Yvonne, die Burgunderprinzessin

von Witold Gombrowicz

Deutsch von Heinrich Kunstmann

Regie Barbara Frey / Bühne Bettina Meyer / Kostüme Esther Geremus / Musikalische Leitung Iñigo Giner Miranda
Mit Gottfried Breitfuss, Rainer Bock, Markus Scheumann, Michael Maertens, Hans Kremer, Claudius Körber, André Willmund, Siggi Schwientek, Julian Boine, Steffen Link, Iñigo Giner Miranda

Yvonne Gottfried Breitfuss
König Ignaz Rainer Bock
Königin Margarethe Markus Scheumann
Prinz Philipp, Thronfolger Michael Maertens
Kammerherr Hans Kremer
Isa, eine Hofdame Claudius Körber
Cyryll, ein Freund des Prinzen André Willmund
Die Tante Yvonnes / Innozenz, ein Höfling Siggi Schwientek
Hofdame Julian Boine
Hofdame Steffen Link
Valentin, ein Diener / Piano Iñigo Giner Miranda
 
Regie Barbara Frey
Bühne Bettina Meyer
Kostüme Esther Geremus
Kostümmitarbeit Lejla Ganic
Musikalische Leitung Iñigo Giner Miranda
Licht Rainer Küng
Dramaturgie Andreas Karlaganis
Regieassistenz Barbara Falter
Bühnenbildassistenz Marie-Luce Theis
Kostümassistenz Selina Tholl
Souffleuse Gabriele Seifert
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Schiffbau/Halle
Premiere am 10. Januar 2015
Unterstützt von Credit Suisse

„Yvonne, die Burgunderprinzessin“ kreist um die unerträgliche Rätselhaftigkeit des Begehrens. Am weltmännischen Hof von König Ignaz taucht Yvonne auf, ein schweigendes Mädchen. Sie verliebt sich in Prinz Philipp, den Thronfolger: „Yvonne ist latschig, apathisch, schwächlich, schüchtern, langweilig und ängstlich. Philipp kann sie vom ersten Augenblick an nicht ausstehen, sie enerviert ihn zu sehr; aber zugleich kann er auch nicht ausstehen, dass er Yvonne hassen muss. Ich werde mich dem nicht unterwerfen, ich werde sie lieben! – schleudert er seiner Natur die Herausforderung entgegen. Yvonne, am königlichen Hof eingeführt als Verlobte des Prinzen, wird zu einem zersetzenden Faktor. Die stumme, verschüchterte Gegenwart ihrer mannigfaltigen Defekte verursacht, dass jedem seine eigenen Mängel, Schmutzigkeiten und kleinen Sünden zu Bewusstsein kommen und bald verwandelt sich der Hof zu einer Brutstätte von Ungeheuerlichkeiten. Und jedes dieser Ungeheuer, einschliesslich des Prinzen, beginnt vor Begierde zu brennen, diese unausstehliche Zimperliese zu ermorden.“ (Witold Gombrowicz)

Der polnische Dichter Witold Gombrowicz gehört zu den grossen Aussenseitern und Provokateuren der Weltliteratur. Erst Jahrzehnte nach der Entstehung trat sein Stück „Yvonne“ den Siegeszug um die Welt an. Barbara Frey inszeniert Gombrowiczs Theaterdebut nun im Schiffbau in einer reinen Männerbesetzung.

„„Yvonne, die Burgunderprinzessin“, entstanden 1935, aber erst 1957 in Krakau uraufgeführt, ist eine raffinierte Groteske über Macht und Willkür des Begehrens, die Knechtschaften der Konvention, die Untiefen der Geschlechterverhältnisse und die toten Hinterhöfe der Seelen. Jeder hier hat Angst, jeder ist erpressbar, jeder hat ein schreckliches Geheimnis und seien es nur schlechte Gedichte oder künstliche Schneidezähne.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Um die Künstlichkeit zu unterstreichen, besetzt Barbara Frey alle Rollen mit Männern ein Augenzwinkern in Richtung Shakespeare (dessen Theater ohne weibliche Schauspieler auskommen musste) und ein Spektakel für sich. Denn an der Seite von Rainer Bocks immer leicht schlampig-verschwitztem König Ignaz stolziert bei Einzug des Hofs Markus Scheumann als Königin Margarethe, den Gemahl dank einer turmhohen Marie-Antoinette-Frisur weit überragend. Schwarzer Samt umschliesst eng den busenlosen Körper; ein Taftbausch umrauscht die Trippelschritte, wenn Scheumanns Königin jeweils mit erhobenem Kinn und rudernden Armen den Raum durchpflügt. Ein Gaudi, von den Hofdamen selbdritt (Claudius Körber, Julian Boine, Steffen Link) orchestriert, die jeweils auf hohen Pumps in höchst unweiblichem Stechschritt anmarschieren. Tragisch ist nur die Hauptfigur. Im luftigen, hellen Hängerkleidchen (Kostüme Esther Geremus), das Yvonne als trostloses Inbild von rührend-lächerlicher Altweiber-Kindlichkeit erscheinen lässt, steht Breitfuss da, schiefe Schultern, heruntergezogene Mundwinkel: ein absoluter Fremdkörper, ein Kloss des Anstosses.“ NZZ

