Wilhelm Tell

von Friedrich Schiller

Regie Dušan David Pařízek / Bühne Dušan David Pařízek / Kostüme Kamila Polívková / Musik Roman Zach
Mit Frank Seppeler, Michael Neuenschwander, Lukas Holzhausen, Sarah Hostettler, Fritz Fenne, Gottfried Breitfuss, Siggi Schwientek, Sean McDonagh, Miriam Maertens, Irina Kastrinidis

Hermann Gessler, Reichsvogt Frank Seppeler
Wilhelm Tell Michael Neuenschwander
Werner Stauffacher Lukas Holzhausen
Gertrud Stauffacher Sarah Hostettler
Arnold vom Melchthal Fritz Fenne
Walther Fürst Gottfried Breitfuss
Werner, Freiherr von Attinghausen/Walther, Tells Knabe Siggi Schwientek
Ulrich von Rudenz Sean McDonagh
Bertha von Bruneck, eine reiche Erbin Miriam Maertens
Hedwig, Tells Gattin Irina Kastrinidis
 
Regie Dušan David Pařízek
Bühne Dušan David Pařízek
Kostüme Kamila Polívková
Musik Roman Zach
Licht Christoph Kunz
Dramaturgie Roland Koberg
Regieassistenz Marco Dahinden
Bühnenbildassistenz Lisa Dässler
Kostümassistenz Ina Rohlfs
Regiehospitanz Charlotte Hoes
Kostümpraktikum Kim Stöckli
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Michael Durrer
Pfauen
Premiere am 14. März 2013
Unterstützt vom Förderer-Circle des Schauspielhauses Zürich

Es wird sich nichts geschenkt in der Innerschweiz. Die ausländische Ordnungsmacht findet beim Bergvolk keine Akzeptanz und ihre Übergriffe werden von den Einheimischen mit gleicher Münze erwidert. Inmitten dieser Auseinandersetzungen wird der eigenbrötlerische Jäger Wilhelm Tell („Mir fehlt der Arm, wenn mir die Waffe fehlt“) zum Freiheitshelden und Landesretter. Rütlischwur und Apfelschuss dienen Schiller in seinem Drama von 1804 dazu, das Recht auf Tyrannenmord zu diskutieren. Nun wirft der tschechische Regisseur Dušan David Pařízek, der im Pfauen zuletzt Dramen von Goethe („Faust 1–3“) und Kleist („Das Käthchen von Heilbronn“) inszeniert hat, einen ausserschweizerischen Blick auf die Innerschweiz.

„Selten hat man, gerade bei diesem so häufig grundsätzlich missverstandenen Klassiker, gewichtige Fragen – wie etwa die nach kollektiver Identität – auf so phantasievolle, leichte Art vorgespielt bekommen wie in dem von Regisseur Dušan David Pařízek auf gut zwei Stunden Spieldauer verknappten Tell.“ Deutschlandfunk

„Schiller ist in dieser eigenwilligen Fassung nurmehr die Folie, vor der ein elfköpfiges Ensemble kommentiert, ironisiert, persifliert, assoziiert – und lustvoll demonstriert, wie der deutsche Klassiker mit heutigen Schweizer Mythen produktiv kollidieren kann. Am Schauspielhaus Zürich kriegt man statt Pathos also reichlich Amusement. Das Feuerwerk der Gags veranlasst deshalb einen älteren Zuschauer im Parkett zur gut vernehmlichen Bemerkung, es sei ihm neu, dass Schiller Komödien geschrieben habe. Aber wer den nötigen Humor mitbringt und idealerweise die Kenntnis des Originals, erlebt eine intellektuell durchaus anregende Postmodernisierung. Einen „Tell für die Schule“, wiederaufgelegt.“ NZZ

