen Screen. Draussen unter einer Strassenlaterne sitzt ein Mann auf einer Bank. Drinnen – draussen: wie Filmstills erstarrte Bewegung, Fraktale einer Geschichte, die in der Phantasie der Zuschauer ihren Ablauf sucht, perfekte Projektionsfläche für Assoziationen und reiner Genuss zum Schauen und Hören.“ seniorweb.ch

„Das Erdgeschoss im Kubus aber ist tatsächlich eine Art Maschinenraum, organischer ausgedrückt: das Herz des ganzen Abends. Denn dort, im Untergrund, ist der Ton-Alchimist Fritz Hauser am Werk – manchmal gibt ein Lichtschimmer seinen Umriss zu erkennen – und schafft jenes pulsierende Fluidum, das Raum und Zeit erfüllt, strukturiert, ja modelliert. Trommel und Becken, Tomtom und Tamtam, Triangel und Gong kommen zum Einsatz, und natürlich das Glockenspiel, dessen Spieldosenmotiv wie ein Riff durchs Halbdunkel echot.“ NZZ

„Ein eindrucksvoller Theaterabend. Ohne Worte. Sie fehlen keine Sekunde angesichts der zahlreichen Szenen, die für sich selbst sprechen. Geradezu eine Wohltat in einer Zeit, in der sich Verbal-Diarrhö einer Seuche gleich breit macht.“ theaterpur.net

„Barbara Frey findet mit der spartanischen Bühnenausstattung eines Schlafzimmers und einer Bank und der Strassenlaterne zig verschiedene Versionen, um lakonische Komik herstellen zu können. Darin erreicht sie surreal schöne Irritationen, wie sie Bilder von Rene Magritte verströmen, knüpft im Gegensatz aber auch an die Erdenschwere der Darstellung menschlichen Verlorenseins in der Einsamkeit von Christoph Marthaler an.“ P.S.

„Die acht Schauspielerinnen und Schauspieler, die „Nachtstück“ mitentwickelt haben, sagen während der gesamten rund 75-minütigen Aufführungsdauer kein Wort. Sie stossen in immer wieder neuen Konstellationen aufeinander – und bleiben einander doch stets fremd. Treffender lässt sich Einsamkeit kaum ausdrücken.“ Der Landbote

„Ausgehend von einem Bild Edward Hoppers – „Hotel Room“, das eine traurige Frau auf einem Bett zeigt, einen Brief in der Hand – ringt Frey dem Dunkel immer wieder neue, extrem präzise arrangierte Figurenkonstellationen ab. Traumbilder, surreal, und dann wieder Hopper-real: Man sieht sie kurz, unten und oben im Zimmer, in faszinierender Korrespondenz: wartende Menschen, einsame Menschen. Nicht immer allein – mal hält eine Frau die Hand eines Mannes, mal sitzen sie starr nebeneinander. Die Konstellationen verdichten sich, aus Sehnsucht entsteht Annäherung.“ Süddeutsche Zeitung

Schiffbau/Box

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