Nichts. Was im Leben wichtig ist

von Janne Teller

Schweizerische Erstaufführung
Für Jugendliche und Erwachsene

Regie Enrico Beeler / Bühne Marc Totzke / Kostüme Cornelia Koch / Musik und musikalische Leitung Nicolas Dauwalder / Choreographie Buz
Mit Nicolas Batthyany, Ann Kathrin Doerig, Timo Fakhravar, Fabian Müller, Christoph Rath, Ute Sengebusch, Lotti Happle

Nicolas Batthyany
Ann Kathrin Doerig
Timo Fakhravar
Fabian Müller
Christoph Rath
Ute Sengebusch
Lotti Happle
 
Regie Enrico Beeler
Bühne Marc Totzke
Kostüme Cornelia Koch
Musik und musikalische Leitung Nicolas Dauwalder
Choreographie Buz
Licht Rasmus Stahel, Enrico Beeler, Marc Totzke
Dramaturgie Petra Fischer
Theaterpädagogik Andreas Bürgisser
Regieassistenz Christina Bolzon
Sprechcoach Jürgen Wollweber
Theater der Künste/Bühne A
Premiere am 8. März 2013

Am ersten Tag nach den Sommerferien verkündet Pierre Anthon: „Nichts bedeutet irgendwas, deshalb lohnt es sich nicht, irgendwas zu tun.“ Er verlässt mitten im Unterricht die Klasse 7A, zieht sich auf einen Pflaumenbaum zurück und traktiert seine Schulkollegen von da an abwechselnd mit reifen Pflaumen und Erkenntnissen über die völlige Sinnlosigkeit der menschlichen Existenz. Die Klasse ist sich schnell darin einig, dass sie Pierre Anthon etwas entgegensetzen will. In einem alten Sägewerk sammeln sie alles, was Bedeutung hat. Als dabei nicht viel zusammenkommt, beginnen sie, Gegenstände von persönlicher Wichtigkeit zusammenzutragen und so einen Berg aus Bedeutung aufzuhäufen. Wer sein Opfer gebracht hat, darf den Nächsten und dessen Opfer bestimmen. Mit zunehmendem Fanatismus widmen sie sich ihrer Mission und werden zu einer eingeschworenen Gemeinschaft. Als ihr monströser Plan, der immer drastischere Opfer verlangt, auffliegt, kommt es zu einem Medienrummel und einer landesweiten Diskussion um Sinn und Unsinn ihres Tuns. Nur Pierre Anthon bleibt unbeeindruckt – und die Klasse rächt sich an ihm …

„Nichts. Was im Leben wichtig ist“ ist eine aktuelle Parabel über das Erwachsenwerden, über Erziehung, letztlich über den Sinn des Lebens. Der Roman wurde nach der Erstveröffentlichung 2000 von dänischen Schulbehörden verboten. Mittlerweile wurde das Buch in 13 Sprachen übersetzt. 2001 bekam „Nichts“ den Preis des Dänischen Kulturministeriums und 2008 in Frankreich den „Prix Libbylit“.

„Doch so eine beunruhigende Geschichte birgt für das Theater eine Gefahr – das Plakative des bloss Verstörenden liegt gleich um die Ecke. Unter der Regie Enrico Beelers, der den Roman genau gelesen hat, kommt man dieser Gefahr aber nie zu nahe, und es wird ein zurückhaltend grosser Abend.“ NZZ

„Das Junge Schauspielhaus Zürich geht einen Schritt weiter, es erweitert mit „Nichts“ auch ganz äusserlich die Form. Bespielt wird die Bühne A des Theaters der Künste, was mehr Menschen die Gelegenheit gibt, die Aufführungen zu sehen. Und es lohnt sich, das zu tun.“ Der Landbote

„Wie Regisseur Enrico Beeler und sein 7-köpfiges SchauspielerInnen-Ensemble Tellers verstörenden Stoff auf die Bühne bringen, verdient Beachtung – und Applaus!“ kulturkritik.ch

„Der Erfolg lässt sich übersetzen. In einer ganz eigenen Sprache bringt nun Regisseur Enrico Beeler „Nichts“ für das Junge Schauspielhaus Zürich auf die Bühne – und bleibt doch ganz nahe bei der Vorlage.“ Der Landbote

„Die endliche Wendung wirkt extrem zynisch und erhält gerade dadurch die Dringlichkeit, sich dem Sog der Auseinandersetzung mit diesem Symbolgehalt schwerlich entziehen zu können, ohne dass dabei ein klassischer pädagogischer Duktus aufblitzt. Theater für ein junges Publikum at it's best in sämtlichen Belangen: Form, Action, Inhalt, Hintersinn. Schlicht packendes Theater.“ P.S.

„Die Bühnenadaption des Textes löste Beeler überzeugend: Mit nur sieben SchauspielerInnen – Nicolas Batthyany, Ann Kathrin Doerig, Timo Fakhravar, Lotti Happle, Fabian Müller, Christoph Rath, Ute Sengebusch – stellt er eine ganze Klasse dar. Sie schlüpfen elegant von einer Rolle in die andere, nehmen den Platz von Pierre Anthon ein, um im nächsten Moment Erzählstimme oder Klassenkameraden zu sein.“ kulturkritik.ch

„Regisseur Enrico Beeler hat für die schweizerische Erstaufführung Bilder gefunden, die auch für die Jugend funktionieren.“ Tages-Anzeiger

„Das Junge Schauspielhaus landet mit der Dramatisierung von „Nichts. Was im Leben wichtig ist“ einen Volltreffer. Die Inszenierung von Enrico Beeler wird in ihrer Heftigkeit der Gruppendynamik von den Choreos von Björn Meier alias Buz noch weiter getrieben. Ein nahezu physisches Theatererlebnis.“ P.S.