„Als erfahrener Bernhard- und Jelinek-Regisseur hat Dušan David Pařízek sich in Zürich mit einem „Käthchen“ und zuletzt „Faust 1–3“ Respekt verschafft, als Tscheche einen von Projektionen, Plüsch und politischen Instrumentalisierungen unbelasteten Blick von aussen auf die alte Innerschweiz bewahrt. Sein Zürcher „Tell“ kommt überraschend frisch, fröhlich und frei daher.“ Badische Zeitung

„Munter und frech geht die Inszenierung mit der Stückvorlage um. Sie spielt und zitiert, verkürzt, nimmt sich jede Freiheit. Auf dem Rütli treffen sich die Verschwörer in Badehosen und ziehen sich Greisen-Bärte an. Walter Fürst (Gottfried Breitfuss) macht die Szene zum Albisgüetli-Treffen und salbadert gegen die Vögte innen und aussen. Frauen und Männer greifen ans Richtschwert „darf ich?“ und fordern und geben zu bedenken, bis sie endlich ihre Hände auf dem Schwertknauf zusammenbringen. Tell bietet „nones Pilzli?“ an und träumt sich weg ins Nonsens-Reich. Das ist ein grosser Spass, mit viel Spiellust ausgekostet, eine herrliche Satire auf Schweizer Mentalität, auf diese ganz besondere Art von Eigensinn: „Wären wir doch allein im Land“, sagt Arnold vom Melchthal. Im schrägen Zerrbild zeigt Dušan David Pařízek auch den Umgang, den die Eigensinns-Schweiz mit Schillers Tell pflegt. Immer wieder lässt er den Scherz kippen in höhere Bedeutung, und manchmal fällt beides zusammen, besonders wenn Mundartsätze und Kommentare doppelte und dreifache Böden ins Stück einziehen.“ Aargauer Zeitung

„Selten wurde an einer „Tell“-Premiere so viel gelacht wie am Donnerstag im Pfauen. Dabei gibt es sehr wohl schmerzliche und schillernde Momente in dieser rund zweistündigen Inszenierung. Um den Schocker gleich vorwegzunehmen (Spoiler Alert!): Klein Walti muss sterben. Das Wunder von Altdorf findet nicht statt. Dem zerrissenen Vater zittert die Hand, sein Pfeil fliegt – man sieht ihn nicht, hört ihn nur surren, schliesslich ist das Treiben auf der Bühne gebastelt aus Geräuschen, Geräten und Gedanken –, und der Knabe schwankt, sinkt, fällt.“ Tages-Anzeiger

„Die Axt im Hause erspart den Regiezimmermann. Pařízek macht aus Schiller nicht Kleinholz, sondern eine Art „Tell unchained“. Es ist die alte Geschichte vom Lonesome Cowboy und Sklavenbefreier, aber sie wird mit halluzinogenem Augenzwinkern erzählt. Tells leiser Humor ist nicht immer zielführend, sein Hinterwäldler-Vorderlader nicht unfehlbar. Aber aus dem zweiten Rohr seiner Wunderwaffe, einem australischen Didgeridoo, entlockt er Schillers altem, hohl gewordenem Gassenhauer jedenfalls erstaunlich neue und zumeist pfiffige Töne.“ Frankfurter Allgemeine Zeitung

„Respektlos und erfrischend wirkt Schillers „Tell“ so, wie nie gesehen.“ Neue Luzerner Zeitung

