Robert Walser

Eine musiktheatralische Durchwanderung von Ruedi Häusermann

Uraufführung

Regie Ruedi Häusermann / Komposition Ruedi Häusermann / Bühne Bettina Meyer / Kostüme Barbara Maier
Mit Klaus Brömmelmeier, Michael Neuenschwander, Herwig Ursin, Sara Hubrich, Benedikt Bindewald, Josa Gerhard, Christoph Hampe

Klaus Brömmelmeier
Michael Neuenschwander
Herwig Ursin
Violine Sara Hubrich
Viola Benedikt Bindewald
Viola Josa Gerhard
Cello Christoph Hampe
 
Regie Ruedi Häusermann
Komposition Ruedi Häusermann
Bühne Bettina Meyer
Kostüme Barbara Maier
Licht Frank Bittermann
Dramaturgie Katja Hagedorn
Regieassistenz Sophia Bodamer
Bühnenbildassistenz Regula Zuber
Kostümassistenz Noelle Brühwiler
Tontechnische Assistenz Damir Zizek
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Pfauen
Premiere am 15. März 2014
Unterstützt von der Stiftung Corymbo

In „Robert Walser“ widmet sich der Schweizer Komponist und Regisseur Ruedi Häusermann einem seiner liebsten Dichter. Text, Ton, Bild und Szene fügen sich in eine fein verästelte Partitur, die melancholisch und humorvoll, ernsthaft und verspielt zugleich ist. Gemeinsam mit vier Streichern und drei Schauspielern hat Häusermann einen neuen Abend fürs Schauspielhaus Zürich erarbeitet und begibt sich auf die Spuren von Walsers feiner Subversivität, um sie hör- und sichtbar zu machen. Die CD mit den „Walser Quartetten“ ist am Büchertisch im Pfauenfoyer erhältlich.

„„Mir fehlt etwas, wenn ich keine Musik höre, und wenn ich Musik höre, fehlt mir erst recht etwas. Dies ist das Beste, was ich über Musik zu sagen weiss.“ So heisst es in „Fritz Kochers Aufsätzen“ von Robert Walser. Es gibt kaum ein schöneres Zitat über die Funktion von Kunst und Sehnsucht, die beste aller Süchte, und es fehlt auch jetzt nicht bei Häusermann. Es ist aber einer der Vorzüge des Abends, dass er keine Best-of-Strategie des Zitateklingelns verfolgt, sondern ganz subjektiv eigenen Vorlieben folgt, der Sinnlichkeit und der Vergänglichkeit, dem Ernst und dem Spiel, der Natur und dem Wandern, der Selbstreflexion einer prekären Künstlerexistenz. Und natürlich der Musik. Die ganze Inszenierung wird wesentlich getragen, gestossen und gezogen von einem Streichquartett (Sara Hubrich, Benedikt Bindewald, Josa Gerhard, Christoph Hampe). Die spielen nicht nur ihre Instrumente, sie schaben auch mit den Füssen, sie tänzeln, wirbeln und zwirbeln, und manchmal streichen sie ihre Violinen auch über die straffen Bühnenseilzüge, dass sie aufkreischen und schluchzen, oder sie imitieren damit frech eine vorbeimarschierende Blasmusik.“ NZZ

„Auf dieser Wanderung zeigt sich die Grösse von Ruedi Häusermann, der seine Theatersprache übergehend in der Auseinandersetzung mit Autoren wie Robert Walser, Peter Bichsel, Daniil Charms und Adolf Wölfli entwickelt hat: allesamt singuläre Erscheinungen, denen sich Häusermann nahe fühlt. Aber nah sein heisst nicht mit ihnen verschmelzen, sich ihnen gemein zu machen oder sie für sich zu vereinnahmen. Vielmehr besteht Häusermanns eigene Kunst wesentlich darin, unsere Aufmerksamkeit mit sanfter Geste auf das zu lenken, was er bemerkenswert findet – und das sind an dem Abend die kurzen Texte von Robert Walser, die seine drei Schauspieler vortragen. Häusermann stellt sie in den Fokus, indem er die Texte mit Sanftem, Schattiertem, Gehauchtem, Gezupftem und Geflüstertem umspielt – und dabei unsere Wahrnehmung neu und anders reizt. Das geschieht vor allem über die Streichquartette, die Häusermann für seine Musiker geschrieben hat. Es geschieht aber auch über seinen kindlich-widerborstigen Witz, der Objekte wie Notenständer über die Bühne fahren lässt, oder über die handgemachten Schatteneffekte, die seine Schauspieler mit mobilen Scheinwerfern über die Wände gleiten lassen – und mit denen wir zwischen völligem Eintauchen und heiterer Distanz in gleichschwebende Aufmerksamkeit versetzt werden, damit wir den Texten zuhören, die Häusermann zusammen mit der Dramaturgin Katja Hagedorn ausgewählt hat.“ Tages-Anzeiger