„So kühl wie Tellers Erzählton wirkt auch die Bühne (Mark Totzke) im Theater der Künste. In kaltem Neonlicht kämpft ein junges, starkes Ensemble den bald eskalierenden Kampf um das, was dem Leben Bedeutung gibt. Es fliesst kein Blut, Requisiten gibt es kaum. Hart ist der Abend dennoch. Der Fokus liegt auf der Sprache: Es wird geschrien, geflüstert und getobt, bis die drei grossen Wellblechwände zittern. Zudem ist da eine starke Körperlichkeit: Siegessicher wird Streetdance getanzt, verzweifelt die Wände hochgeklettert.“ Tages-Anzeiger

„„Warum ist überhaupt etwas, warum ist nicht nichts?“, hat der Philosoph Schelling einmal gefragt. Die Antwort darauf kann auch „Nichts“ nicht geben. Aber in den eineinviertel Stunden, die das Stück hier läuft, in denen die jungen Schauspieler alles geben, strömt das pure Leben. Kein Nihilismus.“ NZZ

„Das Stück handelt von Jugendlichen und ihren inneren Kämpfen im Laufe des Erwachsenwerdens, aber mitnichten nur davon. Man kann es auch als Aufforderung lesen, über (gesellschaftliche) Normen, über Erwartungen und den eigenen Umgang damit nachzudenken. Darüber, wie man seine Zeit verbringt und wofür man leidenschaftlich einsteht. Und nicht zuletzt über unsere Wünsche und die Perfidie, die wir zuweilen für ihre Verwirklichung entwickeln, um irgendwann etwas zu werden.“ kulturkritik.ch

„Das sehr schlicht gehaltene Bühnenbild von Marc Totzke bietet einen stimmigen Rahmen dafür. Die Bühne ist auf drei Seiten von einer sehr hohen Wellblechwand umgeben, auf dem Boden stehen ein paar metallene Tische und an der hinteren Wand ist ein Regal angebracht. Damit wird optisch dargestellt, was die Jugendlichen fühlen: eine kalte Umwelt, deren Konventionen und Erwartungen sie umschliessen.“ kulturkritik.ch

„Marc Totzkes minimalistischer Bühne – Stühle und Wellblechwände – gelingt das visuelle, Nicolas Dauwalders elektronischen Klängen das musikalische Setting. Und nicht zuletzt steht und fällt ein solches Werk mit den Schauspielern: Sie entscheiden, ob dramatische Fleischwerdung Mehrwert ist oder alles besser zwischen Buchdeckeln verblieben wäre.“ NZZ

„Der Raum, das ist die leere Bühne (Marc Totzke), Tische, Stühle stehen da herum, im Hintergrund eine Ablage, die Wände sind aus Wellblech. Passage für Passage kommen die Spieler in die Geschichte hinein und machen sie zur eigenen, ein schneller Jackenwechsel genügt (Kostüme: Cornelia Koch). Und bleiben immer mehr in dieser Anlage gefangen, ganz allein und auch im Kollektiv.“ Der Landbote

„Es ist ein ungeheurer Sog, den diese Aufführung in den siebzig Minuten zeigt, auch mit dem Sound, den Nicolas Dauwalder für dieses Spiel entwickelt hat. Niemand kann sich dem Geschehen entziehen, alle kommen in den Rausch der Hingabe. Und bleiben doch immer auch sehr kalt.“ Der Landbote

„Die Tanzeinlagen der Klasse, choreographiert vom Breakdancer Buz und mit Nicolas Dauwalders Musik untermalt, vermitteln jugendlichen Übermut. Immer dann, wenn die Stimmung gelöst ist und die Jugendlichen sich als Gruppe fühlen, tanzen sie.“ kulturkritik.ch

„Der Opfergang als Steigerungslauf: Immer wieder finden sich die Schauspielerinnen und Schauspieler zur bewegten Gruppe (die Choreografie ist von Breaktänzer Buz), die Körper verknäueln sich manchmal zum Kampf, es wird auch viel gerannt, aber niemand kommt weg von der Bühne, die hier alles und nichts bedeutet. Der Schluss ist ein Innehalten, die Zeit der Unschuld ist endgültig vorbei.“ Der Landbote

„Mit starker Präsenz bringen die SchauspielerInnen einen fast 90-minütigen, temporeichen Dialog auf die Bühne. Mal fein säuselnd, mal aus voller Brust schreiend, lassen sie ein grosses Können an sprachlichem Ausdruck und mimischer Variation erkennen und erzeugen damit eine subtile Spannung. Als Kontrast zum rationalen Sprechen vermittelt die starke Körperlichkeit des Spiels ein eindringliches Bild der inneren Zerrissenheit der Jugendlichen. Sie rennen an gegen die unüberwindbar hohen Wände, poltern auf den Tisch, krümmen sich auf dem Boden.“ kulturkritik.ch

„Die sieben jungen Schauspieler antworten auf ihre Herausforderung mit unmissverständlicher Präsenz: Da wird gerannt, gekeucht, gekämpft, geschwiegen und gelebt.“ NZZ

Theater der Künste/Bühne A (Gessnerallee 9)

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