„Die Tells, Papa und Sohn, spazieren Hand in Hand und hoch erhobenen Hauptes am Gesslerhut vorbei. Sie fühlen sich unbeobachtet, unschuldig, unbeugsam. Sie geniessen die Narrenfreiheit, die Regisseur Dušan David Pařízek den Schweizern in seiner eigenwilligen Lesart von Friedrich Schillers "Wilhelm Tell" zugesteht. Doch der Gessler observiert sie vom Parkett des Zürcher Schauspielhauses aus, er weiss, er ist ein schwacher Reichsvogt, er muss die Schweizer Dickschädel das Fürchten lehren, bevor es zu spät ist. Also verhängt er den schikanösen Apfelschuss. Und Tell zaudert. Der legendäre Jäger, der sich bei Michael Neuenschwander so gesprächig und zugänglich gezeigt hat wie der Mythenstein im Urnersee, wird plötzlich Mensch, sinkt ratlos auf die Knie, irgendwo hinter seinem Vollbart ringt der Vater mit dem Partisanen. Der Partisan gewinnt, stiefelt los, zielt, es zischt was in der Luft; allein, der Apfel fühlt sich nicht getroffen. Dafür kippt der Walter um. Tot. Der Heldenschuss fällt aus im Schauspielhaus. Ein Mythos ist gestorben. So könnte es gewesen sein? Abwegig ist es nicht. Auf 80 Schritte den Apfel vom Hut des tapferen Walterli schiessen, den Kopf dieses Knaben riskieren, den Ensemble-Senior Siggi Schwientek mit unerschütterlichem Urvertrauen in die Meisterschaft des Vaters ausstattet, auf Gesslers Willküridee anzuspringen, das ist ohnehin eine besinnungslose Tat. Neuenschwanders Tell bereut und beweint sie bitter, den Kopf des leblosen Sohnes im Schoss. Das ist intensiv, das ist zwingend, bei aller Gewalt, die Schiller zugemutet wird. Frechheit siegt.“ Basler Zeitung

„Ein Meisterstück: der vaterländische Mythos von Einheit und Freiheit wird auf urkomische Weise demontiert – aber dennoch nicht preisgegeben. Nicht diffamiert. Dazu sind die Akteure bei aller Lust an der Clownerie als zu liebenswürdig-ambivalente Menschenwesen dargestellt. Um stellvertretend nur einige der herausragenden Schauspieler zu nennen: Michael Neuenschwander als Tell; Lukas Holzhausen als nervös affizierbarer Stauffacher, wibbelig, vorschnell mutig und zappelig feige zugleich; der schwächlich senile und nicht minder verwegen unbeirrbare, virtuos zwiespältige Attinghausen des Siggi Schwientek – der, mit rot zerzauster Perücke und ein bisschen vorlaut, zum naiv-tapferen Sohn von Tell mutiert. Vor allem aber entgeht diese aufregend kluge, komisch-kritische und nuancenreich erspielte Mythenanalyse der Verflachung, weil Pařízek den pfiffig kalkulierten Effekten nicht die Affekte der Figuren opfert. Selbst wenn die ewigen Meckerer, witzig wie die alten Korsen in Asterix, wie Zuschauer des Lebens zusammenhocken und politisieren, spürt man, wie ernst es ihnen ist. Dass es um ihr Leben geht. Um ihre Rechte. Ihre Freiheit! Und da taugt Tell mit seiner kaltschnäuzigen Unberechenbarkeit dann überraschenderweise eben doch als Vorbild. Am Ende wird aus dem schrägen Bühnenpodest ein steiler Abhang. Oben hat sich Tell den Gessler geschnappt und rechnet ab – bevor er ihn in den Abgrund schubst.“ Deutschlandfunk

„Es gehört zur Logik von Pařízeks radikaler Schiller-Umdeutung, dass eine Frau die politische Tragweite der Lage nach Tells Versagen am schnellsten erfasst. Gertrud Stauffacher (Sarah Hostettler) drückt den Armbrustbolzen ins Fruchtfleisch und erfindet flugs die offizielle Version der Geschichte. Ein Mythos wird geboren, aus dem Munde einer rauen Rebellin, zum Wohl von Freiheit und Vaterland. Bleibt die Rache. Die leere Parkettrampe, auf der das Stück spielt, fährt steil hoch. Für einen Moment umklammern sich Tell und Gessler, als Brüder im Schicksal. Dann stösst der Held den Tyrannen in den Abgrund, und das Zürcher Publikum spendet diesem so völlig anderen Tell kräftig Beifall.“ Basler Zeitung

„Das Premierenpublikum war begeistert von den Schauspielerinnen und Schauspielern und von der Inszenierung.“ SRF 1

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