Der diskrete Charme der Bourgeoisie

nach dem Film von Luis Buñuel

Regie Sebastian Nübling / Choreographie Tabea Martin / Bühne Muriel Gerstner / Kostüme Amit Epstein / Musik Lars Wittershagen
Mit Anne Ratte-Polle, Jan Bluthardt, Hilke Altefrohne, Christian Baumbach, Lukas Holzhausen, Dagna Litzenberger Vinet, Jörg Schröder, Susanne-Marie Wrage, Johannes Sima

Alice Sénéchal Anne Ratte-Polle
Henri Sénéchal Jan Bluthardt
Simone Thévenot Hilke Altefrohne
François Thévenot Christian Baumbach
Don Rafael Lukas Holzhausen
Florence Dagna Litzenberger Vinet
Dufour Jörg Schröder
Dienstmädchen Susanne-Marie Wrage
Colonel Johannes Sima
Toter im Restaurant/ Chauffeur Michael Ragazzi
Militär Murat Aykut, Bryan Berger, Lara Canoci, Alessandro Cuoco, Fabio Del Giudice, Anna Garevskikh, Anna Koplik, Gabriela Spirig, Bettina Stocker, Daiming Xiu
 
Regie Sebastian Nübling
Choreographie Tabea Martin
Bühne Muriel Gerstner
Kostüme Amit Epstein
Musik Lars Wittershagen
Licht Gerhard Patzelt
Dramaturgie Katja Hagedorn
Tanztraining Daniel Steinmann
Regieassistenz Sonja Streifinger
Bühnenbildassistenz Sarah Sassen
Kostümassistenz Yael Marcuse
Regieassistenz Selina Girschweiler
Kostümhospitanz Séverine Christen
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Ralf Fuhrmann
Pfauen
Premiere am 18. Dezember 2014
Unterstützt von der G+B Schwyzer Stiftung

Sechs Vertreter der Bourgeoisie verabreden sich immer wieder zum Essen – und scheitern. Mal haben sich die Gastgeber im Tag geirrt, mal verdirbt ein Todesfall den Appetit, mal sind die Getränke ausgegangen. Dann stürmt eine Militärkompanie die Abendgesellschaft oder ein Überfallkommando schreckt die bereits um den Tisch versammelten Gäste auf … Sind die Soldaten im Wohnzimmer real oder Teil eines Albtraums von François Thévenot? Landen die befreundeten Paare wirklich wegen illegaler Machenschaften im Gefängnis oder handelt es sich bei der Festnahme um eine Angstphantasie des Botschafters von Miranda? Während eine gescheiterte Einladung die andere jagt, werden die Grenzen zwischen Traum und Realität immer fliessender … Mit „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ drehte der 1972 bereits 72-jährige Luis Buñuel seine erste Komödie. Der Film wurde ein internationaler Erfolg und wurde 1973 mit dem Oscar ausgezeichnet.

„Sebastian Nübling ist ein Meister der vielsagenden Theater-Choreografien. Buñuels scharfe Traumsatire überträgt er in eine Scheinwelt: „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ entfaltet sich im Variété, wenn nicht in der Fernsehshow. Nüblings Bourgeoisie hat einen grossen Schritt in die Spektakelgesellschaft getan. Auf einer schwarz lackierten Tanzdiele tritt sie auf, glitzerndes Bühnenportal im Hintergrund. „Dreams that money can buy“ hat Bühnenbildnerin Muriel Gerstner da hingeschrieben, was abermals auf eine zeitgenössische Besonderheit hinweist: War Buñuels Bourgeoisie noch von einem einigermassen aristokratischen Selbstverständnis getragen, wird im demokratischen Neoliberalismus Geld zur alleinseligmachenden gesellschaftlichen Währung. Nübling und seine Dramaturgin Katja Hagedorn folgen in ihrer Dramatisierung ziemlich linear den Stationen des Films, wenn auch in gestraffter und verdichteter Form.“ NZZ

„Sebastian Nübling lässt auf einer von Muriel Gerstner entworfenen Cabaretbühne spielen. Und als Pendant zu den Aussenaufnahmen des Films wählt der Regisseur ein eminent bühnenwirksames Mittel: den Tanz.“ Stuttgarter Zeitung

„It’s Showtime. Sportlich, wie stets bei Nübling, tanzen seine Bourgeois fast ständig, quick quick slow slow, zu Lars Wittershagens Bossa-Nova-Arrangements. Das Blasierte, Überhebliche in seiner ganzen absurden Komik wird uns hier mit wunderbarer Spiellust serviert.“ NZZ am Sonntag

