Kasimir und Karoline

von Ödön von Horváth

Regie Barbara Weber / Bühne Patrick Bannwart / Kostüme Sara Giancane / Musik Karsten Riedel
Mit Christian Baumbach, Marie Rosa Tietjen, Henrike Johanna Jörissen, Michael von Burg, Claudius Körber, André Willmund, Lukas Holzhausen, Siggi Schwientek, Sofia Elena Borsani, Lisa-Katrina Mayer

Kasimir Christian Baumbach
Karoline Marie Rosa Tietjen
Erna Henrike Johanna Jörissen
Rauch Michael von Burg
Speer Claudius Körber
Merkl Franz André Willmund
Schürzinger Lukas Holzhausen
Ein merkwürdiger Schutzengel Siggi Schwientek
Elli Sofia Elena Borsani
Maria Lisa-Katrina Mayer
Musiker Karsten Riedel
 
Regie Barbara Weber
Bühne Patrick Bannwart
Kostüme Sara Giancane
Musik Karsten Riedel
Licht Frank Bittermann
Dramaturgie Gwendolyne Melchinger
Dramaturgische Beratung Carl Hegemann
Regieassistenz Barbara Falter
Bühnenbildassistenz Regula Zuber
Kostümassistenz Mitra Karimi
Regiehospitanz Lino Riboni
Souffleuse Gabriele Seifert
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Theaterpädagogik Janina Offner
Pfauen
Premiere am 21. März 2015

„Ohne Geld bist halt der letzte Hund“, stellt Kasimir fest. Er, ehemals Chauffeur, wurde abgebaut. Seine Verlobte Karoline will sich dennoch amüsieren. Auf dem Oktoberfest. Dort treffen Kleinbürger, Kleinkriminelle und Kapitalisten aufeinander: Menschen, die den Halt verloren haben und mit dem Leben nicht mehr zurechtkommen; die auf der Flucht vor einem immergrauen, schlecht gelaunten Alltag in eine grellbunte, ausgelassene Vergnügungswelt sind. Glücklich ist, wer vergisst oder vergessen kann. Denn während alle dem Zeppelin am Himmel zujubeln, sieht Kasimir pessimistisch in die Zukunft. Karoline will davon nichts wissen und lässt sich vom Zuschneider Schürzinger zur Achterbahnfahrt einladen. So verlieren die beiden Liebenden einander und sich selbst zwischen Kirmes, Lebkuchenherzen und Bierseeligkeit – Karoline als Wiesenbraut mit dem Wunsch nach etwas Höherem und Kasimir durch seinen Freund, den Merkl Franz, der ihn in kriminelle Machenschaften verwickelt, aus denen er nur mit viel Glück entkommt. Ödön von Horváths Volksstück entstand 1931/32 vor dem Hintergrund der Massenarbeitslosigkeit. Seine – wie er sie nannte – „Ballade von stiller Trauer, gemildert durch Humor“ ist ein Theater des barmherzigen Vergessens – und der unbarmherzigen Erinnerung.

„Barbara Weber befreit Ödön von Horváths „Kasimir und Karoline“ aus dem Würgegriff des Schicksalsglaubens.“ Tages-Anzeiger

„Die Regisseurin Barbara Weber, frühere Neumarkt-Intendantin, hat für Ödön von Horváths 1932 uraufgeführtes Volksstück eine trostlose Nach-Party-Atmosphäre geschaffen. Die Bühne (Patrick Bannwart) ist übersät mit Abfall; von der Decke hängen silberne Glitzerfäden herunter. Eine Strassenlaterne taucht die Szenerie in grelles Licht. Durch dieses nächtlich-triste Ambiente stolpern Horváths Figuren: der gutmütige, desillusionierte Kasimir (Christian Baumbach), seine Verlobte Karoline, eine Büroangestellte mit gesellschaftlichen Ambitionen (Marie Rosa Tietjen) und Schürzinger, ein dubioser Zuschneider, der mit Karoline anbandelt (Lukas Holzhausen). Ebenfalls mit von der spätabendlichen Wiesn-Partie sind der Kriminelle Merkl Franz (André Willmund), seine Gefährtin Erna mit ihren eingefroren-lasziven Posen (Henrike Johanna Jörissen) und die beiden alten Lüstlinge Kommerzienrat Rauch (Michael von Burg) und Landgerichtsdirektor Speer (Claudius Körber).“ Neue Luzerner Zeitung

