Richard III.

von William Shakespeare

Deutsch von Thomas Brasch

Regie Barbara Frey / Bühne Penelope Wehrli / Kostüme Bettina Munzer
Mit Michael Maertens, Lukas Holzhausen, Ursula Doll, Susanne-Marie Wrage, Silvia Fenz, Julia Kreusch, Fritz Fenne, Nicolas Rosat, Ludwig Boettger, Jirka Zett, Christian Baumbach

Richard III. Michael Maertens
Buckingham Lukas Holzhausen
Königin Elisabeth Ursula Doll
Königin Margaret Susanne-Marie Wrage
Herzogin von York Silvia Fenz
Lady Anne Julia Kreusch
Clarence/Catesby/Bürgermeister Fritz Fenne
Hastings/Gerichtsschreiber Nicolas Rosat
Brakenbury/Bote/Eduard IV./Bischof von Ely Ludwig Boettger
Erster Mörder/Sargträger/Stanley/Tyrrell Jirka Zett
Zweiter Mörder/Sargträger/Prinz Eduard Christian Baumbach
 
Regie Barbara Frey
Bühne Penelope Wehrli
Kostüme Bettina Munzer
Licht Rainer Küng
Dramaturgie Thomas Jonigk
Regieassistenz Margrit Sengebusch
Bühnenbildassistenz Michela Flück
Kostümassistenz Lisa Dässler
Souffleuse Gabriele Seifert
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Pfauen
Premiere am 31. März 2012
Eingeladen zum Theater Festival Hamburg 2012
Unterstützt von Credit Suisse

An sein Ziel, die Erringung der Königskrone, gelangt dieser Titelheld nur, indem er im wahrsten Sinne des Wortes über Leichen geht. Mit König Richard III., hässlich und verkrüppelt, ungeliebt und zum Lieben nicht fähig, hat William Shakespeare einen der grössten Verführer der Theaterliteratur geschaffen – und zwingt bis heute das Publikum zu einem beunruhigend intimen Umgang mit einem Mörder. Nach „Was ihr wollt“ und ihrem „Sturm“-Gastspiel zeigt Barbara Frey erneut ein Shakespeare-Drama am Schauspielhaus Zürich.

„Keine Sorge: Barbara Frey setzt weder Geschichtskenntnis voraus, noch erteilt sie Geschichtsunterricht. In kurzen, nachvollziehbaren, den Spannungsbogen haltenden Sequenzen entrollt sich das Geschehen, ausgehend von dem treibenden Intriganten und Titelhelden, der alle Strippen zieht: Richard hat keine wirklichen Gegenspieler – und auch Maertens hat sie nicht. Der Schauspieler dominiert den Abend über weite Strecken, wie es das Stück verlangt und wie es sein übergrosses Talent ihm ermöglicht. Meist verhalten, manchmal sonor aufdrehend, selten laut, dann aber heiser bellend, mit ins Falsett kippender Stimme: Zungenfertig meisselt Maertens, im Monolog wie im Pingpong-Dialog mit Stichwortgebern, die Verse der klangvollen Übersetzung von Thomas Brasch, deren Wortspiele wie Kalauer klingen, ohne je ins Blödeln abzudriften.“ NZZ

„Was uns Barbara Frey zeigt, ist ein Drama der Demagogie. Umso brutaler und erbarmungsloser wickelt es sich ab, je tatenloser seine Protagonisten agieren. An langen Tischen, vor gezogenen Vorhängen und an Betträndern wechseln sie die Tonfälle: von der Empathie in die Empörung, von der Ehrlichkeit in die Erpressung. Aus minutenlangen, gestochen scharfen Standbildern erwachsen grausame rhetorische Schlachtenbilder. Und man beginnt zu ahnen, was Sprache vermag, im Theater wie in der Politik, was bei Shakespeare auf dasselbe hinausläuft. Wort ist Mord.“ Tages-Anzeiger

„Die Mechanik des politischen Ränkespiels wird bei Barbara Frey erschütternd klar. Die Gegner ihres Richard, sie sind alle schon tot, bevor sie es wissen. Sie sind in ihren dunklen Anzügen schon halb eingelassen ins Dunkel des Bühnenhintergrunds, während sie auf der Vorbühne noch anreden, manchmal auch anlärmen oder anjammern gegen das Unvermeidliche.“ Nachtkritik.de

