Leonce und Lena

von Georg Büchner

Regie Barbara Frey / Bühne Bettina Meyer / Kostüme Bettina Walter / Musik Claus Boesser-Ferrari/Barbara Frey
Mit Michael Neuenschwander, Jirka Zett, Sarah Hostettler, Markus Scheumann, Ursula Doll, Jan Bluthardt, Sean McDonagh, Lilith Stangenberg

König Peter vom Reiche Popo Michael Neuenschwander
Prinz Leonce Jirka Zett
Prinzessin Lena vom Reiche Pipi Sarah Hostettler
Valerio Markus Scheumann
Gouvernante Ursula Doll
Hofmeister Jan Bluthardt
Präsident Sean McDonagh
Rosetta Lilith Stangenberg
Orchester Claus Boesser-Ferrari, Jan Bluthardt, Michael Neuenschwander
 
Regie Barbara Frey
Bühne Bettina Meyer
Kostüme Bettina Walter
Licht Rainer Küng
Musik Claus Boesser-Ferrari/Barbara Frey
Dramaturgie Katja Hagedorn
Regieassistenz Julia Burger
Bühnenbildassistenz Barbara Pfyffer
Kostümassistenz Ramona Müller
Regiehospitanz Mia Odermatt
Souffleuse Gabriele Seifert
Inspizienz Aleksandar Sascha Dinevski
Pfauen
Premiere am 15. September 2011
Unterstützt von der Hans Imholz-Stiftung

Leonce, Prinz aus dem Reiche Popo, lebt in einer Welt des Müssiggangs. Als er Prinzessin Lena aus dem Reiche Pipi heiraten soll, flieht er und trifft unterwegs auf eine Frau, die ebenfalls auf der Flucht ist … Liebesgeschichte, Gesellschaftskritik, Persiflage auf die Romantik, philosophische Erörterung und Sprachspiel – der 23-jährige Georg Büchner brachte all dies 1836 in seiner einzigen Komödie unter. Barbara Frey eröffnete damit ihre dritte Spielzeit als Schauspielhaus-Intendantin.

„„Leonce und Lena“ ist ein superintelligentes, dichtes Stück: vom Inhalt her höchst politisch und gesellschaftskritisch, in seiner Sprache brillant und poetisch. Eigentlich mehr ein Text zum Lesen als auf einer Bühne zu spielen. Das mag einer der Gründe sein, weshalb es nur selten zu sehen ist. Barbara Frey stellt sich dieser ungemein schwierigen Aufgabe und löst sie mit Bravour. Sie hält sich konsequent an den Plot, aktualisiert mit Feingefühl und bringt durch geschickten Einsatz von eigener Musik auch die emotionalen Seiten der an und für sich simplen Lovestory zum Klingen.“ Deutschlandradio Kultur

„„Leonce und Lena“ in Zürich ist ein Traumspiel. Barbara Frey macht dies von Beginn weg deutlich, in der szenischen Setzung, in einer automatenhaften Spielästhetik, leitmotivisch mit Musik, „Good Night“ von den Beatles – ein romantischer Traum von Brennspiegeln, die ewigen Frühling ins Land zaubern und Makkaroni in den Mund, vielleicht ein politischer Traum, vor allem aber ein großartiger Liebestraum. Musik spielt eine wichtige Rolle in dieser Inszenierung, von der melancholischen Dichterliebe Robert Schumanns bis zum Sprachverführungsblues von „I Put a Spell On You“ – das ist dann die große Nummer von Markus Scheumann; sein Valerio ist nicht nur darin hinreißend, sondern überhaupt der trockenste Sprachclown, ganz wunderbar komisch unterspielt.“ Nachtkritik.de

„Georg Büchners 1836 entstandenes Stück ist, obwohl eines der leichtesten, poetischsten unter den deutschen Lustspielen, eine bitterböse Abrechnung mit den Leiden der Zeit und dem eigenen Versagen. In „Leonce und Lena“ ist die Erbärmlichkeit des Menschseins ebenso ein Thema wie die Verderbtheit der Zeit. Das Stück wirkt, als sei es für heute geschrieben. Barbara Freys Inszenierung nimmt diese Aktualität auf, ohne sie zu strapazieren. Bettina Meyer hat ihr zwar ein Bühnenbild gebaut, das mit Originalschaufenstern aus der Finanzmetropole Zürich auf die Saturiertheit der heutigen Konsumgesellschaft anspielt, und auch Bettina Walters Kostüme scheinen den reichlich herbeigeschleppten Einkaufstüten angesagter Modelabels zu entstammen. Doch Barbara Frey beweist auch mit dieser Inszenierung wieder, dass sie dem Text vertraut und das Publikum für klug genug hält, ihn so zu verstehen, wie er geschrieben wurde.“ Die Welt

