Matto regiert

nach dem Roman von Friedrich Glauser

Regie Sebastian Nübling / Bühne Muriel Gerstner / Kostüme Ursula Leuenberger / Musik Lars Wittershagen
Mit Michael Neuenschwander, Klaus Brömmelmeier, Susanne-Marie Wrage, Jan Bluthardt, Jirka Zett, Claudius Körber, Lukas Holzhausen, Tim Porath, Lisa-Katrina Mayer, Jean-Pierre Cornu

Wachtmeister Studer Michael Neuenschwander
Dr. Laduner Klaus Brömmelmeier
Frau Laduner Susanne-Marie Wrage
Pieterlen/Dr. Neuville Jan Bluthardt
Herbert Caplaun/Dr. Blumenstein Jirka Zett
Schül/Abteiliger Jutzeler Claudius Körber
Portier Dreyer/Oberpfleger Weyrauch Lukas Holzhausen
Nachtwärter Gilgen Tim Porath
Irma Wasem Lisa-Katrina Mayer
Schmocker/Oberst Caplaun Jean-Pierre Cornu
Dr. Ulrich Borstli Michael Ragazzi
 
Regie Sebastian Nübling
Bühne Muriel Gerstner
Kostüme Ursula Leuenberger
Musik Lars Wittershagen
Licht Rainer Küng
Dramaturgie Andreas Karlaganis
Regieassistenz Barbara Falter
Bühnenbildassistenz Regula Zuber
Kostümassistenz Ina Rohlfs
Regiehospitanz Lea Hegemann
Kostümhospitanz Sophia May
Souffleuse Katja Weppler
Inspizienz Michael Durrer
Pfauen
Premiere am 15. Mai 2014
Unterstützt vom Förderer-Circle des Schauspielhauses

Der Direktor einer psychiatrischen Anstalt wird tot aufgefunden. Wachtmeister Studer nimmt die Ermittlungen auf: Er muss nicht nur einem Verbrecher auf die Spur kommen, sondern blickt auch hinter die Kulissen psychiatrischer Praxis. Es inszenierte Sebastian Nübling – zuletzt waren am Schauspielhaus Zürich von ihm „Wie es euch gefällt“ von William Shakespeare und im Rahmen der Uraufführung „Arm und Reich – Drei neue Stücke“ „Rechne“ von Händl Klaus zu sehen.

„Um Macht geht es in dieser Anstalt. Um die Macht von Ärzten über Patienten, um die Macht der Politik und um die Macht in ganz gewöhnlichen Beziehungen, zum Beispiel zwischen Vater und Sohn. „Matto regiert“ erzählt von der Eigendynamik in einer geschlossenen Anstalt und je länger je deutlicher scheint sich hier die Welt ausserhalb der Mauern zu spiegeln. Das wird Wachtmeister Studer zum Verhängnis, weil er immer tiefer in das Spiel aus Intrigen, Täuschungen und Wahnsinn hineingezogen wird. Michael Neuenschwander spielt diesen Studer unaufdringlich und überzeugend. Aus anfänglicher Zurückhaltung entwickelt er einen schweisstreibenden Furor und setzt seine Figur in ermittlerische Trance. Studer ist ein einsamer Cowboy, der zwischen Intellekt und Emotion hin und her torkelt, sich ständig zu mehr Sachlichkeit gemahnt und dabei nichts als aufrichtiges Mitgefühl empfindet für die verlorenen Kreaturen dieser Gesellschaft.“ SRF 2

„Sebastian Nübling hat Glausers zweites Wachtmeister-Studer-Buch von 1936 kongenial in einen Tagtraum von einem Theaterstück verwandelt. Es handelt sich um eine untypische Nübling-Inszenierung. Für einmal drosselt der renommierte Wiesentäler Regisseur sein sonst so sportliches Erzähltempo mit dem schönen Effekt, dass die Geschichte immer wieder aus der Zeit kippt.“ Basler Zeitung