„Die Geschichte, auch die jüngere, kennt genug Beispiele für den unaufhaltsamen Aufstieg der vermeintlich Zukurzgekommenen. Einer davon ist Herzog Richard von Gloucester, von Shakespeare als „Richard III.“ meisterlich porträtiert. Barbara Frey, die Direktorin des Zürcher Schauspielhauses, zeichnet an ihrem Haus nun ein gestochen scharfes Psychogramm dieses Macht-Monsters, das – noch weit über diesen konkreten Richard hinausreichend – sich zu einem Lehrstück über das Funktionieren und Scheitern von Macht aufschwingt.“ Südkurier

„In einem aseptischen, klaustrophobisch anmutenden Resonanzraum (Bühne: Penelope Wehrli) mit zwei Vorhängen, vier Türen und einigen Wartezimmerstühlen, vollführt Michael Maertens aufs Vortrefflichste sein doppeltes Spiel um Sein oder Nichtsein: Wenn sein Richard gerade nicht verbales Gift versprüht, wimmert er, stöhnt er, grient er, ohne sich je wirklich gehen zu lassen. Alles bleibt zarte Geste, Andeutung.“ Frankfurter Rundschau

„Brillant und hoch komisch, wie Shakespeare und Maertens die Gabe der Politiker persiflieren, das Amt, für das sie schonungslos gekämpft haben, zuletzt wie einen Auftrag anzunehmen: „So drängt ihr mir eine Welt voller Sorgen auf.““ Tages-Anzeiger

„Shakespeare hat nur wenige seiner Dramen so auf eine einzige Person zentriert, wie hier. Richard ist das teuflische Kraft- und Machtzentrum, wer sich ihm nähert, wird zerstört. Diese Last muss ein Schauspieler erst einmal tragen. Michael Maertens kann das in Zürich. Er gibt seinem Richard jene leise und smarte Skrupellosigkeit mit, die wir alle aus unserem Alltag nur allzu gut kennen, wo kein Blut mehr fliesst, wenn über Leichen gegangen wird. Ein unverbindlich jovialer Scherz hier, ein Schulterklopfen da und schon rollen wieder Köpfe. Das hat Shakespeare schon so aufgeschrieben und daran hat sich bis heute nichts geändert. Michael Maertens und Barbara Freys brillante Personenregie bringen das beklemmend dicht auf die Bühne.“ Südkurier

„Anders als viele Richard III. vor ihm, braucht er bei Michael Maertens noch nicht einmal die Komplizenschaft des Publikums. Schon bei seinem ersten Auftritt dreht er ihm den Rücken zu, dann versenkt sich dieser schüttere Mensch für eine, zwei Minuten in einen anmutigen Folksong, bevor er schliesslich zum Selbstgespräch anhebt, zur Selbstermächtigung, die notabene voller unheimlicher Selbstironie ist. Nur selten geht ein flackernder Blick ins Parkett, und auch dann nicht, um es auf heimliche Sympathisanten abzusuchen, sondern nur um einen Blick auf die Welt zu werfen, die gleich vor ihm in die Knie gehen wird. Dann, lange bevor die Tür auf- und das eigentliche Reden in das politische Reden übergeht, hält Richard inne. Er hat die Ankunft eines Menschen gewittert. Dann tritt Clarence ein, nichts ahnend vom Leichengeruch, der ihm vorausgeht. Und ein grausamer, ein grossartiger Abend nimmt seinen Lauf.“ Nachtkritik.de

„Sosehr sich Barbara Frey das pittoreske Bilderbuch mit königlichem Prunk und klirrenden Rüstungen verbietet, so wenig erlaubt sie sich eine konkrete Aktualisierung der Story mit Bezügen zu heutiger Politik. Stattdessen belässt sie Shakespeares Stoff in einem immerwährenden Hier und Jetzt – als niederschmetterndes Paradigma dessen, was sich abspielt, wenn jemand beschliesst, für die Macht über Leichen zu gehen, und niemand sich ihm entgegenstellt.“ NZZ

„Für diese Inszenierung gab‘s am Premierenabend viel Applaus. Zu Recht, denn hier wird gestochen scharf und knallhart vordemonstriert, was Sprache ohne wirblige Auftritte vermag.“ seniorweb.ch

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