„Barbara Frey zeigt ein heiter-flüchtiges Spiel mit dezent gesetzter Komödiantik und einlullendem Popsound (Musik: Claus Boesser-Ferrari/Barbara Frey), der live von der Rampe kommt. Es ist ein geschliffenes Wohlstandsstück: Büchners Fürstensatire und Abgesang auf dekadente Saturiertheit, in der keiner die Energie aufbringt, nach einem Sinn zu suchen, läuft so beiläufig ab wie ein gut geschmiertes Uhrwerk. Das ist hinterhältig und eine Spur boshaft: Denn natürlich nimmt die Regisseurin das Stück beim absurd-subversiven Wort, so präzis wie sie den Text spielen lässt. Aber sie tut, als wäre es nicht ihr Ernst.“ Neue Luzerner Zeitung

„Barbara Frey zeichnet Büchners Komödie als zeitgenössische Persiflage, doch mit Büchners Grazie für Sprache und Figuren. Links und rechts, als grossformatige Projektionen, die Insignien des Konsums, mit wechselnden Hausnummern (Bühne: Bettina Meyer): Comestibles, Accessoires, Fummel für Menschen wie die Tänzerin Rosetta, die vor lauter Frust, dass Leonce sie stehen lässt, shoppen geht. Wie die wunderbare Lilith Stangenberg diese Rosetta gibt, mit der an Wahn grenzenden Sehnsucht nach festem Erdenboden unter den Tanzschuhen; wie Leonce (Jirka Zett) oszilliert zwischen Selbstaufgabe und Lebenshunger; und wie Lena (Sarah Hostettler), das Mauerblümchen, sich zum Hochglanz-Magazin-Covergirl mausert und dabei so poppig singt wie Heidi Happy: Das ist grosses musikalisches Theater.“ St. Galler Tagblatt

„Valerio, dieser philosophische Narr, wird als junkiehafter Aussenseiter eingeführt und Markus Scheumann hält ihn meisterhaft auf der Schwebe von messerscharfem Irrsinn und staubtrockener Schärfe und zieht Leonce mit. Frey und Zett deuten irrlichternd eine flirrende Entwicklung Leonces an, vertrauen dem Text aber genug, diese als Andeutung stehen und ihn in seiner vertrackten Faszination wirken zu lassen.“ Basler Zeitung

„Vor allem aber gibt es in Zürich einen Leonce: Jirka Zett. Da ist Hamlet, Romeo, Sebastian, Benedikt in einer Person, und noch viele andere, er hat, Frühling auf den Wangen, Spätherbst im Herzen, die serene Melancholie des Abgeklärten, der sich selbst nicht allzu wichtig nehmen will, aber auch die einnehmende Naivität dessen, der noch „an Idealen laboriert“, er kann schneidend zynisch sein, aber sich auch in strahlender Zärtlichkeit verzehren, am Ende scheint er nicht wirklich erlöst: Er hat ja nun zwar alles, doch was will er wirklich damit? Bis ihm die schöne Idee mit den Brennspiegeln und den Makkaroni kommt, und wir alle zusammen uns sanft nach Hause wiegen: „It's time to say good night, good night sleep tight, dream sweet dreams for me, dream sweet dreams for you.““ Nachtkritik.de

„Grandios ist Michael Neuenschwander in der Rolle des Königs Peter, echt himmelschreiend, mit welch bestechender Komik er sich als senile und lächerliche Obrigkeit entfaltet. Sehr ansprechend-grillenhaft auch das synchrom-agierende Trottel-Duo mit Perücken (Jan Bluthardt und Sean McDonagh), die als dümmliche Hofdiener den königlichen Popanz völlig ins Absurde drehen. Mühelos mithalten bei dieser männlichen Spielwucht kann Ursula Doll als Gouvernante der Lena. Sie spielt die sophisticated und modebewusste Prinzessinhüterin mit umwerfender Schrillheit.“ seniorweb.ch

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