Die schmutzigen Hände

von Jean-Paul Sartre

Regie Stefan Pucher / Bühne Barbara Ehnes / Kostüme Marysol del Castillo / Musik Christopher Uhe / Video Meika Dresenkamp
Mit Robert Hunger-Bühler, Jirka Zett, Isabelle Menke, Henrike Johanna Jörissen, Milian Zerzawy, Johannes Sima

Hoederer Robert Hunger-Bühler
Hugo Jirka Zett
Olga Isabelle Menke
Jessica Henrike Johanna Jörissen
Louis / Slick / Karsky Milian Zerzawy
Charles / George / der Prinz Johannes Sima
 
Regie Stefan Pucher
Bühne Barbara Ehnes
Kostüme Marysol del Castillo
Musik Christopher Uhe
Video Meika Dresenkamp
Videomitarbeit Heta Multanen
Licht Frank Bittermann
Dramaturgie Andreas Karlaganis
Regieassistenz Barbara Falter
Bühnenbildassistenz Dominik Freynschlag
Kostümassistenz Noelle Brühwiler
Dramaturgieassistenz Irina Müller
Regiehospitanz Lino Riboni
Kostümhospitanz Jana Zürcher
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Michael Durrer
Pfauen
Premiere am 13. Mai 2015
Unterstützt vom Zürcher Theaterverein

Ein fiktiver Balkanstaat namens Illyrien im Zweiten Weltkrieg. Der Staat wird von den Deutschen besetzt. Hugo, ein Bürgerssohn und verwöhnter Sprössling, hat noch nie mit seinen Händen gearbeitet. Er tritt der kommunistischen Partei bei, um sich über die Tat zu beweisen und „zu spüren, dass er lebt“. Sein Ideal: der Sieg der Ideen. Von der Parteileitung wird er beauftragt, Hoederer zu töten, der als Parteisekretär unter Verdacht steht, mit dem faschistischen Feind zu kooperieren. Gemeinsam mit seiner Freundin Jessica wird Hugo in die Zentrale der Macht geschleust, wo er auf seinen Gegner trifft. Doch statt zur Tat zu schreiten, gerät er in den Bann des charismatischen Anführers. Hoederer schliesst ein Zweckbündnis mit dem Feind, um „Menschenleben zu retten“, wie er behauptet. Liebt Hugo wiederum die Menschen oder zerstört er sie, wenn er für seine Prinzipien einsteht? Gehören Engagement und Empörung in die Welt der politischen Praxis? Erst als Hoederer Jessica verführt, schiesst Hugo – und versucht danach, die Tat als politisch zu legitimieren.

Sartre lieferte der Welt unmittelbar nach Ende des Zweiten Weltkriegs ein postheroisches Polit-Epos, welches auf die Fragen nach Richtig und Falsch keine Antworten gibt. Stattdessen geht es um den Preis der Macht und die Veränderbarkeit der Welt.

„Stefan Pucher betreibt viel Aufwand, um sich Sartre zu nähern. Er will sich ihm aussetzen mit dieser Inszenierung, seinen Debatten zwischen Siegen und Leben, zwischen dem Kampf für die Menschen und dem für die Ideen. Da ist Hoederer, der kommunistische Parteisekretär, der mit politischem Pragmatismus und Zwecklügen einhunderttausend Menschen das Leben retten will. Auf der andern Seite der kompromisslose Hugo, Bürgerssohn und Anhänger der reinen Parteilehre, der den Verräter beseitigen soll. Robert Hunger-Bühler spielt Hoederer mit abgebrühter Nonchalance; Jirka Zett einen Hugo, der ganz weich anmutet. Sie knallen sich ihre Werte um die Ohren, dass die vorschnell verteilten Zuschauersympathien ins Taumeln geraten – natürlich sind wir für die Notlüge und gegen das blutige Prinzip. Allein dieser kläffende Hoederer ist dermassen von sich eingenommen, dieser verbohrte Hugo von einer solch puren Klarheit angetrieben, dass sich Sartres Fragen hier auf der Bühne vielleicht noch einmal von neuem stellen könnten. Und vielleicht könnte man sie in einer Zeit, in der junge Menschen aus Orientierungslosigkeit zu Mördern werden und das Lügen, durchaus nicht aus Not, zum politischen Tagesgeschäft gehört, auch wirklich noch einmal neu betrachten.“ NZZ