„Getragen wird der Abend von Glausers kerniger, mit Mundartausdrücken durchsetzten Sprache (Lob für die kluge Bühnenfassung) und ein paar nostalgisch schwebenden Musik- und Gesangsstücken. Und getragen wird er vor allem von einem ausnahmslos wunderbaren Ensemble, manche davon in mehreren Rollen und hier leider nicht namentlich zu würdigen. Michael Neuenschwander, bärtig, erdig und bärbeissig, als grossartiger Studer ist nur einer von ihnen, ein Drahtzieher, dem letztendlich alle Drähte entgleiten.“ Der Landbote

„Regisseur Sebastian Nübling interessiert sich nur am Rand für die Auflösung, wer denn nun Anstaltsdirektor Borstli umgebracht hat. Viel interessanter ist die Frage nach dem Warum, und noch zentraler geht es um die Anstaltsatmosphäre und die darin zusammentreffenden Schichten und Geschichten. Damit kommt er Glauser ganz nah, auch wenn er den Roman zusammen mit Andreas Karlaganis stark für die Möglichkeiten des Theaters bearbeitet hat.“ St. Galler Tagblatt

„Pfiffe im Dunkeln, das schrille Klingeln des Telefons, unheimliche Schattenspiele an der Wand lassen Mattos Totenreich lebendig werden; selbst die Spinne, die sich aus dem Schnürboden abseilt, spielt bei der Premiere mit.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Verrückt sind an diesem Abend alle. Zwischen dem Publikum und den Schauspielern gibt es keine Grenze, vom Zuschauerraum geht es direkt auf die Spielfläche und Studer, der Wachtmeister schlurft durch das Parkett während auf der leeren Bühne schon das ganze Personal aus Friedrich Glausers Roman sitzt.“ SRF 1

„Wir befinden uns in Mattos Reich; „matto, verruckt uf italiänisch“, lässt Wachtmeister Studer (Michael Neuenschwander) sich in breitem Berndeutsch auf der Zunge zergehen. Er ermittelt in der Heil- und Pflegeanstalt Randlingen das Verschwinden des Anstaltsdirektors Ulrich Borstli. Und Randlingen reicht weit über den Bühnenrand des Zürcher Schauspielhauses hinaus. Jeder ist ein wenig verrückt. Mit dieser Wahrheit scheint uns Regisseur Sebastian Nübling gleich ins Gesicht. Später lässt er die Schauspieler/Geisteskranken immer wieder durch die Gänge des Zuschauerraums hasten. Die Grenze zwischen normalem und pathologischem Wahnsinn ist fliessend, und sie ändert sich von Zeit zu Zeit, von Gesellschaft zu Gesellschaft. Das wusste und sagte auch Friedrich Glauser, Autor des Kultkrimis „Matto regiert“, den Nübling nun inszeniert. Glauser selbst ist dafür ein gutes Beispiel: Er wurde einen grossen Teil seines Lebens (1896 bis 1938) in psychiatrischen Anstalten verwahrt. Heute würde er wohl als geistig gesund gelten, aber in eine Drogentherapie geschickt. Nübling führt uns den Irrsinn der Normalen und die Normalität im Irrsinn theatralisch vor: Fast jeder Schauspieler spielt eine Doppelrolle, ist mal Pflegender, mal Patient, Arzt und Irrer zugleich. Einer der Insassen, ein Bundesrats-Attentäter, nimmt zudem nach einer Tirade im SVP-Stil mitten im Publikum Platz (wunderbar: Jean Pierre-Cornu).“ Aargauer Zeitung

„Sebastian Nübling zeichnet die einzelnen Figuren mit ihren Stimmungen und Ticks sehr präzise.“ SRF 1

„Michael Neuenschwander lässt seinen Studer herrlich zwischen Ermittlerlust und Patientenfrust schwanken. Mal bläst er sentimental die Bluesharp, mal rettet er sich vor der Niedertracht der Welt ins Bett, dann wieder grapscht er die dralle Schwester Irma (Lisa-Katrina Mayer) an, die mit dem alten Direktor poussiert hat, aber eben auch mit dem jungen Insassen Pieterlen (Jan Bluthardt).“ Basler Zeitung

Pfauen

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