Die zehn Gebote

nach dem Filmzyklus „Dekalog“ von Krzysztof Kieślowski und Krzysztof Piesiewicz

in einer Bearbeitung von John von Düffel
Schweizerische Erstaufführung

Regie Karin Henkel / Bühne Stéphane Laimé / Kostüme Klaus Bruns / Musik Daniel Regenberg / Video Hannes Francke
Mit Hilke Altefrohne, Christian Baumbach, Gottfried Breitfuss, Jean Chaize, Carolin Conrad, Fritz Fenne, Nils Kahnwald, Rea Claudia Kost, Dagna Litzenberger Vinet, Lena Schwarz, Vreni Urech, Friederike Wagner, Milian Zerzawy

Schauspielerin Hilke Altefrohne
Christian Baumbach
Gottfried Breitfuss
Jean Chaize
Schauspielerin Carolin Conrad
Fritz Fenne
Nils Kahnwald
Schauspielerin Rea Claudia Kost
Schauspielerin Dagna Litzenberger Vinet
Schauspielerin Lena Schwarz
Schauspielerin Vreni Urech
Schauspielerin Friederike Wagner
Milian Zerzawy
Kinder Aurel Kuthy / Thierry Voigt
Musiker Marc Hemantha Hufschmid (Schlagzeug), Hipp Mathis (Bass)
Live-Kamera Hannes Francke
 
Regie Karin Henkel
Bühne Stéphane Laimé
Kostüme Klaus Bruns
Musik Daniel Regenberg
Video Hannes Francke
Licht Michel Güntert
Dramaturgie Stefanie Carp
Regie-/Dramaturgiemitarbeit Johan Hess
Regieassistenz Tobias Herzberg
Bühnenbildassistenz Dominik Freynschlag, Julius Florin
Kostümassistenz Noelle Brühwiler
Videoassistenz Daniel Fuchs
Dramaturgieassistenz Irina Müller
Produktionspraktikum Sebastian Henn, Jessica Baumgartner, Natalie Wallrapp
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Theaterpädagogik Janina Offner, Manuela Runge

Schiffbau/Halle
Premiere am 24. September 2015

Welche Gebote und Verbote bestimmen unser Leben? Auf welche Werte und Tabus gründet sich unsere Gesellschaft? Und in welche Widersprüche und moralischen Konflikte verstricken sie uns? Der Autorenfilmer Krzysztof Kieślowski hat in seinem legendären Werk „Dekalog“ zehn Filme zu den zehn Geboten realisiert – mal in sehr direktem Bezug, mal assoziativ und frei. Für ihre Inszenierung in der Schiffbauhalle entwickelt die Regisseurin Karin Henkel aus Kieślowskis Vorlage einen vielgestaltigen Themenpark um die zentralen Fragen von Schuld und Bestrafung, Glaube und Zweifel, Liebe und Tod, Besitz und Verlust, Sicherheit und Erschütterung. Das Publikum begegnet den Figuren und Geschichten auf einer Wanderung durch die inneren und äusseren Räume einer existenziellen Topografie, welche in den Räumlichkeiten der Schiffbauhalle eine eigene Realität gewinnt. Karin Henkel, 1970 in Köln geboren, arbeitet u.a. am Deutschen Schauspielhaus Hamburg, am Schauspiel Frankfurt und regelmässig am Schauspielhaus Zürich (sie inszenierte hier u.a. „Elektra“ in der Schiffbauhalle). Bereits fünf Mal wurden ihre Inszenierungen zum Berliner Theatertreffen eingeladen, darunter ihre Zürcher Produktion „Amphitryon und sein Doppelgänger“, die auch in der Kritikerumfrage der Zeitschrift „Theater heute“ zur Inszenierung des Jahres gewählt wurde. 2015 brachte sie am Schauspielhaus Zürich „Roberto Zucco“ auf die Bühne.