„Barbara Weber, bis vor kurzem Co-Leiterin des Neumarkt-Theaters, hat das Stück für die Pfauen-Bühne inszeniert: nicht ganz so drastisch wie seinerzeit Christoph Marthaler, aber nicht minder poetisch. Die von Patrick Bannwart gestaltete Bühne bietet funkelnd und blinkend den idealen Schauplatz für dieses Theater der Illusionen, Verblendungen und falschen Hoffnungen. Gleichzeitig lässt sein Talmi-Glanz die Schäbigkeit der Figuren nur umso schmerzlicher zum Vorschein kommen. Karoline (Marie Rosa Tietjen) ist nicht hübsch, Kasimir (Christian Brambach) nicht stattlich, Lukas Holzhausens Schürzinger kein wirklicher Filou und André Willmunds Merkl Franz auch als Ganove noch ein Versager. Und selbst die sog. Honoratioren Rauch (Michael von Burg) und Speer (Claudius Körber) sind nichts weiter als dumpfe Spiesser, die sich auf Grund ihrer gesellschaftlichen Stellung für etwas Besseres halten. Einzig Siggi Schwientek vermittelt in der Rolle als rührend besorgter „Schutzengel“ eine leise Ahnung davon, wie wahre Menschlichkeit aussehen könnte.“ journal21.ch

„Zu Beginn des Stücks überfliegt ein Zeppelin die Festgesellschaft: eine Art Mirakel, das Inbild der Wünsche und Träume dieser drangsalierten Menschlein hienieden, deren Alltag gemeine Geldnöte bestimmen. In Zürich ertönt ein ohrenbetäubendes Brummen, bedrohlich und beängstigend. Statt sich zu recken und zu strecken nach dem hoffnungsverheissenden Wunderding, geht man also besser in Deckung, bis der Krach verebbt.“ NZZ

„Marie Rosa Tietjen hebt in ihren Sätzen mit einer solchen Klarheit die „Vielleichts“ und „Eventuells“ hervor, mit denen Horváths Karoline deutlich macht, dass alles möglich wäre: die Liebe, das gelungene Leben – oder zumindest der perfekte Tag, von dem der Musiker Karsten Riedel auf der Bühne einmal singt.“ Tages-Anzeiger

„Marie Rosa Tietjen ist als Karoline fantastisch schillernd: Ein unbefangenes Kindergesicht mit Frauenkörper, in dem es zuckt. Das Supertalent dominiert bei jedem Auftritt die Spielfläche, beeindruckt mit gestalterischer und emotionaler Beweglichkeit, erfrischt mit untypischen Klangfarben, die direkt treffen.“ Nachtkritik.de

„Ja, die Zeiten sind so schlecht, dass sogar der Schutzengel (Siggi Schwientek) den Glauben ans Gute verloren hat. Wenn er einsam auf der Bühne sitzt und Offenbachs berühmte „Barcarolle“ singt, so ist das abgrundtief traurig. Und mit diesem Gefühl verlässt man denn auch die vom Premierenpublikum bejubelte Aufführung.“ Der Landbote

„Barbara Weber hatte am Schauspielhaus Zürich nicht den Ehrgeiz, Ödön von Horváths viel gespieltes Stück aus der Endzeit der Weimarer Republik neu zu erfinden. Sie nimmt den Text ernst.“ faustkultur.de

„Ein eigentliches Reich der Möglichkeiten wäre dieses Leben. Dass das niemand wahrhaben will, ist die eigentliche Tragödie – auch an diesem Abend, der eigentlich „Karoline und die Kontingenz“ heissen müsste, weil er das Versprechen in sich birgt, dass alles anders möglich wäre, wenn man sich nur gemeinsam darauf verständigen würde. Das meint das Wort Kontingenz – und das ist der eigentliche Kern von Ödon von Horváths Stück, den Karoline mit ihren „Vielleichts“ und „Eventuells“ deutlich macht. Dass Barbara Weber mit ihrer Inszenierung diese Lesart ermöglicht, ist ein grosser Wurf. Keine Frage.“ Tages-Anzeiger

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