„Ein leises, poetisches, manchmal skurril-komisches Musiktheater mit Texten von Robert Walser und eigenen Kompositionen hat Ruedi Häusermann für das Schauspielhaus Zürich geschaffen.“ Die Südostschweiz

„Ein Segen, weil Walsers wunderbare Sätze in dieser feinen Inszenierung glänzen wie Gräser im Morgentau. Wer möchte schon auf Beobachtungen verzichten wie: „Da tritt Helbling auf, ganz und gar vermontaget, bleich und verwirrt im Gesicht.“ Hier folgt die urkomische Beschreibung eines Bürolings, dessen anarchistische Arbeitsverweigerung darin besteht, sich den Schnauz zu glätten oder ganze 13 Minuten auszutreten (schön gelesen von Michael Neuenschwander, der abwechselnd mit Klaus Brömmelmeier und Herwig Ursin Textpassagen spricht). Auch szenisch verzaubert der Abend immer wieder. Lange, weisse Holzstäbe wachsen allmählich zu einem Wald, in dem die Musiker mit Flüstertüten auf dem Kopf wie fremde Tiere herumgeistern.“ Aargauer Zeitung

„Ruedi Häusermanns Musik passt insofern gut zu Walser, als sie ein waches Ohr erfordert. Wer genau hinhört, entdeckt eine äusserst differenzierte Tonwelt. So weben die Streichinstrumente bald einen leisen Klangteppich, bald summen sie wie ein ganzer Bienenstock, um dann wieder zu einer (wunderbar schrägen) Marschmusik anzusetzen.“ sda

„Drei Schauspieler dazu vier Musiker mit Streichinstrumenten und Stimmen – das ist Ruedi Häusermanns Truppe für seinen Walser-Abend. Die Texte werden erzählt, am Tisch, an der Rampe, im Hintergrund, die Musik, komponiert vom Regisseur, erklingt da und dort und immer wieder. Dazu ein flexibles Bühnenbild – mal Dichtermansarde, mal Büro, mal Landschaft zum Durchwandern – und ganz viel Effekte der Bühnen- und Lichttechnik. Das Experimentieren macht dem Regisseur und seinen Leuten wirklich Spass, wer ist denn kein Homo ludens? So wird es ein wunderbarer Abend – versponnen und witzig, melancholisch und burlesk, anrührend und hinterhältig – eben typisch Robert Walser mit Ruedi Häusermann.“ seniorweb.ch

„Für Beginn und Schluss hat Bettina Meyer den Zuschauerraum samt Notausgang auf die Bühne verlängert, gleiche Tapete, gleiche Griffe, gleiches Getäfer. Dann öffnet sich der bis zur Brandmauer leer geräumte Bühnenraum, eine Vielzahl von Dachbalken werden nach und nach an Seilzügen in die Schräge gehoben, erinnern an Walsers wechselnde Mansardenklausen, bilden labyrinthische Hindernisläufe. In diesem sparsamen Dekor entfaltet sich die hinreissende Eleganz von Walsers Umständlichkeiten, den feinstofflichen Alltagsbeobachtungen und den so anmutig bis übermütig gebrochenen Selbstbehauptungen in seinen Prosatexten. Bei wem gehen subversives Understatement und verspielte Emphase eine raffiniertere Mischung ein?“ NZZ