„Jeder, der diesen vierstündigen Theaterabend einmal besucht, wird nur sechs von zehn Episoden sehen können. Und es kann sein, dass Menschen, die sich über den Abend unterhalten, zwei ganz verschiedene Inszenierungen gesehen haben. Denn die Zuschauer werden in vier Gruppen geteilt und gruppenweise durch das Labyrinth aus einem halben Dutzend Spiel-Räumen zu „ihren“ Szenen geleitet.“ Deutschlandfunk

„Man sieht nicht alles. Die Zuschauer werden in vier Gruppen aufgeteilt und durch verschiedene Räume geführt. Am Anfang und am Schluss schauen alle das Gleiche, zwischendurch geht es in einzelne Stationen, die jeweils einer Erzählung entsprechen. In dem Parcours, den ich erlebt habe, war das zum Beispiel ein sehr beklemmender Krankensaal im Keller des Schiffbaus, eine recht naturalistische Wohnung auf der Hinterbühne, oder so etwas wie ein Heimkino, ein kleines Theater im Theater – das Setting ist sehr spannungsvoll, sehr vielschichtig, und auch sehr atmosphärisch.“ SRF 2

„Michelangelos muskulöser Christus ruft hier zum Jüngsten Gericht, und am Fuss der berühmten Altarwand der Sixtinischen Kapelle sitzen wir mickrig auf langen Armesünderbänken. Der französische Bühnenbildner Stéphane Laimé der Theaterbesucher grundsätzlich gern in Gemeindemitglieder verwandelt, macht aus der Schiffbau-Halle unsere Theaterkirche. Man lässt uns da hocken und aufstehen und herumgehen; nur niederknien tun wir bloss im Kopf – immer mal wieder. Man lässt uns in Musik hineinfallen, geistliche und rockige, klassische und poppige; und man wirft uns mit schwierigen Fragen wieder aus dem Schwelgen hinaus.“ Tages-Anzeiger

„„Die Zehn Gebote“ basiert auf der Filmreihe „Dekalog“ von Krzysztof Kieslowski, die zehn einstündige Filme umfasst. Kieslowskis Filme wie Henkels Inszenierung thematisieren, was uns als Gesellschaft zusammenhält, unser Zusammenleben und unser Überleben sichern soll. Die religiösen zehn Gebote selbst stehen stellvertretend für unsere Regeln; ethische, moralische oder ganz einfach Gesetze. Sie formen uns. Entfallen sie, stürzt alles ins Chaos. Bis es neue Regeln gibt. Doch drängt sich bei der aktuellen weltpolitischen Lage die Frage auf: Werden wir wirklich überleben?“ Die Südostschweiz

„Man fiebert mit, geht darin auf, verliert sich in Schicksalen – und will wiederkehren. Keine der Gruppen sieht nämlich alle Teile, ganz wie in der Wirklichkeit.“ NZZ

„Im Zürcher Schiffbau bringt die Regisseurin Karin Henkel Krzysztof Kieslowskis Filmzyklus „Dekalog“ auf die Bühne: ein Monsterparcours für Auge, Ohr, Kopf und Bauch.“ sda

„Gespielt wird in der grossen Schiffbau-Halle auf mehreren Bühnen. Das in vier Gruppen aufgeteilte Publikum wird auf einen Rundgang geschickt. Jede Gruppe, sinnigerweise nach den Buchstaben A, M, E und N eingeteilt, erlebt nur sechs der zehn Szenen.“ seniorweb.ch

„Ein andermal sitzen die Zuschauer in einem Grossraumbüro, jeder folgt vereinzelt vor seinem Bildschirm einem Monolog Zofias über Kopfhörer: eine absolut grossartige Szene! Denn die scharfe Abstraktion, die Brechung der Erinnerung übers Virtuelle steigert das Entsetzen. Die Ethikprofessorin erzählt davon, wie sie in den Nazijahren aus Feigheit einem kleinen jüdischen Mädchen nicht half, obwohl es ihr, zumindest im Rückblick, ein Leichtes gewesen wäre. Film 8 wurde auf diesen Monolog zusammengekürzt, was theatral ein voller Gewinn ist.“ Tages-Anzeiger