„Das Grossartige an Buñuel ist, dass er sich nicht aufs simple Abknallen der dekadenten Grossbürger beschränkt. Vielmehr treibt er die neurotische Überspanntheit seines Personals so weit, dass es letztlich die Träume und Traumata der Bourgeoisie sind, die ihre eigene Wirklichkeit unmöglich macht. Insofern versteht man nur zu gut, dass Nübling sich für diesen Film entschieden hat, der seinem eigenen Interesse für die Psychoanalyse von Freud bis Lacan entspricht. Und in den bald 15 Jahren, in denen man seine Arbeiten verfolgen konnte, war dies denn auch die Stärke von Nüblings Inszenierungen: dass er die Psyche und ihre Abgründe mit seinem hormonell übersteuerten Testosterontheater in körperliche Vorgänge transformieren konnte. Das ist auch der Ansatz des neuen Nübling, wobei das gewählte Körperbild für die Darstellung der Psychophysik diesmal relativ schlicht ist: Vor einem schwarzen Halbrund formiert sich das Ensemble in Anzügen und langen Roben zum Bossa Nova, einem Gesellschaftstanz nach klaren Regeln – gegen die Nüblings Klischeebürger naturgemäss verstossen.“ Tages-Anzeiger

„Sebastian Nübling schafft es, den Filmklassiker für die jüngste Premiere am Schauspielhaus Zürich dergestalt aufzurüsten und zu inszenieren, dass das Bühnen-Derivat vom Original nicht plattgedrückt wird. Sondern: Auf eigene Weise zu unterhalten und anzuregen vermag.“ Südkurier

„In Zürich inszeniert Sebastian Nübling, Spezialist für rasendes Körpertheater und galoppierenden Wahnsinn (zuletzt brachte er Glausers Irrenhaus-Krimi „Matto regiert“ auf die Pfauenbühne), Buñuels Surrealismus als Gesellschaftstanz, genauer: als Bossa Nova. Die Bühne von Muriel Gerstner ist eine exzentrische, schiefe, schwarzpolierte Langspielplatte mit festlich illuminiertem Showportal, auf der sich die Paare in abgezirkelten Choreographien drehen. Den Takt gibt Manuelas „Schuld war nur der Bossa Nova“ vor, die Schrittfolge ist bekannt: langer Grundschritt, schnelle Sidesteps, frivole Hüftschwünge, flatternde Arme. Manchmal reiben die Herren ihre Hintern aneinander, die Damen tanzen amüsiert den sterbenden Schwan; Liebestollheitspantomimen im Parkett und Joints aus Militärbeständen geben Anlass zu gefälligen Rhythmuswechseln, und wenn die Platte hängt, werden die Posen und Possen einfach wiederholt. „Un, deux, trois, allez“, alles ist nur ein formvollendeter Schieber: Liebelei und Smalltalk, zivilisierte Bosheiten und Demütigung von Dienstboten, latente Gewalt und diskrete Niedertracht.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Es ist ein Tanz auf dem Vulkan. Nübling sieht die Sechs nicht als Vertreter einer Schicht, sondern des Westens schlechthin, der seinen Wohlstand auf dem Elend der Dritten Welt aufbaut. Vertreterin der Ausgebeuteten ist die allgegenwärtige Dienstbotin Irma, deren Renitenz Susanne Marie Wrage kraftvoll Kontur gibt. Sie wird am Schluss, wenn sich die andern in die Erschöpfung getanzt haben, triumphierend zurückbleiben.“ Die Südostschweiz

„Bei aller Schärfe, mit der Buñuel ein versnobtes, nichtstuerisches, lasterhaftes Grossbürgertum attackierte, liess er doch auch Sympathien durchschimmern zur ach so irdischen Liebe für trockene Martinis. Nicht das geringste Verdienst der Produktion im Zürcher Pfauen nun ist es, dass dieses Sowohl-als-auch auf seine Weise ebenso Sebastian Nüblings kunstvoll ritualisierten, spielerisch-eleganten Tanz über Abgründen durchzieht.“ Südkurier

„Sehenswert ist die Aufführung im Pfauentheater vorab wegen der Schauspieler, die ihre „Nummern“ aufs Köstlichste absolvieren und dafür am Premierenabend viel begeisterten Applaus erhielten.“ seniorweb.ch

Pfauen

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