Roberto Zucco

von Bernard-Marie Koltès

Aus dem Französischen von Simon Werle

Regie Karin Henkel / Bühne Stéphane Laimé / Kostüme Klaus Bruns / Musikalische Leitung Tomek Kolczynski
Mit Jirka Zett, Lena Schwarz, Lisa-Katrina Mayer, Friederike Wagner, Alexander Maria Schmidt, Fritz Fenne, Jean Chaize

Roberto Zucco Jirka Zett
Seine Mutter / Die Dame / Die Patronne / Die Nutte Lena Schwarz
Das Mädchen Lisa-Katrina Mayer
Ihre Schwester Friederike Wagner
Ihr Bruder Alexander Maria Schmidt
Der Inspektor / Der Junge Fritz Fenne
Der Herr Jean Chaize
 
Regie Karin Henkel
Bühne Stéphane Laimé
Kostüme Klaus Bruns
Musikalische Leitung Tomek Kolczynski
Licht Frank Bittermann
Dramaturgie Malte Ubenauf
Regieassistenz Hans-Christian Hasselmann
Bühnenbildassistenz Regula Zuber
Kostümassistenz Noelle Brühwiler
Dramaturgieassistenz Irina Müller
Praktikum Regie Valeria Popp
Praktikum Musik Janos Mijnssen
Bühnenbildhospitanz Dominique Lanz
Souffleuse Katja Weppler
Inspizienz Michael Durrer
Pfauen
Premiere am 15. Januar 2015

In „Roberto Zucco“ erzählt der französische Dramatiker Bernard-Marie Koltès die Geschichte eines mehrfachen Mörders, der auf irritierende Weise – fast nebenbei – andere Menschenleben auslöscht. In einer ebenso knappen wie poetischen Sprache überhöht er den Gewaltverbrecher zur mythischen Figur in einem zerbrechlichen Kosmos, in dem Gewalt zum Kommunikationsmittel wird. Zucco scheint weder ein Motiv noch das Bewusstsein für Schuld zu haben – ist „nicht Räuber noch Rächer“ – sein Morden bleibt ein Rätsel. Der reale Kriminalfall um den italienischen Mörder und Gewaltverbrecher Roberto Succo war es, der Koltès zu diesem Stück inspirierte. Selbst Sohn eines Kriminalbeamten, hatte Succo kaltblütig mindestens sechs Menschen getötet, darunter seine eigenen Eltern, war aus der Psychiatrie geflohen und hatte sich schliesslich nach seiner Festnahme das Leben genommen.
Karin Henkel, deren letzte Zürcher Inszenierung „Amphitryon und sein Doppelgänger“ zum Berliner Theatertreffen eingeladen wurde, bringt die Geschichte dieses Mörders auf die Pfauenbühne.

„Karin Henkel spult im Zürcher Schauspielhaus Bernard-Marie Koltès dunkles Stationendrama „Roberto Zucco“ vor und zurück – und schafft dabei ein bewegendes Still von unserer Verlorenheit.“ Tages-Anzeiger

„Das ist brutales, eindringliches und gescheites Theater.“ SRF 1

„Für Koltès, der 1989, noch vor der Uraufführung, starb, war Succo ein Ästhet auf reiner Bahn und, als Mörder ohne Motiv, ein mythisches Urbild. Henkel aber, die uns mit ihrer „Elektra“ ins Herz traf und mit ihrem „Amphitryon“ auch die Jury des Titels „Inszenierung des Jahres“ betörte, holt aus den mythischen Urbildern stets ohne falsches Pathos das Menschliche und Allzu-Menschliche heraus.“ Der Bund

