Genesis

Die Bibel, Teil 1

Regie Stefan Bachmann / Bühne Simeon Meier / Kostüme Annabelle Witt / Musik Max Küng
Mit Christian Baumbach, Timo Fakhravar, Fritz Fenne, Marek Harloff, Simon Kirsch, Niklas Kohrt, Julia Kreusch, Michael Neuenschwander, Jörg Ratjen, Susanne-Marie Wrage

Christian Baumbach
Timo Fakhravar
Fritz Fenne
Marek Harloff
Simon Kirsch
Niklas Kohrt
Julia Kreusch
Michael Neuenschwander
Jörg Ratjen
Susanne-Marie Wrage
 
Regie Stefan Bachmann
Bühne Simeon Meier
Kostüme Annabelle Witt
Musik Max Küng
Licht Markus Keusch
Video Christoph Menzi
Dramaturgie Barbara Sommer
Dramaturgie Lukas Bärfuss
Regieassistenz Margrit Sengebusch
Bühnenbildassistenz Barbara Pfyffer
Kostümassistenz Reto Keiser
Regiehospitanz Melanie Jovanovski
Bühnenbildhospitanz Salome Fuchs
Kostümhospitanz Etienne Grüebler
Souffleur János Stefan Buchwardt
Inspizienz Ralf Fuhrmann
Schiffbau/Halle
Premiere am 14. September 2012

Kein anderer Text hat eine grössere und längere Wirkung entfaltet als das erste Buch Mose. Drei Weltreligionen bekennen sich zu ihm: Judentum, Islam und die Christenheit. Die Genesis, die Schöpfungsgeschichte, ist Theater im ursprünglichen Sinn. Ein Volk erkundet die Beziehung zu seinem Schöpfer, zum Regisseur des grossen Welttheaters. Zehn Schauspieler erzählen die Genesis – als Urquelle unserer Erzählkultur – Wort für Wort, vom Anfang bis zum Ende. Regie führte Stefan Bachmann, der am Schauspielhaus zuletzt „Martin Salander“ und das Singspiel „Geri“ inszenierte.

„Stefan Bachmann nimmt uns mit auf eine Reise durch die Kosmogonie des Theaters selber. Und weil er unter den Theatermalern so etwas wie der Daniel Richter ist, wird es eine abwechslungsreiche Reise, bunt, verspielt, farben- und stimmungsreich und mit milder Ironie kommentiert. Deutung (was ist jetzt mit Israels „Go West“?), gar Skepsis dem Stoff gegenüber ist nicht die Absicht der Regie; es geht darum, eine Begeisterung zu teilen über einen grossartigen Text. Und so ist dieser denn auch neu zu entdecken einmal nüchterner, dann wieder taumelnd, auch grotesk und unverblümt in seiner bronzezeitlichen Drastik.“ NZZ

„Wer eine Klassiker-Veranstaltung erwartet hat, wurde wohl von der Wucht des Abends überrascht.“ NZZ am Sonntag

„Gebannt von der magischen Kraft dieser Sprache, folgt man der leidenschaftlichen Beziehungsgeschichte von Gott und den Menschen, staunt ob der Brisanz der göttlichen Verheissung gegenüber dem Volk Israel und stellt entsetzt fest, welch unheilvolle Auswirkungen diese bis in die heutige politische Situation hinein hat.“ Die Welt