„Elf spielstarke Männer und eine tolle Regisseurin und Intendantin: Sie haben Witold Gombrowiczs Komödie „Yvonne, die Burgunderprinzessin“ in den Schiffbau hineingelacht – und uns dabei zahlreiche Spiegel vorgehalten.“ Tages-Anzeiger

„Gombrowicz' Yvonne, immerhin vor bald hundert Jahren entstanden, zeigt sich in dieser Inszenierung frappierend gegenwartsnah. Der Text rast, Barbara Frey und ihre Truppe folgen ihm pointiert, und spielen ihn aus, in zahllosen kostbaren Details. Hier ist ein tolles Stück toll gespielt neu zu entdecken.“ SRF 2

„Die Weglosigkeit gehört zu Gombrowicz' Geschichte, nirgends passte er so genau hin, das Dazwischen war seine Heimat – im Leben und auch in seiner Literatur. Barbara Frey hat nun seiner Burgunderprinzessin im Schiffbau einen grandiosen Raum bereitet. Auf der Bühne von Bettina Meyer – ein langer Saal mit Vorhängen, Kristalllampen, Drehsesseln, goldenen Stühlen, einer Liege, acht Spiegeln – kann sich die Geschichte auf alle Seiten entfalten. Das Publikum, das durch einen schwarz ausgekleideten Gang in diesen Saal hineingeführt wird, ist selber von Yvonne gefangen. So war es an der Premiere am Samstag, so wird es bei jeder Vorstellung sein. Denn Yvonne nimmt uns für sich ein, in ihrer ganzen Erscheinung, zusammen mit dem ganzen Ensemble.“ Der Landbote

„Das fantastische Männerensemble macht aus der grotesken Geschichte um den verträumt-verstockten Störfall Yvonne ein Ereignis.“ sda

„„Yvonne, die Burgunderprinzessin“ ist ein grandioses Stück Theater, zum Lachen und zum die Zähne zusammenbeissen. Regisseurin Barbara Frey hat dafür am Schauspielhaus ein absolut erstklassiges Schauspielerensemble, hochgradig komödiantisch und geradezu beängstigend mit allen Registern der Blödheit ausgestattet; dazu ausnehmend musikalisch.“ SRF 2

„Nicht nur Yvonne, sondern auch alle anderen Frauenrollen werden von Männern verkörpert, High Heels und Etuikleid inbegriffen. Markus Scheumann trägt als Königin Margarethe eine enganliegende Robe mit Schleppe, dazu einen halbmeterhohen weissen Haarturm, der aussieht, als habe es Ridley Scotts Alien ins Rokoko verschlagen. Mit seitwärts ausgestelltem Becken schiebt Margarethe über die Bühne wie eine Königskobra mit Hüftleiden, immer auf der Hut vor Hans Kremers musikalischem Mephisto, der jede Gelegenheit nutzt, den Chor der drei Hofdamen zu dirigieren: ein Bigotteriegeschwader, das Hand in Hand über die Bühne rauscht wie Kampfflugzeuge. Bei Gombrowicz tauchen sie Yvonne einfach nur in Gelächter, Barbara Frey lässt sie hingegen eine furiose Hahaha-Arie singen, aus der Hass, Häme, Missgunst und nackte Mordlust hervorfunkeln. Von Faure, Elgar, Britten, Janacek und Grieg sind die Stücke, mit denen Iñigo Giner Miranda am Flügel auf der Galerie das Geschehen unten auf der Bühne äusserst effektvoll begleitet. Wenn Claudius Körber als Hofdame Isa den Prinzen verführt, singt er dazu, als sei allein Musik der Liebe Nahrung und Burgund ein Märchenort in einer Oper von Purcell. Je länger der knapp zweistündige Abend währt, desto dichter wird die Atmosphäre. Die Schauspieler sind glänzend aufgelegt, die Gefahr, dass die Travestie ins Lächerliche abgleitet, bleibt weitgehend gebannt, neben urkomische treten beklemmende Momente und bezwingende Bilder.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Die Regisseurin lässt das Frauenschicksal von einem elfköpfigen Männer-Ensemble erzählen. Und klirrender kann man das Ding kaum ins Künstliche heben. Vom romantischen Königsmärchen sind gerade mal die Roben übrig: das goldene Festkleid der Königin (wunderbar abgemessen metrosexuell und wunderbar unangemessen verzweifelnd: Markus Scheumann) oder der weisse Pelz um die Schultern des jungen Prinzen – der grossartige Michael Maertens darf über sein komisches Talent hinausspielen und sich mit geweiteten Augen in einen narzisstischen Wahnsinn hineinstarren, der so recht aus unserer Zeit zu stammen scheint. Und nicht zuletzt die güldene Schärpe von König Ignaz, dessen Güte erst ans Gleichgültig-Schnoddrige zu grenzen scheint und doch ein geiles, gewalttätiges Gemüt kaschiert – bravourös als bürokratenhengstianischer Charakter: Rainer Bock.“ Tages-Anzeiger