„Scharf schneidet Karin Henkel die Szenen aus der schwarzen Bühnentiefe heraus, hart ziseliert, die ganze mörderische Serie: Vater, Mutter, das Mädchen, der Inspektor, die Dame, das Kind. Die Szenen überblenden sich, gehen auf der Drehbühne ineinander über, und sind kontrapunktiert von archaisch anmutenden Grablegungsszenen mit verschleierten Klageweibern und immer wieder dem verzweifelten Eingangschor aus Bachs h-Moll-Messe: „Kyrie eleison“, Herr, erbarme dich. Pathetisch ist das nicht, dazu ist es zu abstrakt, und zu präzis. Es sind überhaupt die allereindringlichsten Momente an diesem insgesamt enorm dichten, klugen Abend. Im Rücklauf sind die Szenen konkreter ausgespielt, nun in einem verwahrlosten Fabrikraum mit Fahndungsbildern an den Wänden und Plakaten für "Das grosse Fressen" (Stéphane Laimé). Die Gewalt wird explizit; schlagartig bricht sie herein. Die Figuren bekommen Geschichten: der traurige Inspektor von Fritz Fenne; das überrumpelte Mädchen bei Lisa-Katrina Mayer, namentlich Lena Schwarz, ist ganz gross als tragische Mutter, lebenshungrige Nutte, verstörte Dame.“ Nachtkritik.de

„Zuccos Mörderkarriere wird auf der Drehbühne zum schnell ineinandergeschnittenen Szenenkarussell. Im ersten Durchlauf ist Zucco der grosse Abwesende, die nur stimmlich präsente Leerstelle, die Spieler und Publikum selber imaginieren müssen. Die Morde werden nur angedeutet, die Mutter sinkt wie von eigener Hand erwürgt zu Boden. Dieser erste Teil wirkt mit all den Gestalten im Trauerflor wie ein grosses Requiem – mit einem Schuss Almodóvar, wenn Minas Mega-Hit „Un anno d'amore“ erklingt, opernhaft und ironisch-sakral überhöht, wenn zu Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe das ganze Ensemble mit offenen Mündern erstarrt (Kostüme Klaus Bruns).“ NZZ

„Warum ist das Böse bös? Wer wollte sich anmassen, die Frage zu beantworten? Karin Henkel und ihre Inszenierung sind zu klug dafür.“ Thurgauer Zeitung

„Einen Löwinnenanteil übernimmt Lena Schwarz in ihrer Vierfachrolle als Mutter, Dame, Patronne und Nutte, wandelbar bis in die Körperform von schlank bis mollig. Lisa-Katrina Mayer überzeugt als Mädchen in ihrer stimmigen Mischung von neugieriger Unschuld und hartnäckigem Trotz. Und fassbar in seiner Unfassbarkeit wird erst in diesem Rückwärtslauf Jirka Zett als Zucco. Er hat die Sanftheit eines stillen Fanatikers. Überkontrolliert mit kleinen Aussetzern. Der fleissige Sorbonne-Student, der sich auf die Linguistik-Vorlesung freut. Eigentlich ist er, wären da nicht die Morde, die normalste Figur von allen. Am Schluss tritt er an die Rampe, ganz ohne mythischen Sonnengott-Firlefanz. Als wäre er ein ganz sympathischer junger Mann.“ NZZ

„Und die Bühne dreht und dreht sich in ihrer Black Box (gebaut vom vielfach preisgekrönten Bühnenbildner Stéphane Laimé), und daraus entsteht ein bewegtes und bewegendes Still unserer aller Orientierungslosigkeit. Mal ist der frisch aufgeworfene Grabhügel vorn, mal der kahle Küchentisch, mal das Hurenbett und mal die Mörderwanne – aber immer, immer die Verzweiflung am Leben und die Angst vor dem Tod. Der geht um, ist blond und schön und doch so farblos, dass er allerorts durchrutscht. Jirka Zetts Zucco würgt es für alle heraus: „Ich will nicht sterben, ich werde sterben.“ Das ist sein Mantra, das Mantra jedes Menschen. Und für diesen grossen Schrecken in den kleinen Leben scheint sich Henkel zum Glück mehr zu interessieren als für die Schönheit der motivlosen Tat oder das Faszinosum des Bösen.“ Tages-Anzeiger

Pfauen

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