„Bachmann behandelt die Genesis, diese heilige Schrift der drei grossen monotheistischen Weltreligionen, wie Milo Rau die historischen Dokumente in seinem kritischen Polittheater: nicht als Steinbruch, nicht als beliebige Stoffansammlung, sondern als Ausstellungsstück, als etwas, das ganz von selbst spricht, für sich oder gegen sich, wenn man es nur lässt; als etwas zum Anschauen, nicht zum Abschleifen. Und wie bei Rau löst auch bei Bachmann gerade diese Unberührtheit der Vorlage ein Unbehagen (an ihr) aus. Vielleicht ist der Regisseur doch eher ein Satansbraten als ein Gottesmann. Es ist beinah so, als ob man mit dem US-Comedian Bill Maher in den amerikanischen Bible Belt fährt und die Leute dort so hemmungslos ins Mikro plappern, wie sie es in seinem Dokfilm „Religulous“ taten - über die Wunder, die Gott getan hat, von der Erschaffung der Welt bis zur Erschaffung von George W. Bush, über die Strafen, die er verhängen, und die Versprechen, die er erfüllen wird. Aber eben nur beinah: Denn Bühne bedeutet grundsätzlich Brechung, egal, wie wortgetreu man agiert. Das weiss auch Bachmann; darum ist sein Erzähler Michael Neuenschwander, der mit der Lektüre von Gen 1,1. anhebt, ein irrer Mix aus Chassid, Hells Angel und Cowboy mit seinem langen, schwarzen Ledermantel, dem schwarzen Hut und den schwarzen Boots. In denen wandelt der Bärtige gemessenen Schrittes mehrmals rund um den Berg und bringt jeweils ein Requisit für die Fiktionsproduktion mit, einen Notenständer, einen Mikroständer, eine Wasserflasche. Der Trockeneisnebel wabert über dem Lehm wie der Geist Gottes über den Wassern, im Subtext scheint Goethes „Faust“ zu sirren („So schreitet in dem engen Bretterhaus / Den ganzen Kreis der Schöpfung aus“), und dann ist es so weit: „Im Anfang schuf Gott Himmel und Erde.“ Und wir erleben, wie erst quälend behutsam und später geradezu brutal karnal aus dem Wort Fleisch wird, aus der Lektüre Vision.“ Tages-Anzeiger

„Die Balance auf dem schmalen Grat zwischen Hollywoodfilm und Westernmythen, Monty Python, Oberammergau und Josephsroman erweist sich als pfiffig, hintergründig, sogar amüsant - und in Stefan Bachmanns Regie als bühnentauglich.“ Deutschlandfunk

„Die Bibel steht hier als Modell – auch für das Theatermachen selber. Eine Welt wird hier aus Wörtern neu erschaffen.“ Der Landbote

„Es wurde viel gelacht während dieses Fünfstünders; die Regie hat versucht, den Respekt vorm starken Text mit dem Respekt vorm schwachen Zuschauer zu verbinden, der sich von all den ellenlangen Stammbäumen und all den altbekannten Storys (Eden, Arche, Babel) und anstrengenden Rachegottgeschichten bisweilen erholen muss.“ Tages-Anzeiger

„Durch den Zwang, die Geschehnisse konkret in einem Hier und Jetzt in Situationen und Szenen umzusetzen, wurde die Bibel nicht einfach bestätigt, sondern auf ihre Alltagstauglichkeit überprüft: genealogische Folgen und endlose Geschlechterregister, virtuos und bis zum Exzess zungenbrecherisch reproduziert oder - unglaublich geschickt integriert- einfach abgelesen, wurden in ihren Wirkungen spürbar. Absurd komisch oder auch knallhart politische Besitzansprüche signalisierend. Dabei wurde Szene um Szene, gleichsam im Schnelldurchlauf, das Gottes-Prinzip als theatralischer Coup, ausgeleuchtet: Ein Gott, der sich auf ein Volk, sein Volk einstellt, setzt jeden der noch so kümmerlichen Akteure unter einen enormen Druck. Und eröffnet ihm zugleich enorme Möglichkeiten. Zugleich - und das macht die theatralische Bibelstunde so anregend - zeigt das Bühnengeschehen die Fragwürdigkeit und Perfidie aller religiösen Machtmachenschaften auf. Die auf offener Bühne derb schnibbelnd, schnörkellos praktizierte Beschneidung, Tierhandel samt köttelnden Schafen, das Ringen um Identität, das Ritual von Unterwerfung, Revolte, Züchtigung und Erneuerung des Bundes - all das wurde in seiner Spannweite zwischen Erhabenheit und Banalität, Lächerlichkeit und Klamauk mutig bis in die Niederungen und Gemeinheiten des Alltags ausgeleuchtet. Zusammengehalten wird das Geflecht aus unendlich vielen Episoden durch eine ebenso auratische wie fragwürdige Erzähler- und Spielerfigur - beschwörend, zürnend, raunend, intrigierend, hautnah bisweilen, dann wieder abwesend, wie kein Autor sie besser erfinden könnte: Gott.“ Deutschlandfunk

„Was die Schauspielerinnen Julia Kreusch und Susanne-Marie Wrage, die acht Schauspieler zeigen, ist gross wie die Geschichte Abrahams und Jakobs.“ Neue Luzerner Zeitung

„Nun, wir kommen auch zu Bachmann „Exodus. Die Bibel, Teil 2“.“ NZZ am Sonntag

Schiffbau/Halle

  • Stadt Zurich
  • Swiss Re
  • Zürcher Kantonalbank
  • Migros