„Und schliesslich – Höhepunkt am Ende – konkretisiert sich das Töten. Nils Kahnwald, klein und kindlich, spielt Jacek, den Verwahrlosten, der ohne ersichtlichen Anlass einen Taxifahrer erdrosselte. Halb Raskolnikow, halb Woyzeck, rapportiert er die Tat unter dem Strang wie in Trance, derweil die Henker ihn ausziehen. Weisse gebügelte Hemden gegen Sträflingsanzug und Augen binde; eine letzte Zigarette, offeriert von Hilke Altefrohne im uniformen Staatskostüm. Noch einmal bäumt sich das Leben auf. Du sollst nicht töten – selten geht das Gebot unter die Haut wie an diesem mitreissenden Theaterabend.“ NZZ

„Als Höhepunkt werden wir Zeuge der Exekution durch den Strang eines jugendlichen, fast noch kindlichen Mörders, der ohne ersichtlichen Grund einen Taxichauffeur stranguliert und diese Tat wie in Trance rapportiert, derweil ihn die Henker zur Hinrichtung ausziehen.“ sda

„Die Zuschauer verfolgen den Französischlehrer bis in seine Wohnung, mit Wohn- und Schlafzimmer, Küchenzeile, Bad. Am Ende hören sie in der Kirche, wie der Mörder, manisch, gefährlich aus dem Glaskasten heraus gesteht, den Taxifahrer brutal erwürgt, erschlagen und erstickt zu haben (wieder grossartig: Nils Kahnwald). In diesen Momenten steht das Theater ebenbürtig neben dem Film, sich seiner Mittel voll bewusst, ein Rausch für die Zuschauer.“ Nachtkritik.de

„In der Gruppe N packt am meisten ein einfach gehaltenes Kammerspiel. Da ist ein geheimnisvoller Brief von der im Wochenbett verstorbenen Mutter an die Tochter. Zu öffnen nach seinem Tode – wünscht sich der Vater. Doch steht im Brief vielleicht, dass er am Ende gar nicht der biologische Vater ist? Die inzwischen 20-jährige Tochter wünscht es sich. Der Vater wünscht es sich heimlich auch. Die beiden lieben sich. Sollen sie den Brief öffnen? Das Dilemma entfaltet sich nach und nach, mit einigen überraschenden Wendungen. Überraschend ist auch, welchem Gesetz diese Geschichte zugeteilt ist: Du sollst Vater und Mutter ehren. Doch so ist das bei allen Episoden: Meist spielen mehrere Gebote mit rein. Jean Chaize und Dagna Litzenberger Vinet erweisen sich hierbei als hervorragende Schauspieler. In feinster Mimik spiegelt sich auf Chaizes Gesicht die Zerrissenheit zwischen Vatergefühlen und Begehren wieder.“ Aargauer Zeitung

„Karin Henkel hat mit diesem Zugriff auf Kieslowskis filmisches Meisterwerk seine Grundidee mit phantastischen Schauspielern in unsere Gegenwart fortgeschrieben – in intimen Nachbarschaftsgeschichten.“ Deutschlandfunk

„Grosses Lob verdienen die 13 Schauspieler, die den Kraftakt, mehrere Rollen auf verschiedenen Bühnen zu spielen, mit Bravour und grossem Körpereinsatz meistern. Allen voran Gottfried Breitfuss, der eine wahre Bandbreite als Hund, Arzt, Diakon und Rechtsanwalt bewältigt. Erwähnung verdienen auch die beiden Musiker Marc Hermantha Hufschmid und Hipp Mathis mit ihren rockigen Einlagen.“ seniorweb.ch

„Da die Bühnen nicht schalldicht isoliert sind und die dreizehn Schauspieler, am auffälligsten Friederike Wagner, Nils Kahnwald und Gottfried Breitfuss, ständig im Raum herumvagabundieren, bekommt man so einiges mit: Die demente Großmutter mit dem Teddybär kennen wir aus „Du sollst den Sabbat heiligen“, der Junge, der mit Unschuldsmiene das zerknitterte Foto seiner Schwester herumzeigt, ist der Taximörder aus dem „Kurzen Film über das Töten“.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Laut und leise wechseln sich ab. Stille herrscht im halbdunklen Hörsaal, bis via Kopfhörer Friederike Wagners qualvoller Monolog von jener Sechsjährigen berichtet, die vergeblich Zuflucht suchte vor den Nazis. Der Schmerz sprengt fast den Bildschirm, auf dem das sprechende Gesicht fahl wie der Tod erscheint.“ NZZ