„Denn gerade dadurch, dass Pucher seinen Sartre hübsch im Museum platziert, ermöglicht er ruhiges Nachdenken über Fragen, die – ohne verzweifelte Aktualisierung – auf einmal rasend aktuell erscheinen. Plötzlich erinnert man sich nicht nur an die alten Streitigkeiten zwischen grünen Realos und Fundis oder an den neuen radikalislamischen Irrsinn, sondern auch an Joachim Gaucks Rede von letztem Jahr: Wer handelt, macht sich schuldig; wer nicht handelt, auch.“ Tages-Anzeiger

„Stefan Puchers Inszenierung am Zürcher Schauspielhaus trägt die Züge eines Multispektakels mit zahlreichen Video- und Musikeinlagen.“ seniorweb.ch

„Der verbale Wettstreit der Argumente etwa zwischen Robert Hunger-Bühler als Hoederer und Jirka Zett als Hugo, bei dem Hugo zum Schluss seine Version beinahe zu kippen bereit ist, den Sprung über den eigenen Schatten aber dann trotzdem nicht wagt, ist als Text wie als Szene auf der Pfauenbühne dermassen stark und im Alter regelrecht universell, dass er einem dabei eine Spur Hühnerhaut den Rücken hochjagt. Isabelle Menke als Hardcoredogmatikerin Olga wiewohl Henrike Johanna Jörissen als gutmeinendes, aber naives, weibliches Beiwerk sind besetzt, wie man sich das trefflicher nicht vorstellen könnte.“ P.S.

Es sind versierte Schauspieler am Werk in Zürich, neben Robert Hunger-Bühler und Jirka Zett namentlich auch Isabelle Menke als eisumgürtelte Ideologin und Henrike Johanna Jörissen in der Rolle von Hugos junger Frau Jessica, die Bewegung in die starren Fronten bringen will.“ NZZ

„Henrike Johanna Jörissen ist die lebhafteste Figur in diesem Drama der Gedanken, hart konkurrenziert von den beiden Leibwächtern Slick und Georges, die Sartre shakespearehaft als Narren angelegt hat und die Milan Zerzawy und Johannes Sima zwei ihrer sechs Rollen bieten.“ Nachtkritik.de

„Robert Hunger-Bühler spielt einen exzellenten Hoederer. Man spürt bei ihm förmlich die fahrlässige Eleganz eines Gedankenspielers und Taktikers, der nicht davor zurückschreckt, die eigene Haut aufs Spiel zu setzen. Jirka Zett verkörpert den von Hoederer geistig und emotional in Bann gezogenen Hugo, der den „Auftrag“ weiter und weiter hinauszögert und selber unter Verratsverdacht gerät, ambivalent. Er muss sich permanent neu ordnen, spielt mal das idealistische und ideologisch verbrämte Bürgersöhnchen, mal den dankbaren und kompromissbereiten Hoederer-Musterschüler. Zu gefallen weiss Henrike Johanne Jörissen als verführerische Jessica, die das intellektuelle Geplänkel der Helden um die richtige Ideologie mit ihrem erotischen und selbstbewussten Gehabe wunderbar unterläuft.“ seniorweb.ch

„Einen Sog entwickelt das Bühnenbild von Barbara Ehnes, das Schicht um Schicht immer weiter nach innen führt. Das Drama beginnt vor dem Vorhang, der hier eine Leinwand ist, und dringt schliesslich durch mehrere Räume bis weit nach hinten in eine kleine Küche, wo Jessica das gemeinsame Geheimnis verrät und Hoederer vor ihrem Mann warnt.“ Aargauer Zeitung

„Stefan Pucher gibt dem packenden Pingpong zwischen Hugo und Hoederer eine historische Patina.“ Tages-Anzeiger

„Es ist das Verdienst von Stefan Puchers Regie, dass er Sartres dialektisches Wechselspiel ganz genau herausarbeitet, es aus zeitgenössischer Anschauung zu stützen versucht und ihm neugierig folgt, immer mit dem Blick auf Sartres finale These, dass der Mensch nichts ist, als was er aus sich macht; wie er sich entscheidet und wie er dafür die Verantwortung übernimmt.“ NZZ

„Schlicht grandios!“ P.S.

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