Die zweite Frau

von Nino Haratischwili

Schweizer Erstaufführung

Regie Maximilian Enderle / Grundraum Marie Hartung / Bühnenbild Natascha Leonie Simons / Kostüme Liv Senn und Tiziana Angela Ramsauer
Mit Isabelle Menke, Katrija Lehmann, Lena Drieschner

Laura Isabelle Menke
Agnes (ihre Tochter) Katrija Lehmann
Lena (Haushaltshilfe) Lena Drieschner
 
Regie Maximilian Enderle
Grundraum Marie Hartung
Bühnenbild Natascha Leonie Simons
Kostüme Liv Senn und Tiziana Angela Ramsauer
Dramaturgie Viola Hasselberg
Choreographie Ilona Kannewurf
Regieassistenz Anju Sauter

Pfauen/Kammer
Premiere am 16. März 2019
Vorstellungsdauer: ca. 1 Stunde 30 Minuten, ohne Pause

Zwischen Agnes und Laura herrscht Krieg – ein lebenslanger. So jedenfalls beschreibt Agnes die Beziehung zu ihrer Mutter Laura, deren Kälte und Unnahbarkeit sie mit Gewaltfantasien bekämpft. Laura hat sich seit vielen Jahren hinter einer Maske aus Kontrollzwang und Perfektionswahn versteckt, die nun plötzlich Risse bekommt, denn Laura ist unheilbar krank. Ihrer Familie, dem Mann und ihrer Tochter, verheimlicht sie die Krankheit. Aber sie muss sich der Tatsache stellen, dass sie bald sterben wird, also zieht sie Bilanz: In der Rolle der liebenden Ehefrau und fürsorglichen Mutter sind ihre eigenen Bedürfnisse auf der Strecke geblieben. Die Haushaltshilfe Lena soll ihren Platz einnehmen, sie ganz und gar, überall und jederzeit, ersetzen – die „zweite Frau“ werden. Und nicht nur das. Sie soll auch das Leben nachholen, das sie versäumt hat: die Rache an ihrem untreuen und narzisstischen Ehemann und die Erziehung der unglücklichen Tochter zu einem selbstbewussten Menschen. „Du wirst das Leben in die Knie zwingen“, sagt sie zu Agnes, „und schwach wirst du auch nicht sein. Ich bringe es dir bei!“ 
 
Nino Haratischwili, geboren 1983 im georgischen Tiflis, ist preisgekrönte Theaterautorin und Regisseurin. Zuletzt für ihre grossen Romane „Das achte Leben (für Brilka)“ und „Die Katze und der General“ gefeiert interessiert sich Haratischwili oft für besondere Frauenfiguren, ihre Überlebenstricks, ihre Abgründe und ihre Schönheit. Als junge Frau kam sie aus Georgien nach Deutschland, lebt seither ein Leben mit dem doppelten Blick, und hat ihre ganz eigene Sprache gefunden.
 
„Die zweite Frau“ ist zugleich eine tragische und rabenschwarz-komische Geschichte über weibliche Emanzipation und die Frage, ob man seinem Leben in die richtige Spur verhelfen kann. Maximilian Enderle, Regieassistent am Schauspielhaus, zeigt seine erste eigene Inszenierung.


Fotos  © Matthias Horn

„Über Männer wird gesprochen, und sie sind bei vielem Grund des Übels. Doch das Drama «Die zweite Frau», das die in Deutschland lebende georgische Autorin Nino Haratischwili als Auftragsstück für das Grazer Schauspielhaus geschrieben hat, ist kein Text für Frauen. Es ist ein Text gegen sie. Haratischwili zeichnet Frauen als Verliererinnen des Dramas Europa – und der privaten Dramen, ihrer Eltern- oder Liebesbeziehungen. Wer es höllisch schwarz und abgrundtief hoffnungslos mag, bekommt die Bilder dazu jetzt im Schauspielhaus Zürich geliefert. Bitter ist das, beunruhigend, zweischneidig provokant und enorm wirkungsstark.“ NZZ

„Vor allem aber lebt der Abend von den Schauspielerinnen. Katrija Lehmann als das Mädchen Agnes: ein Gör, das die Wände hochspringen kann und dann tiefbetrübt wieder am Boden kauert. Lena Drieschner als Lena: die Haushaltshilfe kann Luft sein, wenn man sie wie Luft behandelt, und ist dann sehr spielbestimmend. Isabelle Menke als Laura: eine Frau, die ihre Ticks hat und doch immer ganz bei sich ist.“ Tages-Anzeiger

„Das Stück über die Ausbeutung einer Haushaltshilfe wird in Zürich zu einer psychologisch dichten Parabel über die Abgründe des verfettenden, vergreisenden Europas.“ SWR

„Eine wortgewaltige und bissige Abrechnung mit dem alten Europa, mit Selbsttäuschungen und weiblichen Rollenbildern. NZZ am Sonntag

Publikumsgespräch mit dem Regisseur am 21. März, nach der Vorstellung
Theater im Gespräch am 26. April

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