„Stark, wie Carolin Conrad die knappen Szenen mit Dorotas Überforderung, ihrer Zerrissenheit, der Unfähigkeit zum existenziellen Richtungsentscheid auflädt. Sie presst dem Arzt eine Vorhersage ab. Ihr Mann wird sterben, schwört er widerwillig. Ein Fehlurteil. Aber eines, das ein Babyleben rettet.“ Basler Zeitung

„In der Geschichte von den Brüdern, die sich mit der Briefmarkensammlung ihres verstorbenen Vaters herumschlagen, brilliert der rollenbewegliche Gottfried Breitfuss auch noch als Hund. Überzeugend unter den Mehrfachrollenträgern auch etwa Christian Baumbach und Carolin Conrad.“ Südkurier

„Wieder im Anfangsraum mit den harten Bänken versammelt, wird die Hinrichtung des zum Tod verurteilten Jacek vollzogen. Jacek geisterte zuvor hilflos und verwirrt durch die Szenen und ermordete auf grausame Weise einen Taxifahrer. Der Tod der geliebten Schwester hatte Jacek zu seiner Tat getrieben. Es ist ein grossartiger Schluss, der unter die Haut geht. Eindrücklich, beklemmend, wie Nils Kahnwald als Jacek aus dem Glaskasten heraus detailliert schildert, wie er den Taxifahrer brutal gewürgt, erschlagen und erstickt hat.“ seniorweb.ch

„Wenn sich Lena Schwarz als verhühnerte Borderline-Blondine und Fritz Fenne als ihr umwölkter Ex-Geliebter im Disput vergessen, tritt eine reklamierende Nachbarin auf, deren neugieriger Blick en passant feststellt, alles sehe gleich aus wie bei ihr, ausser der blauen Badewanne. Die stilecht realsozialistische Wohnung mit gemusterter Tapete, Plattenspieler, gedecktem Esstisch und einem Doppelbett, in dem sichtlich nur eine Person geschlafen hat richtete der Bühnenbildner Stéphane Laimé ein.“ NZZ

„Die Szenen spielen mal in einer Blockbau-Wohnung, mal in einem Spital – es liegt im Keller –, mal in einem Computerraum. Zu Beginn, in der Mitte und zum Schluss trifft man sich in der Kirche. Alle Räume sind aufwendig mit viel Liebe zum Detail eingerichtet (Bühne: Stéphane Laimé). Schön ist auch, wie man an einem Ort Schauspieler vorbeihuschen sieht, die zu einem anderen Ort eilen.“ Aargauer Zeitung

„Die Architektur des Schiffbaus passt perfekt zum Stück. Das Bühnenbild in der grossen Halle, ein Kirchenschiff fügt sich ein als wäre es schon immer da gewesen. Abgebröckelter Putz an den Wänden, fahle Farben, kaputte Fensterscheiben ... Und schon verwandelt sich das hippe Zürich West von heute ins Warschau der späten Achtzigerjahre.“ Die Südostschweiz

„Dafür gab‘s am Premierenabend langanhaltenden Applaus und stehende Ovationen.“ seniorweb.ch

„Eine eindrückliche Aufführung des Ensembles, wie man sie in dieser Form noch kaum im Schiffbau sehen konnte und zugleich auch gefeierte Premiere für Stefanie Carp, die als Chef-Dramaturgin Christoph Marthalers nun nach einigen Jahren als freie Gast-Dramaturgin für den Dekalog ans Schauspielhaus Zürich zurückkehrt.“ literaturundkunst.net

„Nein, um Religion dreht sich dieser Abend nicht, obwohl er lauter unlösbare Fragen stellt. Sie reissen mit und sprengen das Theater – zu seinem und unserem Glück.“ NZZ

„Vier intensive Theater-Stunden, von denen sich jede Minute lohnt.“ SRF 2

„Ein ganz grosser Theaterabend. Denkanstösse statt moralischer Appelle. Es ist an der Zeit, unsere Werte neu zu überdenken, zu vertreten – und zu leben.“ Deutschlandfunk

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