„Die ausgewählten Texte zeigen Haltungen gegenüber der Wirklichkeit auf, mit denen man etwas Eigenes in sein Leben hineinbringen kann, auch wenn man es mit entfremdeter Arbeit zubringen muss. Das ist denn auch das, was man von Walser lernen kann und was er selbst einmal als „Unterricht“ beschrieben hat, nämlich als „Unterricht in der Kunst, die Fröhlichkeit nicht einzubüssen“. Dieser kommt auf Ruedi Häusermanns „musiktheatralischer Durchwanderung“ perfekt zur Geltung – und muss ein Leben lang fortgesetzt werden.“ Tages-Anzeiger

„Die teils mehr, teils weniger bekannten Texte beeindrucken durch ihre Prägnanz und auch durch ihren trockenen Witz.“ Bote der Urschweiz

„Auch die Bühne von Bettina Meyer ist für Überraschungen gut: Notenständer und Holzmasten bewegen sich wie von Geisterhand; sorgfältig gemalte Stadtansichten illustrieren Walsers Ortsangaben. Die Aufführung endet, wo sie begann, bei der Lesung von 1920. Ursin als Walser setzt sich in den Zuschauerraum, und auf der Bühne liest Brömmelmeier „Der Schnee“. Der Schluss des Texts evoziert einen erfrorenen Krieger, der im Sterben nach Haus gefunden hat, und legt so die Todessehnsucht offen, die den ganzen Abend über latent zu spüren war. Darauf folgt Häusermanns letzter Quartettsatz wie ein Epitaph und hallt noch lange nach.“ Die Südostschweiz

„Wie musikalisch Walsers Prosa dahinfliesst, beweist etwa Herwig Ursin als eines der drei Walser-Ichs in seinem irrwitzigen Monolog über dieses Zermürbt-zermörsert-zerbröckelt-und-doch-noch-nicht-alt-Sein. Das ist ein rhythmisch wildes Hin und Her von Wiederholung und Variation, von trotziger Behauptung und listiger Rücknahme. Ein Spoken-Word-Poet vor der Zeit. Als einer der Ersten hat Walser auch das Kleinlebewesen des Angestellten in die deutschsprachige Literatur eingeführt. Er verfügte als ehemaliger Banklehrling ja auch über entsprechenden Anschauungsunterricht. Nicht auszudenken, was uns entgangen wäre, hätte Walser in der Bank sein Glück gefunden! Michael Neuenschwander zelebriert die grausame Zeitdehnung eines Montagvormittags im Grossraumbüro so hingebungsvoll, dass der Schmerz zur reinen Lust wird. Und wenn Klaus Brömmelmeier um Finale schnörkellos den Text übers Schneien vorträgt, erschrickt man fast über die sanfte poetisch tödliche Kraft, die hier Walsers eigenen Tod im Schnee prophetisch vorwegnimmt.“ NZZ

„Ein leiser Abend voller Humor und Spielfreude, getragen von der Liebe zu den Texten, welche der Regisseur ausgewählt und den Schauspielern und Musikern weiterreicht – da wird die Durchwanderung zum kurzweiligen, auch hinterhältigen und zugleich besinnlich-melancholischen Erlebnis vom komischen Anfang bis zum stimmigen Ende – Klaus Brömmelmeiers Lesung des Prosastücks vom Schneien, vom weissen Mantel, der sich über alles und jeden breitet. Sinngedicht zu Sterben und Tod.“ seniorweb.ch

„Die engagiert vorgetragenen Walser-Quartette mit ihren oft minimalen tonalen und (farb)klanglichen Verschiebungen samt Flageoletts, Schabgeräuschen und Ostinati laden ein zu exklusivem Hinhorchen oder grundieren den Abend streckenweise wie ein Soundtrack. Wo sie sich mit feinnerviger Sturheit in den Hörraum bohren, mögen diese Kompositionen Häusermanns an die dichterische Insistenz von Walser gemahnen. Um platte Illustration und Doppelung aber geht es nirgendwo. Auch nicht in der Ausstattung. Und selbst da, wo diese konkrete Bebilderungen liefert.“ Südkurier

„Das Publikum applaudierte mit Enthusiasmus für den nachdenklichen, besinnlichen und schönen Abend!“ literaturundkunst.net

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