„Das bitterböse Märchen schnurrt unter Barbara Freys Regie pointensicher wie ein Comicstrip ab, perfekt getimt, witzig choreografiert und musikalisch veredelt.“ NZZ

„Intendantin Barbara Frey besetzt im Schiffbau Zürich alle Rollen mit Männern. In diesem Spiel der Irritation ein guter Zug. Erfreulich ist, dass die Schauspieler in „Yvonne“ nicht übertuntig agieren, sondern den Frauenrollen die Ernsthaftigkeit zuspielen, die ihnen gebührt. Auch wenn es viel zu lachen gibt und sowohl die Königin als auch die Hofdamen herrlich überdrehen. Auf der breiten, zweistöckigen Bühne in Königsblau (Bettina Meyer) überragt einer im weissen Kleidchen alle, indem er im Wesentlichen nicht mehr tut als auf- und abtreten und die Mundwinkel hängen lassen. Gottfried Breitfuss verleiht der künstlichen Versuchsanordnung des Autors zwingende Wahrhaftigkeit. Auch im Publikum ist man hin- und hergerissen angesichts dieser Yvonne, die einen müde anstarrt. Sie löst Mitleid aus, wie sie vorgeführt wird, Bewunderung, weil sie aus dem Nichts Angst auslöst. Und Abscheu, wie sie sich erdreistet, nichts zu alldem zu sagen. Breitfuss zieht das durch. Erst nach vielen Minuten Applaus lässt auch er die Maske fallen und lässt ein Lächeln über sein Gesicht huschen. Es ist sein Abend.“ Berner Zeitung

„„Yvonne“ sieht aus wie ein Kind von drei Vätern: Jarry, Ionesco und Beckett (bei jeder neuen Fassung hat Gombrowicz seiner Heldin noch mehr Sätze gestrichen). In Barbara Frey hat es eine Mutter gefunden, die es unsentimental zurechtgemacht hat für ein Theater, das ans selbstbewusste Singen glaubt: Gombrowicz ist in dieser Inszenierung sozusagen bei sich selbst angekommen, und das Publikum dankt es dem Ensemble mit einer lautstarken Lust an der bösen Posse. Das Gelächter auf der Bühne, die Fuge aus gemeinen Hohohos und Hahahas, wird auf den Tribünen mit erheiterten Hihihis begrüsst. Wenn der mephistophelische Kammerherr (Hans Kremer) durch den Saal schleicht, Siggi Schwientek als geprellter Ex von Yvonne seinen Auftritt hat oder Nachwuchshoffnung Claudius Körber als Hofdame den Prinzen bezirzt – dann sind das lauter kleine Triller in diesem Thriller.“ Tages-Anzeiger

„Anregend, unterhaltsam und sehr gelungen.“ Aargauer Zeitung

„Im Jubel nach der Premiere bleibt Yvonne noch eine Zeit bei Gottfried Breitfuss. Er nimmt den Applaus entgegen, der ihm und den anderen gilt, ist aber noch immer im Spiel gefangen. Von Laschheit, Apathie jetzt keine Spur mehr. Es ist der Triumph der Yvonne.“ Der Landbote

„Das Publikum war begeistert von der virtuosen Schauspieler-Leistung dieser Männerriege und der äusserst präzisen Regiearbeit von Barbara Frey und ihrem (weiblichen) Team.“ Südkurier

„Grosser Applaus für ein grossartiges Ensemble und vor allem auch für Barbara Freys Inszenierung. Diese ist bei aller Boshaftigkeit die im Stück steckt, unglaublich liebevoll und immer wieder wunderbar musikalisch.“ SRF 1

Schiffbau/Halle

  • Stadt Zurich
  • Swiss Re
  • Zürcher Kantonalbank
  • Migros